olympus has fallen (antoine fuqua, usa 2013)

Veröffentlicht: März 2, 2015 in Film
Schlagwörter:, , , , , , ,

Olympus-Has-FallenIm Rennen um die Aufmerksamkeit musste Antoine Fuquas Presidentsploitationer zwangsläufig gegen Roland Emmerichs nahezu zeitgleich gestarteten WHITE HOUSE DOWN verlieren. Die Frage, ob das gerechtfertigt war, beantworte ich vielleicht, wenn ich letzteren irgendwann mal sehen sollte, für den Augenblick beschränke ich mich auf die Feststellung, dass mir OLYMPUS HAS FALLEN als überraschend heftiger, Neunzigerjahre-Retro-Actioner viel Spaß gemacht hat, man aber merkt, dass Fuqua sich in weniger aufgeblasenen, ultrapatriotischen Fahnenschwenkern deutlich mehr zu Hause fühlt. Sowohl BROOKLYN’S FINEST, THE EQUALIZER als auch SHOOTER muten persönlicher und eigenständiger an, weniger auf einen nationalhygienischen Zweck hin modelliert, der in OLYMPUS HAS FALLEN in schöner Regelmäßigkeit für Augenrollen sorgt. Aber ich ahne, dass das in Emmerichs WHITE HOUSE DOWN wahrscheinlich alles noch viel schlimmer ist, zumal der sich nicht so auf die Inszenierung krachender Shootouts versteht wie Fuqua es ohne Frage tut. Aber die Eroberung des Weißen Hauses, bei der zahlreiche nationale Symbole effektreich zerstört werden und die in dem mit aller zur Verfügung stehenden Computerpower manipulierten Bild des vom Dach flatternden, zerfetzten Star Spangled Banner kulminiert, die hätte auch Hollywoods Lieblingsschwabe kaum masochistischer und dramatischer in Szene setzen können.

OLYMPUS HAS FALLEN ist, auch das macht ihn meiner Meinung nach interessant, zwischen Traditionsbewusstsein und Aktualitätsbestreben hin- und hergerissen. Der Präsident ist hier, anders als bei Emmerich, der Jamie Foxx als an Obama angelehntes Staatsoberhaupt besetzte, ein Weißer (Aaron Eckhart als liberaler Benjamin Asher), der mit seiner kumpeligen Attitüde an Bill Clinton denken lässt. Das Plotkonstrukt mit dem allein auf weiter Flur kämpfenden Spezialisten erinnert frappierend an die ersten beiden DIE HARD-Filme, die Schurken hingegen sind die Nazis bzw. Russen der Gegenwart, nämlich Nordkoreaner, und die Action wechselt von mit CGI aufgepimpten, ausufernd-bombastischen Schlachtgemälden hin zum brachialen, reduzierten Mann gegen Mann, das schon den Western auszeichnete. Richtig geil ist OLYMPUS HAS FALLEN immer dann, wenn er sich seinem Protagonisten, dem ehemaligen Leibwächter des Präsidenten Michael Banning (Gerard Butler), an die Fersen heftet, ihn bei seiner Infiltration des von Feinden besetzten Weißen Hauses begleitet und ihn dabei beobachtet, wie er die Schurken mit äußerster Rücksichtslosigkeit plattmacht. Durchaus untypisch für ein Eventmovie dieser Größenordnung geizt OLYMPUS HAS FALLEN nicht mit heftigen Brutalitäten: Die Kopfschüsse sind nicht zu zählen, auch Messerattacken richten sich mit Vorliebe gegen den Hals oder den Schädel der Opfer, und wenn mal keine Waffe zur Hand ist, wird eben kurzerhand das Genick gebrochen. In Hinblick auf das Sujet des Films darf man das durchaus als Warnung potenzieller Terroristen verstehen: Wer sich am Nationalheiligtum vergreift, hat keine Barmherzigkeit zu erwarten. Gerard Butler ist mit seinem Bulldoggengesicht und dem aufgepumpten Body eine ideale Besetzung für den treuen Staatsdiener, der etwas gut zu machen hat – in der Eröffnungsszene misslingt es ihm, die First Lady (Ashley Judd) nach einem Autounfall vor dem Tod zu bewahren, was ihm seinen Job kostet und ihn vom Präsidenten und dessen Sohn entfremdet –, geht seiner Aufgabe mit vollem Körpereinsatz nach und blutet dabei fast so schön wie einst Bruce Willis.

Neben der patriotischen Onanie des Films und der Ernsthaftigkeit, mit der dieser würzige Käse ausgebreitet wird, als handele es sich dabei um die neue Declaration of Independence (die finale Ansprache des Präsidenten, der potenzielle Aggressoren mithilfe wohlklingender Buzzwords wie „unity“, „strength“, „heroes“, „dignity“ und natürlich „God“ darüber aufklärt, dass die Bevölkerung der USA im Ernstfall eine vereinte, unnachgiebige Front bilde, ist gewiss der Tiefpunkt des Films) ist es vor allem der reichlich selbstzweckhaft komplizierte Plan der Schurken, der Kritik verdient: Sie dringen ins Weiße Haus ein und entführen die drei Ranghöchsten Staatsdiener, um von ihnen die Codes zur Aktivierung des „Cerberus-Programms“ zu erpressen, mit dessen Hilfe sämtliche Atomraketen und mithin die Selbstverteidigung des Landes gegen einen nuklearen Erstschlag lahmgelegt werden sollen. Man sollte meinen, dass die Terroristen das auch etwas einfacher hätten haben können, wenn sie doch schon so weit ins politische Herz der Nation vorgedrungen waren. Aber natürlich ist das Spielchen so etwas spannender, gibt es dem Helden überhaupt erst die Zeit, etwas gegen die Feinde auszurichten. Und wie gesagt: Wie er da aufräumt, das macht Spaß und dürfte aus meiner Sicht durchaus als Vorbild für weitere großbudgetierte, gewalttätige Retroactioner herhalten. Besser als die letzten beiden EXPENDABLESFilme, die sich diese Aufgabe eigentlich auf die Fahnen geschrieben haben, ist OLYMPUS HAS FALLEN sowieso.

Kommentare
  1. Chrisch sagt:

    Ein sehr gelungener Actionfilm.

    Sofern man in der Lage ist, den rechtskonservatien, nicht nur stellenweise reaktionären Grundtenor, auszublenden, funktioniert „Olympus“ als Actionfilm superb.

    Vielleicht macht ihn sein reaktionärer Grundtenor aber auch gerade für jene so symphatisch, die schon mit Filmen aus den Achtzigern a la „Invasion USA“ oder anderen Cannon-Produktionen ihre Freude gehabt haben.

    Fuqua reaktiviert für den geneigten Zuschauer nämlich genau jene Sorte des politisch fragwürdigen und obendrein inhaltlich naiv daherkommenden Actionfilms und findet mit Butler auch einen wunderbar charsimatisch und „übertough“ daherkommenden Hauptdarsteller.

    Sicher, die CGI sind stellenweise nicht gelungen, aber im Großen und Ganzen ist die Inszenierung der Action doch alte Schule und man kommt nicht umhin zu denken, dass Golan und Globus heutzutage genau solche Filme in die Lichtspielhäuser bringen würden.

    „Olympus Has Fallen“ ist für mich – neben dem starken Speakman-Vehikel „Deadly Takeover“ – das gelungenste Die Hard Rip-Off überhaupt geworden.

    greetz

    • Oliver sagt:

      Hm. Also den Cannon-Vergleich würde ich nicht unbedingt ziehen. Reaktionär und reaktionär sind dann in diesem Fall doch irgendwie zwei Paar Schuhe. OLYMPUS ist, mag er auch noch so sackbrutal sein, dann doch irgendwie Erbauungskino für den Durchschnittsamerikaner. Das kann man über die Cannon-Filme nicht wirklich sagen. Ich kann noch nicht so genau den Finger darauf legen. So patriotisch ein Film wie INVASION USA auch sein mag, sein Held agiert doch immer außerhalb des Systems, anders als Butler hier. Aber ganz davon abgesehen mochte ich den Film auch.

  2. Chrisch sagt:

    „Im Rennen um die Aufmerksamkeit musste Antoine Fuquas Presidentsploitationer zwangsläufig gegen Roland Emmerichs nahezu zeitgleich gestarteten WHITE HOUSE DOWN verlieren.“

    Wie genau meinst du das?

    Olympus war anno 2013 einer der großen Überraschungshits und konnte bei nicht einmal $70 Mio. Produktionskosten über $160 Mio. wieder einspielen. Noch dazu mit einer R-Freigabe daherkommend.

    Emmerich hatte darauf mit seinem später gestarteten – aber thematisch ähnlichlichem – „White House Down“ arge Schwierigkeiten, dass Publikum erneut für eine Invasion des Weißen Hauses begeisern, blieb finanziell weit unter den Erwartungen und rief auch nicht eine so große Resonanz hervor, wie der R-Rated Überraschungshit „Olympus“.

    Emmerichs Film kostete satte $150 Mio. und spielte „nur“ knapp $205 Mio. wieder ein.

    In Anbetracht der großen Werbekampagne, des hohen Budgets und der grundsätzlichen Erwartungen in einen Emmerich-Blockbuster rief das – recht überraschend für die meisten Beteiligten – keine großen Jubelarien hervor.

  3. Chrisch sagt:

    Falls du dich auf Deutschland beziehst mag das sein. In den USA sah das aber meines Erachtens nach anders aus.

    Mittelpunkt vieler Diskussionen war der Überraschungserfolg von Olympus. Noch dazu kam der bei der Kritik einigermaßen wohlwollend an.

    Als dann W.H.D. erschien, war – schon auf Grund des ähnlichen Themas – die Luft irgendwie raus. Weiterhin zog er auch – sofern Kritiker verglichen – meist den kürzeren und verschwand schnell aus der Berichterstattung.

    Der Werbeaufwand war freilich – schon auf Grund der finanziellen Möglichkeiten – bei W.H.D. größer. Das ist klar.

    Aber diskutiert wurde eher Olympus. So zumindest meine Wahrnehmung. Ist allerdings müßig da auf einen Nenner zu kommen.

    greetz

    • Oliver sagt:

      Es kann durchaus sein, dass du Recht hast und meine Formulierung vorschnell bzw. ungenau ist. Ich bezog mich in erster Linie auf Deutschland, wo der Emmerich natürlich zwangsläufig mehr Publicity abbekommen hat, und habe mich da vielleicht von meinem Gefühl mitreißen lassen. Als ich von OLYMPUS hörte, war das für mich der kleinere Abklatsch. Erst kürzlich habe ich registriert, dass der von Fuqua ist. Lief OLYMPUS bei uns überhaupt im Kino?

  4. Chrisch sagt:

    Bezogen auf Deutschland hat W.H.D. mehr stattgefunden. Wie du richtig sagst, vor allem auf Grund von Emmerich.

    Der Film lief tatsächlich im Kino. Da habe ich ihn seinerzeit auch in einer Sneak erwischt. War aber nicht allzu erfolgreich.
    Knapp 144.000 Kinozuschauer waren es in unseren Gefilden. ->http://www.insidekino.de/DJahr/D2013.htm

    In Deutschland ging Emmerich – was die Zuschauer angeht – mit guten 1,2 Mio. als klarer Sieger hervor.

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s