die goldene göttin vom rio beni (eugenio martin/franz eichhorn, deutschland/frankreich/spanien/brasilien 1964)

Veröffentlicht: April 4, 2015 in Film
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golden-goddess-of-rio-beni-movie-poster-1964-1020188651Ein Pilot verschwindet irgendwo über dem unergründlichen Amazonas-Gebiet Brasiliens. Seine beiden Freunde Jim (Pierre Brice) und Tom (Harald Juhnke) pfeifen auf die Befehle ihres Vorgesetzten und beschließen sich auf die Suche nach Harry zu machen, den sie im Gebiet eines Stammes von Kopfgeldjägern vermuten. Als Team schließt sich ihnen eine hoch dubiose Truppe an: der undurchsichtige Kapitän Jeff (Hans von Borsody), der Säufer Bernard (René Deltgen), der die Sprache der Eingeborenen spricht, seine von ihm entfremdete Gattin Dinah (Emma Penella) sowie die beiden verschlagenen Gauner Trent und Snake. Letztere machen mit Jeff gemeinsame Sache und lassen den Suchtrupp bald im Stich: Im Gebiet der Kopfgeldjäger soll nämlich die „Goldene Göttin“ versteckt sein, ein sagenumwobener Goldschatz …

Über DIE GOLDENE GÖTTIN VOM RIO BENI muss man eigentlich nicht viele Worte verlieren: Es handelt sich um einen zur damaligen Zeit weitestgehend herkömmlichen Abenteuerfilm mit allen Zutaten, die man erwarten darf. Brice und Juhnke geben das gut gelaunte, edelmütige Kumpelpaar, wobei Brice natürlich der romantischere, Juhnke der etwas hemdsärmeligere Part zukommt. Als Tom stürzt der berühmte Berliner Allround-Künstler gleich nach der Landung in Rio ins Nachtleben und glotzt den schönen Sambamädels nach, doch als Jim seine Hilfe braucht, ist er sofort zur Stelle. Gedankt wird es ihm nicht, es ist der schöne Jim, der das unverschämte Glück hat, ausgerechnet bei einem Eingeborenenstamm auf die sinnliche Blondine Aloa (Gillian Hills) zu treffen, die er an Ort und Stelle heiratet. René Deltgen hat eine sehr schöne Rolle als depressiver Säufer abbekommen, der die Expedition als Entziehungskur betrachtet und neue Hoffnung, auch in der maroden Ehe mit Dinah, schöpft, Hans Borsody hingegen gibt den schurkischen Verräter. Es gibt einen freundlichen gesonnenen Stamm mit lustig radebrechendem Eingeborenensidekick, eine Schatzkarte, die aussieht als sei sie von einem 12-jährigen Tolkienverehrer gezeichnet worden, sowie wilden Kopfjäger, gefährliche Tiere, Sprengladungen und gemeine Fallen.

Interessant wird der unterhaltsame Film vor allem zum Ende, wenn er sich dem wenig später entstandenen Kannibalenfilm annähert, erstaunlich zupackend und spannend wird und überraschend unheimliche und drastische Bilder findet. Ich vermute, dass der im Vorspann nicht erwähnte Regisseur Franz Eichhorn daran nicht unerheblichen Anteil hatte, auch wenn die Actionsinzenierung auf einen jüngeren Urheber schließen lässt (Eichhorn war 1964 bereits 60, Martin schlappe 20 Jahre jünger). Es ist schwierig, auf die Schnelle etwas über den Filmemacher und Produzenten herauszufinden, aber seine Filmografie beinhaltet mehrere unter brasilianischer Ägide gedrehte Filme, darunter auch einen namens MUNDO ESTRANHO von 1951, zu Deutsch: DIE GÖTTIN VOM RIO BENI. Ich vermute, dass er – offensichtlich ein Kenner Brasiliens – dafür sorgte, dass eine gewisse Authentizität gewahrt blieb und Martin zur Seite stand – oder von diesem ersetzt wurde. Belegen kann ich das nicht, auch das Booklet, das der bei Filmjuwelen erschienenen DVD beiliegt, schweigt sich über Eichhorn aus, schreibt den Film allein Martin zu. Für meine These spricht die Tatsache, dass Martin 1964 noch am Anfang seiner Filmkarriere stand und gerade erst zwei Spielfilme gedreht hatte (er sollte wenig später einige Italowestern sowie den schönen HORROR EXPRESS drehen). Was ich hier schreibe, ist alles rein spekulativ, für DIE GOLDENE GÖTTIN VOM RIO BENI jedenfalls hat sich die Doppelbesetzung des Regiestuhls bezahlt gemacht.

Fazit: Ein schöner Sonntagmittag-Timewaster, der dank des Finales deutlich über dem meist eher etwas biederen Abenteuerfilm-Durchschnitt liegt.

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