unruhige töchter (hansjörg amon, deutschland/schweiz 1968)

Veröffentlicht: Februar 28, 2015 in Film
Schlagwörter:, , ,

unruhige-toechter-9717_xlUNRUHIGE TÖCHTER ist so etwas wie das verhinderte Companion Piece zu Baumgartners großartigem SEX UND NOCH NICHT 16. Beide teilen eine jugendliche Hauptfigur (hier ist es die Abiturientin Susanne), hier wie dort gibt Peter Capra einen fiesen Erpresser, der Score ist zum Teil deckungsgleich und wie Baumgartner durfte auch Hansjörg Amon nur diesen einen Film inszenieren. Da hört es dann mit den Gemeinsamkeiten aber auch schon wieder auf, denn UNRUHIGE TÖCHTER ist, wenn auch durch die Nostalgiebrille betrachtet ganz putzig, eher missraten, inszenatorisch kein Vergleich zum kreativen SEX UND NOCH NICHT 16.

Der Film kreist um die frühreife, progressiv eingestellte Susanne (Brigitte Skay), die ihre spießigen Lehrer mit neugierigen Aufklärungsfragen in die Bredouille bringt, eine Affäre mit dem verheirateten Lateinlehrer anfängt, Freundinnen zur Abtreibung rät und am Ende in die weite Welt reist, um Filmstar zu werden, während die Schulkameradinnen mit ihren kleinbürgerlichen Problemchen zu Hause bleiben. Das könnte ja alles ganz nett sein, wenn es nicht so hoffnungslos altbacken inszeniert und nachlässig erzählt wäre. Exemplarisch sei hier nur der Schauspieler-Subplot erwähnt: Susanne erhält durch ihren Fotografen und Liebhaber Kontakt zu einem Filmregisseur, der sie nach Betrachtung ihrer Nacktfotos vom Fleck weg als Hauptdarstellerin für seinen neuesten Film – ein Selbstmorddrama – haben will. Man glaubt zunächst daran, dass er sie mit diesem Bekenntnis nur ins Bett zerren will, doch er meint es tatsächlich ernst. Bei der ersten Szene hat sie noch Probleme, meistert sie aber mithilfe ihres Fotografenmentors, bei der zweiten ist der Regisseur dann vollends begeistert. Aber was für Szenen das sind: Damit käme kein Provinztheater durch. Dass Susanne aufgrund dieser Darbietung am Ende ins Flugzeug nach Hollywood steigt, ist geradezu lachhaft. Das Herz der Films schlägt durchaus auf dem rechten Fleck: Susanne ist eine junge Frau, die sich nicht in das Ende der Sechzigerjahre noch enge Rollenkorsett zwängen lassen will, sich nimmt, was sie will, und dabei keine Kompromisse macht. Aber sie wirkt darin eben nicht glaubwürdig, der ganze Film ist gnadenlos konstruiert und Brigitte Skay – wie im intradiegetischen Film – hoffnungslos damit überfordert, mehr als nur das hübsche, sexuell erfahrene Püppchen mit dem großen Mundwerk zu geben. Und trotz vergleichsweise straffer Handlungsorganisation kommt UNRUHIGE TÖCHTER am Ende zerstückelter und zerfahrener daher als der improvisierte, fragmentarische SEX UND NOCH NICHT 16. Nee, das war nix.

Udo kommt zu einer wesentlich positiveren Einschätzung, die ich meinen Lesern nicht vorenthalten will.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s