das geheimnis der lederschlinge (luigi capuano, deutschland/italien/monaco 1964)

Veröffentlicht: März 16, 2015 in Film
Schlagwörter:, , , , ,

pl_geheimnis_schwarzen_lederschlingeMancher Zuschauer, der nach Betrachtung des Posterartworks in Erwartung eines Edgar-Wallace-Gruselkrimis die Kinokarte gelöst hatte, dürfte sich angesichts des bunten Abenteuerquarks um entführte Kolonialistentöchter, indische Sekten, unterirdische Tempel, wiedergeborene Todesgöttinnen und tapfere Schlangenjäger ziemlich verkohlt gefühlt haben. DAS GEHEIMNIS DER LEDERSCHLINGE ist niedliches, naives, altbackenes und vor allem arg betuliches Abenteuerkino, das schon 1964, als die sogenannten „Reißer“ die Leinwände zu erobern begannen, niemanden mehr um den Schlaf gebracht haben dürfte. Der indische Thug-Kult, der die exotischen Bösewichter des Films stellt, kommt über eine Ansammlung verkleideter Statisten nicht hinaus, und die vollmundigen Drohungen des Oberschurken Souyadhana (Guy Madison), Indien „im Blut versinken zu lassen“, werden von dem gemütlichen Ringelpiez, das seine Untergebenen veranstalten, nicht wirklich glaubwürdig unterfüttert. Statt nervenzerrender Spannung bietet DAS GEHEIMNIS DER LEDERSCHLINGE bunte Bildchen ohne jeden Nährwert, die in gemütlichem Tempo und in gut verdauliche Happen portioniert verabreicht werden.

Der Film beginnt mit der Entführung der kleinen Ada, der Tochter des britischen Captain McPherson (Peter van Eyck), durch die bösen Thugs, die auch McPhersons treuer indischer Gehilfe Sergeant Baratha (Adolfo Bufi Landi) nicht verhindern kann. 15 Jahre später fristet Ada (Ingeborg Schöner) ihr Dasein im unterirdischen Tempel der Thugs (der Eingang ist in einem Baumstamm versteckt und wird durch Ziehen an einer Liane geöffnet!) als wiedergeborene Göttin Kali, die als Schutzpatronin für die Weltbeherrschungsambitionen ihres Häschers Souyadhana dienen soll. An ihre Herkunft erinnern sie nur noch fremdartig-irritierende Träume. Während McPherson endlich die Erlaubnis erhält, sich auf die Suche nach dem Kult zu machen, um ihn zu zerschlagen, trifft der brave Schlangenjäger Temal Naik (Giacomo Rosso-Stuart) im Busch auf die schöne Ada und verliebt sich sogleich in sie. Die drei Parteien stoßen schließlich in einer wilden Schlacht aufeinander und am Schluss darf die mit dem Papa wiedervereinte Ada ihre neue Liebe in die Arme schließen.

Gemessen an dem Aufwand, den Horst Wendlandt oder auch Artur Brauner ungefähr zur selben Zeit mit ihren Karl-May-Filmen betrieben, mutet Capuanos Film etwas an wie das Live-Rollenspiel des Vereins „Indien-Fans Oer-Erkenschwick 1958 e. V“. Guy Madisons Schurkenbart wurde mit schwarzer Schminke gepimpt, hier und da gibt es Archivmaterial zu bestaunen (z. B. von einem Kampf zwischen einem Mungo und einer Kobra), Peter van Eyck opferte wahrscheinlich nicht mehr als ein Wochenende für die Dreharbeiten, die Auseinandersetzung mit einem Tiger sieht wie eine niedliche Schmuserei aus und das Tempelsetting besteht aus zwei Räumen, die mit golden angemalten Pappmaché-Statuen vollgestellt wurden. Immer, wenn es aufregend wird, heult kurz das Teremin (oder ein ähnlich klingendes Instrument) auf und die steifen Dialoge werden mit der Inbrunst deklamiert, die Provinztheater-Schauspieler auszeichnet. Rossi-Stuart grinst, als mache er Werbung für eine Zahncreme, und Frau Schöner schaut schmachtend-leidend aus ihrem hübschen Gesichtchen heraus. Am Schluss überschlägt sich der Film, es gibt ein wildes Hauen, Stechen und Ballern, die Kanonen machen „bumm“ und ein an die Höhlenwand geklebtes Rad öffnet eine Klappe, durch die Wasser einströmt. Nach ca. 80 Minuten ist der Spuk vorbei und man fühlt sich wie nach einem wohltuenden Nickerchen an einem sonnigen Nachmittag. DAS GEHEIMNIS DER LEDERSCHLINGE braucht kein Mensch, damals schon nicht und heute noch viel weniger, aber irgendwie mag ich diesen Käse trotzdem.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s