terza visione 2: le notti dei teddy boys (leopoldo savona, italien 1959)

Veröffentlicht: April 1, 2015 in Film
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Bei LE NOTTI DEI TEDDY BOYS kam echte Hofbauer-Kongress-Atmosphäre auf. Warum ich das so empfunden habe, ist nicht ganz leicht zu erklären. Ich schätze, es hat etwas damit zu tun, dass keiner der Anwesenden, noch nicht einmal die Kuratoren des Terza Visione selbst, Leopoldo Savonas Film zuvor gesehen hatten. Man wusste demnach nicht genau, was da kommen würde, und meine Haltung war dann auch eher ein entspanntes „Mal sehen“, als dass ich wirklich echte Erwartungen an LE NOTTI DEI TEDDY BOYS geknüpft hätte. Immerhin hatte ich aber eine ungefähre Vorstellung, was inhaltlich auf mich zukommen würde, war Savonas Film doch von den Veranstaltern – sofern das bei dem Titel überhaupt nötig war – als Vertreter des Juvenile-Delinquents-Genres enthüllt worden. Die Schlagrichtung schien somit klar: etwas Action und Crime, etwas Musik mit Fünfzigerjahre-Zeit- und -Lokalkolorit, etwas züchtiger Sex und am Ende eine konservative Moral von der Geschicht, damit die Jugend keine falschen Schlüsse zöge. Aber weit gefehlt: LE NOTTI DEI TEDDY BOYS entpuppte sich dann als ungemein lebhafter, bisweilen zum Schreien komischer Film mit wunderbarer Schwarzweiß-Fotografie und durchaus vielschichtig gezeichneten Charakteren, der das Publikum kollektiv verzückte und für viele als heimlicher Favorit hervorging.

Es geht um eine „Bande“ wohlhabender Schüler und Studenten im sommerlichen Rom: den arroganten Constantino (Corrado Pani), den immer gut gelaunten, etwas tumben Nino (Ennio Girolami) und den ruhigen Mario (Geronimo Meynier). Sie träumen nicht nur von den Mädchen, sondern auch vom großen Geld und einem Weg, es ohne Arbeit zu verdienen. Als die drei Freunde aus Spaß ein Liebespaar in seinem Auto überfallen und plötzlich bares Geld in ihren Händen halten, wissen sie, wie es geht. Außerdem erpressen sie den gutmütigen Barbesitzer Annibale (Mario Carotenuto), den sie mit seiner Geliebten erwischen. Nach anfänglicher Erfolgsserie gibt es aber irgendwann Probleme: Nicht nur wächst der Wunsch nach mehr, Mario bringt sich und seine Freunde auch in Gefahr, als er Annibale seinen Anteil von der Erpressung zurückgibt …

Ich werde jetzt icht allzu tief ins Detail gehen: Die Sichtung liegt nun schon einige Tage zurück und irgendwann will ich mit der Aufarbeitung des 2. Terza Visione-Festivals ja auch mal fertig werden. Was mir an LE NOTTI DEI TEDDY BOYS neben dem Gesamtentwurf, der Tragik und Komik, ernsthafte Gesellschaftsbetrachtung und flockiges Entertainment gekonnt vereint, am besten gefallen hat, ist Mario Carotenuto. Ich kannte den Komödianten bislang aus einigen Filmen der FLOTTE TEENS-Reihe und fand ihn dort schon sehr komisch, hier hat er nun das Glück, dass auch der Film um ihn herum toll ist. Er gibt den jämmerlichen Annibale als wild gestikulierenden, sich ständig als Opfer der Umstände inszenierenden, bemitleidenswerten Narren, der erst mit den Finanzen, dann mit den Erpressern und schließlich auch noch mit seiner bärbeißigen Gattin zu kämpfen hat. Die Szenen, in denen sie ihm übers Maul fährt und keinen Zweifel daran lässt, wer von beiden die Hosen anhat, waren die wahrscheinlich witzigsten des Fesivalwochenendes. Überhaupt zeichnete sich LE NOTTI DEI TEDDY BOYS bis in die kleinste Nebenrolle über glaubwürdige, witzige Figuren und die tollen, schlagfertigen Dialoge aus, bei denen die deutsche Synchro wahrhaft meisterliche Arbeit geleistet hat. Ein wunderbarer Film, bei dem es fraglich ist, ob man ihn noch einmal irgendwo zu Gesicht bekommen wird. Es wäre ihm zu wünschen.

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