ein sarg aus hongkong (manfred r. köhler, deutschland 1964)

Veröffentlicht: Februar 14, 2015 in Film
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Ein-Sarg-aus-Hongkong-DE-PosterEin weiterer Beitrag aus Wolf C. Hartwigs langer Galerie sogenannter HongkongReißer, diesmal im Verbund mit Erwin C. Dietrich produziert, mit dem Star der zur selben Zeit die Zuschauerscharen anlockenden Edgar-Wallace-Reihe besetzt und vom Regiedebütanten Manfred R. Köhler inszeniert. Letzterer, bzw. vielmehr seine steife, fantasielose Inszenierung, ist dann auch das Hauptproblem des Films, der trotz ordentlicher Schauwerte – der Film wurde, anders als etwa die Jerry-Cotton-Filme zur selben Zeit, on location gedreht – nicht richtig aus den Pötten kommt. EIN SARG AUS HONGKONG ist fürchterlich angestaubt und behäbig, bestätigt im Grunde alle Vorurteile, die man gegen deutsches „Actionkino“ so hat.

Heinz Drache, gewissermaßen die Schuhkommode zu Curd Jürgens normannischem Kleiderschrank, ist dann auch die kongeniale Besetzung für den Londoner Privatdetektiv Nelson Ryan, der sich mit seinem Assistenten Bob Tooly (Ralf Wolter) in der britischen Kronkolonie wiederfindet, nachdem er in seinem Büro die Leiche einer Chinesin entdeckt. Mit der ihm eigenen, unverwechselbaren Mischung aus cooler Souveränität und onkelhafter Biederkeit, par excellence verkörpert durch seine mit stoischer Beharrlichkeit getragene Mecki-Frisur, mischt er die Hongkonger Unterwelt auf und wandelt dabei sicherlich nicht zufällig auf den Pfaden des britischen Superagenten James Bond. Die schönen Frauen liegen ihm zu Füßen (besonders adrett: Elga Andersen als Stella), an jeder Ecke lauern mit Messern wedelnde Schergen und einen Oberschurken mit Kissenbezug über dem angeblich entstellten Gesicht gibt es auch. In einer Reminiszenz an DR. NO bekommt er es in seinem Bett einmal mit einem Skorpion zu tun und aus einem flutbaren Kellerraum entkommt er nur mit der Hilfe eines kleinen Straßenjungen, dem er zuvor fünf Dollar zugesteckt hatte. Im Finale gibt es eine „spektakuläre“ Rettungsaktion, als die drei Protagonisten mit dem Hubschrauber von einer brennenden Dschunke geangelt werden, auf die man offensichtlich so stolz war, dass sie in voller Länge ausgespielt wird.

EIN SARG AUS HONGKONG ist mithin kein Film, den es unbedingt wiederzuentdecken gälte. Aber so, wie ich ihn gestern gesehen habe, krank und bräsig im Bett liegend, ist er durchaus nützlich. Und, wie gesagt, die bunten Hongkong-Kulissen, die haben schon was für sich.

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