season of the witch (dominic sena, usa 2011)

Veröffentlicht: April 5, 2015 in Film
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Manchmal muss es eben Cage sein. Ein Film des Mega-Actors garantiert seit einigen Jahren meist unbekümmertes, leicht abseitiges und irgendwie anderes Mainstreamkino. Dem einstigen Oscar-Preisträger ist es mit seiner eigenwilligen Rollen- und Filmauswahl tatsächlich gelungen, sich eine eigene Nische in Hollywood einzurichten: Die ganz große kommerzielle Zuneigung erfährt er zwar nicht mehr, aber für jeden humorlosen Kritiker, der Cages Urteilsvermögen infrage stellt, gibt es einen, der den schieren Irrwitz, den seine Filmografie mittlerweile darstellt, als Ausdruck von seltener künstlerischer Autonomie und Unangepasstheit zu schätzen weiß.

Auch SEASON OF THE WITCH ist ein Film, den es im Jahre 2011 eigentlich nicht mehr geben durfte, zumindest nicht in seiner Größenordnung. Dominic Sena war mal ein viel versprechender Regienewcomer, der mit Filmen wie KALIFORNIA, GONE IN 60 SECONDS oder SWORDFISH wenn auch keine Filmkunst, so doch immerhin prestigeträchtiges Popcorn-Kino fabrizierte, mittlerweile dreht er verhinderten Direct-to-Video-Kram wie diesen, der aus unerfindlichen Gründen mit 40-Millionen-Dollar-Budget und Kinostart ausgestattet wird und auf die wenigen Menschen, die sich ins Kino verirrten, wie ein „glitch in the matrix“ anmuten musste, als Beweis dafür, dass Hollywood nicht nur nicht unfehlbar ist, sondern teilweise ganz und gar unzurechnungsfähig. Aber gerade das macht SEASON OF THE WITCH auch so sehens- und liebenswert. Der Film geht seine eigenen Wege, trifft überraschende Entscheidungen und ist  ein wunderbarer Sonderling im standardisierten Einheitsbrei.

Gleich zu Beginn wohnt der Zuschauer der Hinrichtung dreier Hexen bei. Die überraschende Erkenntnis, die man aus der Sequenz mitnimmt: Die Kirche ist grausam, aber nicht grundsätzlich im Unrecht, denn es gibt tatsächlich dunkle Mächte, dämonisches Treiben und eben Hexen. Schnitt ins heilige Land zu den Kreuzzügen. Dort schmeißen sich die beiden Ritter  Behmen (Nicolas Cage) und Felson (Ron Perlman) mit nicht zu überbietendem Enthusiasmus den ungläubigen Horden entgegen und überbieten sich gegenseitig im reuelosen Abschlachten. Als Behmen jedoch beim Überfall auf eine Stadt ein junges Mädchen ermordet, das ihm ins Schwert rennt, hält er inne und erkennt, an was für einem Massaker er und Felson da eigentlich teilhaben. Es ist der (wirkungsvoll inszenierte) Moment, in dem beide beschließen, ihr Leben zu ändern: Eine Institution, die Frauen und Kinder umbringt, kann nicht im Sinne Gottes handeln und hat demzufolge auch keinen Anspruch mehr auf ihre Unterstützung. Behmen und Felson kehren der Armee den Rücken zu und als Deserteure nach Europa zurück, wo sie mit der Pest konfrontiert werden und dem Kirchenmann Debelzaq (Stephen Campbell Moore) in die Hände fallen. Eine Hexe (Claire Foy) soll am Ausbruch der Krankheit schuld sein und deshalb zu einem alten Kloster gebracht werden, wo man ihr das Böse austreiben und den Fluch beenden kann, Behmen und Felson sollen als Leibgarde mitreisen und im Gegenzug begnadigt werden. Behmen willigt ein, aber nur, weil er dem jungen Mädchen, das da für eine Hexe gehalten wird, helfen will.

SEASON OF THE WITCH erzählt aber – das ist die Überraschung des Films – mitnichten die Geschichte zweier voraufklärerischer Aufklärer, wie man anhand der kurzen Inhaltsangabe annehmen könnte. Der Zuschauer weiß, im Gegensatz zu den beiden Helden, von Beginn an, dass es Schwarze Magie gibt, die Kirche nicht grundsätzlich im Unrecht ist und die Hexe, die Behmen für ein normales, unschuldig verurteiltes Mädchen hält, tatsächlich mit dem Leibhaftigen im Bunde ist. Aber Sena erzählt auch nicht von der Bekehrung des vom rechten Pfade abgekommenen Christen, er wählt vielmehr einen Kompromiss zwischen beiden Ansätzen: Behmen muss sich damit abfinden, dass es die Kräfte des Bösen gibt, die Kirche lernen, dass sie eine humanistische Verpflichtung hat, Menschen zu schützen. Es geht im Folgenden für Behmen und Felson darum, der Kirche im Namen Gottes zu helfen, das Böse zu besiegen, aber seinen Wirtskörper dabei zu retten.

SEASON OF THE WITCH ist auf überaus angenehme Art und Weise unaufgeregt und trivial, nur mäßig interessiert an Aktualität, Relevanz oder frommen Botschaften. Es geht einfach um spannenden, aber gleichzeitig leichten Eskapismus mit schicken Bildern und gruseligen Effekten. Für eine verhinderte Videopremiere sieht SEASON OF THE WITCH exzellent aus: Klar, der Traditionalist wird mit der typisch postmodernen Actioninszenierung nicht zu 100 % warm werden, und die CGI-Effekte sind auch nicht immer gelungen. Aber letztlich fällt das nicht so wirklich ins Gewicht, weil man eh von vornherein wusste, worauf man sich hier eingelassen hat. Ich würde mir jedenfalls wünschen, dass Hollywood mehr solcher Filme produzieren würde: Filme, die sich nicht dafür schämen, ein Genrepublikum zu bedienen, die sich nicht hinter dem Deckmäntelchen der Sozialkritik verstecken, die sich nicht an ein berühmtes Franchise dranhängen, sondern einfach ihr Ding durchziehen, sich mit der Funktion zufriedengeben, 90 Minuten lang Geisterbahn zu markieren. Dominic Sena gelingt das mit SEASON OF THE WITCH sehr gut und das muss man zu würdigen wissen, denn es gibt heute viel zu wenige solcher ernstgemeinten Quatschfilme.

 

 

 

 

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Kommentare
  1. zorafeldman sagt:

    wie gesagt: davon könnten sie von mir aus jedes jahr einen machen. 🙂

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