zärtliche chaoten (franz josef gottlieb, deutschland 1987)

Veröffentlicht: Februar 15, 2015 in Film
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zaertliche_chaoten_dEine „romantische Komödie“, geschrieben von Thomas Gottschalk, das ist tatsächlich so krank und pervers, wie es sich anhört. Ricky (Thomas Gottschalk), Walker (Michael Winslow) und Schmidgruber (Helmut Fischer) fliegen vom Set des neuen Winnetou-Films – Hauptdarsteller: Pierre Brice, Regie: Harald Leipnitz –, wo sie als Old Shatterhand, Soundmann und Caterer versagt haben. Auf der Heimfahrt begegnen sie der Blondine Rosi (Dey Young), die völlig hilflos neben ihrem liegengebliebenen 2CV steht. Die drei sind sofort hin- und weggerissen von der dümmlich-netten Dame und machen ihr fortan den Hof, betrachten das gleichzeitige Buhlen als eine Art Wettbewerb, den sie vor ihr noch nicht einmal verheimlichen. Rosi schaltet mitnichten die Polizei ein, um sich die drei Stalker vom Leib zu halten, sondern findet ihr Verhalten offensichtlich ganz normal und sogar „süß“. Nach einer gemeinsam durchsoffenen Nacht, bei der die Freunde eine Art „Nichtangriffspakt“ abschließen, heuern sie im Schlosshotel am Wörthersee an, wo sie bald eine Nachricht von ihrer Holden bekommen: Sie ist schwanger und hat keine Ahnung, wer der Vater ist. Die Drei entscheiden, Rosi bis zur Entbindung gemeinsam zu unterstützen, dann soll der Schuldige für den „Vertragsbruch“ von den beiden anderen verdroschen werden. Doch bis dahin sind noch viele Hürden zu nehmen, weil unqualifizierte Vollhonks auf dem Arbeitsmarkt nicht gerade gefragt sind …

ZÄRTLICHE CHAOTEN ist, wie oben erwähnt, der (gleichermaßen spektakulär wie kläglich gescheiterte) Versuch einer leichten romantischen Komödie, der deutlich von dem französischen 85er-Erfolgsfilm TRES HOMMES ET UN COUFFIN inspiriert ist (dessen US-Remake THREE MAN AND A BABY im selben Jahr wie ZÄRTLICHE CHAOTEN in die deutschen Kinos kam). Dem traditionellen Rollenverständnis und dem Schmelz dieses Genres setzen Gottschalks analphabetisches Drehbuch und Gottliebs mechanistische Regie aber ein geradezu soziopathisches Liebesverständnis und puren Autismus entgegen, der die Sexfilme eines Jürgen Enz wie aufrichtige Sozialdokumentationen erscheinen lässt. Wie die drei Hauptfiguren vom Fleck weg ihr Herz an diese durch und durch langweilige Person verschenken, dann miteinander in einen offenen Wettbewerb um sie treten, bei dem die Auserwählte, überglücklich über die Zuneigung dreier verhaltensgestörter Komplettversager, auch noch mitspielt, ist schon befremdlich genug, aber die typischen LISA-Film-Beigaben setzen dem ganzen noch die Kotkrone auf. Mit dem „Umzug“ ins bekannte Schlosshotel beginnen die episodischen Zoten mit ihrem berückend simplizistischen Humor, den popkulturellen Referenzen – der damalige Bayern-Torwart Jean-Marie Pfaff ist Teil einer besonders blöden Slapstick-Nummer – und den wahllos hineingeworfenen Gimmicks. Der beste Wortwitz ist Gottschalks Kommentar zu einem alten Paar Turnschuhe, das er im neuen Quartier der Freunde findet: „Turnschuhe gebraucht, Marke: Gorgonzola“. Aber was will man auch von einem Film erwarten, der ein One-Trick-Pony wie Michael Winslow zu seinem „Star“ macht? Der Amerikaner hatte seine Masche 1987 bereits in vier POLICE ACADEMY-Filmen ausgereizt und darüber hinaus nicht viel zu bieten. Neben einem Antischauspieler wie Gottschalk sieht er freilich immer noch wie die schwarze Reinkarnation Robert DeNiros aus, aber das Lustigste an ZÄRTLICHE CHAOTEN ist eigentlich der indignierte Gesichtsausdruck von Helmut Fischer, der mit zunehmender Resignation vergeblich versucht, seine Würde zu bewahren.

Die finale Pointe schlägt dem Fass dann endgültig den Boden aus: Es stellt sich heraus, dass die brave Rosi in jener alkoholberauschten Nacht mit ihren drei Verehrern nicht etwa nur von einem, sondern gleich von allen dreien begattet wurde. Mit viel Goodwill könnte man das ja als Ja zu einem nicht-traditionellen Familienbild und zur polygamen Beziehung werten, aber damit täte man diesem Film, bei dem Harry Nilssons anästhesiertes Liebesbekenntnis „Without you“ in Dauerschleife rotiert, entschieden zu viel des Guten. Man weiß nicht, ob die Masterminds hinter dem Film schier zu blöd waren, um die eindeutige Implikation hinter ihrem genialen Plottwist zu bemerken, oder ob nicht doch eher Gottschalks eigenes höchst konservatives Rollenbild dahintersteckt: Für die Dreifach-Befruchtung einer betrunkenen Frau durch drei verschiedene (miteinander befreundete) Männer in einer Nacht hätten Rechtsanwälte sicherlich einen passenden strafrechtlich relevanten Begriff parat, der ironischerweise auch beschreibt, was ZÄRTLICHE CHAOTEN mit dem Zuschauer anstellt. Kein Wunder, dass das Offensichtliche nicht ausgesprochen wird, denn in Rosis dumpfer Dankbarkeit, Empfänger eines lupenreinen Gangbangs geworden zu sein, spiegelt sich ja auch die schafherdengleiche Blödheit des deutschen Publikums, das in Scharen ins Kino rannte und dafür sogar mit einer Fortsetzung belohnt wurde. ZÄRTLICHE CHAOTEN ist so vollkommen idiotisch und bescheuert, dass man ihn sich als Bewohner dieses Landes wenigstens einmal angesehen haben muss. Empfindsame Seelen sollten jedoch Abstand von der Sichtung nehmen oder sich dafür wenigstens qualifizierten Beistand suchen.

Kommentare
  1. Faniel Dranz sagt:

    Als großes Finale fehlt jetzt eigentlich nur noch der hochschwangere Krüger in Dr. Prötel´s „Seitenstechen“ und danach kann zumindest ich – erschöpft, erheitert und erleichtert – das Genre des Nasenbärenfilms wieder zu den Akten legen…bis er dann irgendwann in ferner Zukunft, mal wieder zu jucken anfängt…der olle Zinken.
    P.S.: Dieses Kommentar war ein codierter Review-Wunsch! 😀

    • Oliver sagt:

      Den habe ich vor ca. hundert Jahren mal im Fernsehen gesehen … Ich weiß nicht so recht … Ich glaube, erst einmal reicht’s mir. 😀

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