zärtliche chaoten 2 (holm dressler, deutschland 1988)

Veröffentlicht: Februar 15, 2015 in Film
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ZÄRTLICHE CHAOTEN II, der Film, den sich das deutsche Publikum selbst zuzuschreiben hat, weil es den Vorgänger zum Hit machte. In einem sehr, sehr unerwarteten Anflug von Ambition und Fantasie eröffnet der wieder von Gottschalk gescriptete Film in der Zukunft des Jahres 2043, wo Frank Nordmann (Thomas Gottschalk) von seinem Radio mit Nachrichten über die neueste Schönheitsoperation von Michael Jackson und den 75- Geburtstag von Boris Becker geweckt wird (man ahnt da schon, dass „Ambition und Fantasie“ dann doch nur in mikroskopischen Dosen vorhanden waren), sich dann per Fernbedienung einen Hamburger macht, das Bett zusammenfalten und von einem kegelförmigen Helm die Morgenhygiene besorgen lässt. Mit einem an einen Golfwagen erinnernden Gefährt begibt er sich an die Arbeit im Patentamt, wo ihm und seinem Kollegen Prielmayer (Helmut Fischer) der fiese Chef Dr. Kneitz (Georg Marischka) im Nacken setzt. Die neueste Erfindung eines nervtötenden Dauerkunden (Jochen Busse), eine Zeitmaschine, bringt Nordmann und Prielmayer auf eine Idee: Sie wollen nach Gran Canaria ins Jahr 1988 reisen, wo Kneitz einst gezeugt wurde, und seine Mutter am Beischlaf hindern. Weil die Zeitmaschine aber immer alle Menschen erfasst, die gerade anwesend sind, nehmen sie aus Versehen auch die Reinigungskraft Ronny (Michael Winslow) mit, der zur falschen Zeit den Raum betritt. Auf Gran Canaria angekommen, machen sie eine schöne Brünette (Deborah Shelton) als Kneitz‘ Mama aus, an die sich Nordmann sofort ranschmeißt. Der Plan scheint also voll aufzugehen, doch was die Zeitreisenden nicht wissen, ist dass ihnen eine Verwechslung unterlaufen ist: Am Ende ist ihr Chef ein Schwarzer, der Ronny wie aus dem Gesicht geschnitten ist. Höhö.

Schon der erste Teil nutzte seine lieblos hingeklöppelte Geschichte nur als fadenscheiniges Alibi für mehr oder weniger zusammenhängende Sketche, die dummerweise selten lustig waren. Im zweiten Teil wird diese „Erfolgs“-Strategie beibehalten, mit dem Unterschied, dass nun auch die Prämisse komplett idiotisch ist. Die Freude über den Größenwahn, der nötig ist, um unter den gegebenen Vorzeichen tatsächlich eine Science-Fiction-Komödie zu machen, weicht schnell der Ernüchterung, wenn man merkt, dass andere Dinge wichtiger waren als wenigstens ein Hauch von visionärer Vorstellungsgabe. So beginnt der übliche haarsträubende, geisttötende Mumpitz bereits nach nur kurzer Exposition just in dem Moment, in dem die Protagonisten auf der Urlaubsinsel gelandet sind. Das Bedürfnis, sich der Epoche entsprechend zu kleiden, mündet in eine ausgedehnte Modenschau mit zum Erbrechen absurder Sommerkleidung, in der sich offenkundig nur Gottschalk wohlfühlte. Der Mann kann bekanntlich alles tragen und tut das ja auch. So läuft er dann während des restlichen Films rum wie ein gescheiterter Rhönradturner, der von der demenzkranken Mutter eingekleidet wird. Der Gipfel der Dreistigkeit ist, dass wir glauben sollen, er könne so tatsächlich die ziemlich leckere Deborah Shelton abgreifen, die ein paar Jahre zuvor noch in De Palmas BODY DOUBLE mitgewirkt hatte. Zu sehen, wie die selbstverliebte Supernase ihre in den Bikini gehüllten Gardemaße befingert, ist genug, um einem die Zornesröte ins Gesicht zu treiben. Ich bin mir sicher, dass bei Gottschalks hier zum Ausdruck kommenden Omnipotenzwahn noch nicht einmal Koks im Spiel war, was ihn noch unerträglicher macht, als er ohnehin schon ist. Und es ist bezeichnend, dass die US-Schauspielerin, sicherlich nicht die Größte ihres Fachs und wohl vor allem wegen ihres Aussehens bekannt geworden, ihre drei männlichen Kollegen in punkto Charme und Natürlichkeit nicht nur an, sondern gleich durch die Wand spielt. Die beste Szene des Films hat dann auch sie, gemeinsam mit einem gewohnt selbstironischen David Hasselhoff, was mir als Hauptdarsteller und Drehbuchautor zu denken gäbe. Winslow und Fischer machen sich auffallend rar und man möchte sie dazu beglückwünschen. Harald Leipnitz, dessen Urteilskraft ihn hier nach dem Vorgänger zum zweiten Mal im Stich ließ, hat dafür mein vollstes Mitleid, anders als die knapp eine Million verlorener Seelen, die sich vom Grauen des ersten Teils nicht hatten abschrecken lassen und auch für diese filmische Prostatauntersuchung ihre Karte an der Kinokasse lösten. Andererseits: Ich habe mir die DVD ja auch gekauft, ich dummes Schwein.

 

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