inferno (john g. avildsen, usa 1999)

Veröffentlicht: Februar 19, 2015 in Film
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Ich habe leider nur die massiv gekürzte deutsche Fassung dieses Films gesehen, deshalb ist mein Text hier unter Vorbehalt zu betrachten. Unter normalen Umständen hätte ich mir diese Version des FIlmes gar nicht angesehen, aber ich wusste im Vorfeld nichts über eine ungekürzte Version, hatte INFERNO sowieso als ein eher uninteressantes DTV-Vehikel abgetan und keine Ahnung, dass sich hinter dem Regiepseudonym „Danny Mulroon“ der ROCKY-Veteran John G. Avildsen verbirgt, der seinen Namen zurückzog, nachdem sich das Studio in seinen fertigen Film eingemischt hatte. Der Film ist wahrscheinlich auch ohne die Kürzungen, die mir seltsamerweise kaum aufgefallen sind, merkwürdig, und ich kann nur mutmaßen, wie er wohl in einer intakten Version aussieht. Möglicherweise entpuppt er sich dann, wenn alle Kanten sauber abgerundet sind, als spröder Langweiler, so als 75-minütige schroff in den Himmel ragende Ruine ist er durchaus interessant, weil da scheinbar unvereinbare Gegensätze hart und unvermittelt aufeinandertreffen.

INFERNO beginnt mit einem indianischen Sprichwort und einem einsam auf einem Motorrad durch die Wüste fahrenden Van Damme als Veteran Eddie Lomax. Er hält an, steigt ab, nimmt eine Flasche Fusel und eine Knarre aus seinem Gepäck, trinkt einen kräftigen Schluck und legt sich dann mitten in die sich meilenweit in alle Richtungen ausdehnende Leere. Er wartet auf seinen Freund, den Indianer Six-Toes (Danny Trejo), den er um Erlaubnis zum Selbstmord bitten will und der dann plötzlich auch wie aus dem Nichts erscheint. Bevor Lomax seinen Plan jedoch ausführen kann, kommen ihm ein paar Proleten zuvor, die ihm das Motorrad klauen, das eigentlich für Six-Toes bestimmt ist, und ihn als tot zurücklassen. Es stellt sich heraus, dass sie zum Hogan-Clan gehören, einer Bande von Drogendealern, die ein Wüstenkaff namens Inferno in Angst und Schrecken versetzen. Die Anwesenheit einer Gruppe von Bikern nutzt Lomax, um einen Krieg zwischen den beiden anzuzetteln, in den auch die gebeutelten Bewohner von Inferno eingreifen.

Die Handlung ist unverkennbar von Kurosawas YOJIMBO inspiriert (die ihrerseits etliche Male aufgegriffen wurde, etwa von Sergio Leone für PER UN PUGNO DI DOLLARI oder von Walter Hill für LAST MAN STANDING), aber Avildsen befreit sie vom ihr innewohnenden Ingrimm. INFERNO wirkt abwechselnd hochgradig reduziert und stilisiert (der Anfang, der nahelegt, das Lomax und Six-Toes Phantome aus dem jemseits sind), dann wieder wie eine sehr warmherzige Komödie. Das Treiben in Inferno, das überwiegend von alten Leuten mit liebenswerten Marotten bewohnt wird, erinnerte mich etwa – gerade auch im Hinblick auf die Kulisse – an Ron Underwoods grandiosen TREMORS. Diese verschiedenen Ansätze stehen etwas unversöhnt nebeneinander und wirklich zwingend ist das alles nicht, aber dann auch wieder sehr ungewöhnlich und interessant. Ich war durchaus positiv überrascht, werde mir ein abschließendes Urteil bis zur Sichtung der intakten Fassung aber verkneifen.

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