drei gegen drei (dominik graf, deutschland 1985)

Veröffentlicht: März 23, 2015 in Film
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drei_gegen_dreiTrio waren mit ihrem minimalistisch-dadaistischen (haha) Hit „Da, da, da“ 1982 nicht nur in Deutschland zu Stars geworden. DREI GEGEN DREI erschien drei Jahre später parallel zu ihrem dritten Album „What’s the Password“, das wie der Film katastrophal floppte und – so geht die Geschichte – das Ende der Band bedeutete. Die Idee, mit Musikern der Neuen Deutschen Welle einen Film zu drehen, war nicht neu – zwei Jahre zuvor war Wolfgang Büld mit dem Nena-und-Markus-Vehikel GIB GAS – ICH WILL SPASS ein Erfolg gelungen (immerhin Platz 14 der nationalen Kinocharts) –, doch das Momentum sprach nicht für Trio. Schon deren zweites Album hatte sich nicht mehr so gut verkauft wie das Debüt, die Hochzeit der NDW war Mitte der Achtzigerjahre lang vorbei und anders als die genannten Nena und Markus waren Remmler, Krawinkel und Behrens auch nicht gerade Identifikationsfiguren für Teenager, die naheliegende Zielgruppe für solche Filme.

Zumindest Letzteres hatten die Beteiligten selbst erkannt und demzufolge eine vergleichsweise erwachsene, satirisch-anarchistische Politsatire um die drei Musiker gestrickt, die die Marx Brothers (die berühmte Spiegelszene aus DUCK SOUP wird einmal sehr prominent zitiert) mit Kubricks DR. STRANGELOVE und Woody Allens BANANAS kurzschließt. Die Führung der Militärjunta eines fiktiven südamerikanischen Staates namens San Chaco, die Generäle Weingarten (Stephan Remmler), Ludovico (Gert „Kralle“ Krawinkel) und Klotz (Peter Behrens), müssen aus ihrem Land fliehen, nachdem sie es in einen blutigen Bürgerkrieg gestürzt und ihre internationalen Geldgeber ihnen den Geldhahn zugedreht haben. Um sich unbehelligt in ihren Ruhestand begeben zu können, haben sie einen Plan geschmiedet: Drei ihnen bis aufs Haar gleichende Deutsche, der Informatiker Stephan (Remmler), der hoffnungslose Romantiker Peter (Behrens) und der Börsenmakler Kralle (Krawinkel), sollen entführt werden und an ihrer Stelle bei einem Attentat sterben, sodass sie ihren Lebensabend mit der in der Schweiz gebunkerten Staatskasse verleben können. Natürlich kommen die drei Normalos hinter den bösen Plan und drehen den Spieß um …

Dominik Graf war hier wahlweise der falsche Mann am richtigen Platz oder umgekehrt. DREI GEGEN DREI überzeugt in Bereichen, in denen man es nicht für möglich gehalten hätte, versagt dafür aber dort, wo es wirklich zählte. Als Klamaukkomödie im Stile eines DIE SUPERNASEN, die man vielleicht erwartet hat, ist DREI GEGEN DREI ein Rohrkrepierer erster Güte. Es gibt kaum echte Gags und die wenigen, die das Drehbuch hergibt, werden durch das desinteressierte, abwesende Spiel der Hauptdarsteller zielsicher entschärft. Die Kritik schob Remmler, Behrens und Krawinkel relativ einhellig den Schwarzen Peter zu, stellte das Urteilsvermögen der Produzenten in Frage, die diesen Amateuren die Hauptrollen in einem Film zugeschustert hatten. Zumindest Letzteres ist natürlich arg kurzsichtig und zeugt von der Vergesslichkeit, die Filmjournalisten beim Fällen von Grundsatzurteilen gern ereilt: Trio wären gewiss nicht die ersten Musiker und Quereinsteiger gewesen, die sich mit dem Film ein zweites Standbein geschaffen hätten und wahrscheinlich gibt es für jeden Film, in dem der Versuch, einen Pop- zum Filmstar zu machen, in die Hose geht, einen, in dem es gelingt. Bei der Beurteilung des Spiels des Trios lagen sie schon näher an der Wahrheit, aber auch das ist noch nicht der Grund, warum DREI GEGEN DREI über den gut gemeinten Ansatz nicht hinauskommt. Was eindeutig fehlt, ist die Verbindung zwischen den Musikern und ihrer Rolle auf der Leinwand: Ihre Besetzung erscheint niemals zwingend, so wie das bei Gottschalk und Krüger in den genannten SupernasenFilmen eindeutig der Fall gewesen war. Gottschalk und Krüger waren erfolgreich gewesen, weil sie die totale Durchschnittlichkeit verkörperten und trotzdem triumphierten. Trio waren populär, weil sie so reduziert wirkten, von allem Pop-Zierrat befreit, drei reglose Gesichter, die eine ungerührte Distanz zu dem Trubel um sie herum zeigten. Es schien, als sei ihnen alles egal. Das ist aber der totale Gegensatz von dem, was „Identifikationspotenzial“ bedeutet und Grundlage für das Funktionieren eines Erzählfilms ist. Dass Trio in DREI GEGEN DREI plötzlich für etwas kämpfen sollen, läuft ihrer Persona nicht nur total zuwider, es zerstörte diese so nachhaltig, dass sie danach auch als Musiker nicht mehr glaubwürdig waren.

Ich kenne noch zu wenige Filme von Dominik Graf, um mir eine verlässliche Einschätzung seiner Fähigkeiten zu erlauben, aber ich glaube, dass er für die Art der Komödie, die den Produzenten ohne Zweifel vorschwebte, der völlig falsche Mann war. Man sieht an seinen FAHNDER-Episoden, dass er durchaus Humor hat, aber der entwickelt sich stets homogen aus den Charakteren heraus, schlägt sich eher in schlagfertigen Bemerkungen, kleinen Gesten und Beobachtungen nieder als in elaborierten Slapstick-Choreografien und ungebremsten Zwerchfell-Attacken. Dafür sieht man dem Film Grafs Begeisterung für ernstere Polizei- und Actionfilme zu jeder Sekunde an, die die Action- und Suspenseszenen weit über den in der Komödie üblichen Standard hebt. Es gelingt ihm gegen jede Wahrscheinlichkeit, das Szenario von DREI GEGEN DREI halbwegs glaubwürdig erscheinen zu lassen und er inszeniert den Film tatsächlich so, als sei er ernst gemeint. Es liegt eine schwer genauer zu beschreibende Trostlosigkeit über ihm, was passt, da seine Prämisse genau genommen gar nicht witzig, sondern sogar ziemlich schrecklich und eigentlich überhaupt kein Stoff für einen Spaßfilm ist. Deutsche Politiker und Schweizer Bänker machen gemeinsame Sache mit mörderischen Diktatoren, während auf der Straße weinende Immigranten für die Befreiung ihres Landes und ihrer Verwandten demonstrieren. Berlin als Hauptschauplatz bringt ungemütliche Kalter-Krieg-Assoziationen mit sich, und ein in unmittelbarer Nähe des Brandenburger Tors verübter Bombenanschlag hätte in der Realität des Jahres 1985 sicherlich immens hohe innen- und außenpolitische Wellen geschlagen. Das Finale, eine große Verwechslungsorgie, findet in einem Luxushotel statt, und die Bilder von spiegelglattem Achtzigerjahre-Luxus erinnern unweigerlich an DIE KATZE. Das macht DREI GEGEN DREI zu einer interessanten und seltsamen Kuriosität, aber eben nicht zu einer gelungenen Komödie. Vielleicht wäre was aus dem Projekt geworden, wenn man Graf ganz von der Kette gelassen hätte: Eine sehr bizarre Sequenz, in der die drei Helden wider Willen mit einem Panzer in der Pampa herumheizen, endet damit, dass Sunnyi Melles Sex mit dem Kanonenrohr hat, das daraufhin einen Schuss ejakuliert. Es ist die mit Abstand bemerkenswerteste Szene des ganzen Films und mehr davon wäre toll gewesen. Was immer man von DREI GEGEN DREI halten mag, man kann Graf definitiv nicht vorwerfen, hier unbeteiligte Durchschnittsware abgeliefert zu haben, aber retten konnte er das Ding mit seinen Mitteln nicht. Vielleicht hätte eine kürzere Laufzeit das Projekt in einem besseren Licht dastehen lassen, denn 100 Minuten sind viel zu viel und der Leichtigkeit, die eine solche Komödie am dringendsten braucht, vollkommen abträglich.

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