flesh & blood (paul verhoeven, niederlande/spanien/usa 1985)

Veröffentlicht: April 22, 2015 in Film
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Wenn man Texte und Rezensionen zu FLESH & BLOOD liest, wird darin vor allem der „Realismus“ hervorgehoben, mit dem Verhoeven (in seinem ersten international produzierten Film) das Mittelalter in Szene setzt. Ich möchte diesen „Realismus“ hier mal infrage stellen: Meiner Meinung nach ist Verhoeven nämlich nicht unbedingt mit dem Anspruch angetreten, einen „authentischen“ Historienfilm zu drehen, der dann das Lob von studierten Mittelalter-Experten bekommt. Vielmehr hat er den Look typischer Ritterfilme überarbeitet, aktualisiert und „authentifiziert“: FLESH & BLOOD ist dreckig, seine Protagonisten sind blutrünstig, geil, unmoralisch, hinter jeder Ecke lauern der Tod oder die Pest. Das mag man gegenüber farbenfrohen Technicolor-Spektakeln mit strahlenden Helden in Strumpfhosen als „realistisch“ empfinden, dennoch ist FLESH & BLOOD Im Geiste gar nicht so weit von diesen entfernt: Verhoeven beschwört die Kameradschaft unter den Halunken, verwendet viel Zeit darauf, sie beim Feiern, Saufen und Lachen zu zeigen, zeichnet Adlige hingegen als hinterhältige Betrüger und untermalt das Ganze mit einem Score von Basil Poledouris, der Heldentaten und Schelmenstücke mit viel orchestralem Pathos und lebhaften Freudenklängen begleitet. Wenn das Mittelalter in Verhoevens Film auch eine ziemlich schmutzige Angelegenheit ist, so haben sich seine Bewohner damit ganz gut arrangiert.

Diese Zerrissenheit – schmutziger Realismus vs. reueloses Abenteuer – zieht sich durch den ganzen Film, der während der Produktion von verschiedenen Seiten torpediert wurde: So bestand Hauptgeldgeber Orion Pictures auf einer Liebesgeschichte, die nachträglich ins Script geschrieben werden musste und in der Endfassung nunmehr den wichtigsten Handlungsstrang ausmacht. Wollte sich Verhoeven ursprünglich auf die Rivalität zwischen dem Söldner Martin (Rutger Hauer) und seinem Auftraggeber Hawkwood (Jack Thompson) konzentrieren, spielt der Konflikt der beiden Männer in FLESH & BLOOD nur noch eine sehr untergeordnete Rolle und weicht einer Dreiecksbeziehung zwischen Martin, der entführten Adelsdame Agnes (Jennifer Jason Leigh) und Steven (Tom Burlinson), ihrem Ehemann in spe und dem Sohn des schurkischen Arnolfini (Fernando Hilbeck). Zu allem Überfluss überwarf sich Verhoeven während der Dreharbeiten auch noch mit seinem Hauptdarsteller Rutger Hauer, der sehr darauf bedacht war, eine Filmpersona als stoischer Held aufzubauen und dementsprechend nur wenig Interesse daran hatte, einen Schurken zu spielen, wie es dem holländischen Filmemacher vorschwebte. Das alles führt zu heftigen tonalen Schwankungen, die den Film zwar nicht aus der Bahn, wohl aber die Frage aufwerfen, was Verhoeven mit FLESH & BLOOD ursprünglich vorschwebte. Der ätzende Zynismus und der satirische Humor, der seine späteren Hollywood-Arbeiten, vor allem ROBOCOP, TOTAL RECALL, BASIC INSTINCT, SHOWGIRLS, STARSHIP TROOPERS und HOLLOW MAN, kennzeichnet, sind hier weitestgehend abwesend, auch wenn die sichtliche Freude an saftigen Geschmacklosigkeiten den Autoren wiedererkennen lässt. Aber es ist typisch für FLESH & BLOOD, das die Szene, die ich für die Verhoeven-typischste halte, am stärksten aus dem Film hervorsticht und das deutlichste Zeichen seiner schizophrenen Natur ist. Nachdem Martin und seine Männer Agnes entführt haben, ein junges, hübsches, reichlich verwöhntes Mädchen, das es kaum erwarten kann, endlich seine Jungfräulichkeit zu verlieren, wird diese bei der nächtlichen Rast am Lagerfeuer reihum vergewaltigt. Martin scheint zunächst eingreifen zu wollen, doch dann besinnt er sich eines besseren, lässt das Opfer von seinen Männern (darunter u. a. Brion James, Bruno Kirby und John Dennis Johnston) hochheben und penetiert sie im Stehen. Es ist eine hochgradig unangenehme, schmerzhafte und entwürdigende Szene, die durch die Tatsache, dass sie der Anfang einer „wunderbaren“ Liebe zwischen Agnes und Martin ist, nicht gerade verdaulicher wird.

Im Folgenden verbeißen sich Martin und Agnes heftig ineinander, es gibt viel explizite full frontal nudity zu bestaunen, und FLESH & BLOOD scheint auf eine Art „Love conquers all“ hinauszulaufen, bei dem Martin durch die Kraft der Liebe zu einem besseren Menschen wird – und sich infolgedessen mit seinen Kumpanen überwirft. Bevor es jedoch dazu kommen kann, werden die Söldner von Steven und Hawkwood angegriffen, mit dem Ziel, die holde Dame, die sich gar nicht retten lassen möchte, zu befreien. Der finale Showdown dreht sich nicht zuletzt um die Frage, welche Entscheidung Agnes treffen wird: Bleibt sie „ihrem“ Martin treu oder erlebt sie einen Gesinnungswandel, erkennt, was ihr eigentlich angetan wurde, und bekennt sich zu Steven, dem sie einst ewige Liebe geschworen hatte? Ihre Wahl rückt das Vorangegangene in die richtige Perspektive, fühlt sich aber trotzdem seltsam stromlinienförmig an, gerade wenn man bedenkt, dass sich Verhoeven später den Ruf eines ausgewiesenen Provokateurs erarbeiten sollte. Die Interventionen des Studios taten FLESH & BLOOD letztlich überhaupt nicht gut, die Bemühungen, ihn massentauglicher zu machen, ergaben unterm Strich einen Film, der genau zwischen den Stühlen saß und sein Publikum verfehlen musste. Verhoeven war für die Zukunft gewappnet, nahm die Erfahrungen seines Flops zum Anlass, in die USA umzusiedeln und sich mit den Bedürfnissen des amerikanischen Publikums vertraut zu machen. Mit dem Wissen über den weiteren Verlauf seiner Karriere betrachtet, ist es komisch, dass er ausgerechnet mit FLESH & BLOOD auf Grund lief, während die nachfolgenden, deutlich bissigeren Filme ihn zum Starregisseur machten.

Vielleicht liegt das Versagen von FLESH & BLOOD auch einfach darin begründet, dass es in den Achtzigern keinen echten Markt für den Historienfilm gab, schon gar nicht für einen solch trostlosen. Als erwachsener Actionfilm bietet Verhoevens Film zwei Stunden prachtvolle Unterhaltung mit einigen herausragenden Einfällen, spektakulären Set Pieces und saftigen Details. Die erste Liebesszene zwischen Steven und Agnes, bei der die beiden eine Alraune unter zwei Gehenkten ausgraben, ist so ein Moment, bei dem sich Verhoeven-typisch das Profan-Abstoßende und das Erhabene treffen. Absolut atemberaubend sind der Einsatz und die Zerstörung einer von Student Steven aus Holz erbauten „Feuerwehrleiter“, mit der er die Burg, in der sich Martin uns seine Leute verschanzt haben, einnehmen will. Und wenn die Pest dann noch ihren ausgedehnten Gastauftritt feiert, gibt es endgültig kein Halten mehr, ganz egal, ob da eitrige Beulen aufgeschnitten werden oder der in Einzelteile geschnittene Körper eines verseuchten Köters als Katapult-Munition dient. Die enorme Kurzweil, die FLESH & BLOOD bietet, geht vielleicht etwas auf Kosten seiner Stringenz: Ein an Cormans MASQUE OF THE RED DEATH erinnerndes Belagerungsszenario wird zum Schluss angedeutet, dann aber wieder verworfen, die Einführung einer Nonne, die dank ihres durch einen Schwerthieb gespaltenen Schädels ein trauriges Dasein als grunzendes, Krampfanfälle erleidendes Bündel fristet, führt zu nichts außer dazu, den Film noch weiter mit Ideen vollzustopfen. Ich mag sowas tatsächlich sehr gern, aber dennoch merkt man FLESH & BLOOD an, dass jeder an der Produktion Beteiligte meinte, seinen Beitrag leisten zu müssen. Dass Verhoevens Film dennoch nicht implodiert, insgesamt einen überraschend geschlossenen Eindruck macht, zeigt, wozu der Holländer fähig war. Den Beweis hat er dann ja auch in den USA noch erbringen dürfen. Ohne ungebetene „Mithilfe“.

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Kommentare
  1. zorafeldman sagt:

    Über die Szene, wie Stevens „Feuerleiter“ ausgefahren wird, musste ich herzhaft lachen. Er hat eben doch den Größeren, da kann Martin machen was er will. Soviel Phallussymbolik, das muss gewollt sein! XD

  2. Mr. Majestyk sagt:

    Ich wage zu bezweifeln, dass es sowas wie einen „realistischen“ Historienfilm überhaupt gibt.
    Aber FLESH & BLOOD zeigt ein herrlich dreckiges Spätmitttelalter und ist trotz der Interventionen schön rotzig gemacht.
    Damit hebt er sich für mich positiv von all den glattpolierten Ritterspektakeln aus Hollywood ab.
    Auch wirkt er tatsächlich einigermaßen authentisch und dies obwohl sich vermutlich keine Heerscharen von Experten und Beratern am Set getummelt haben.
    Auch gefällt mir, dass weder Martin noch Steven schwarz/weiß gezeichnet werden.
    Für mich einer der besten von Verhoeven und immer wieder gerne gesehen.
    Schöne Rezension, ich denke der landet diese Woche wieder im Player.

    • Oliver sagt:

      Klar, diese „Realismus“-Unterstellung steht immer auf wackligen Füßen, vor allem natürlich, wenn sie sich wie hier auf eine Zeit bezieht, die kein noch lebendes Wesen miterlebt hat.

      Zum Thema „Rotzigkeit“ und „Glattpoliertheit“ würde ich einwerfen, dass ostentative Dreckigkeit auch eine Form von Stilisierung sind, die eben gern mit „Authentizität“ verwechselt wird. Ich finde gerade hinsichtlich seiner Handlung ist FLESH & BLOOD durchaus „poliert“: Die Konflikte entspringen einem Drehbuch-Ratgeber und die Ambivalenz der Hauptfiguren, die du lobst, wirkt für mich auch ein bisschen aufgesetzt. Letzten Endes ist das aber, wie ich geschrieben habe, egal: Der Film macht einfach Spaß und es gibt viel zu schauen.

      • Mr. Majestyk sagt:

        Ich seh schon, ich muss den unbedingt nochmal schauen. Erinnerung kann ja leicht trügen.
        Habe aber dennoch das Gefühl, dass ich FLESH & BLOOD immer noch mehr mag als die keuschen Schlachtplatten von Scott.

  3. Chrisch sagt:

    „Klar, diese “Realismus”-Unterstellung steht immer auf wackligen Füßen, vor allem natürlich, wenn sie sich wie hier auf eine Zeit bezieht, die kein noch lebendes Wesen miterlebt hat.“

    Ich weiß nicht. Heißt das im Umkehrschluss, dass man nur Realismus liefern kann, wenn man die Zeit miterlebt; respektive Bildmaterial von ihr hat?

    Was würden da wohl die Historker zu sagen?

    greetz

    • Mr. Majestyk sagt:

      Der Historiker würde wohl über die Quellenlage referieren.
      Letztlich glaube ich persönlich, dass Kino nie ein realistisches Abbild einer historischen Wirklichkeit bieten kann. Und je weiter eine Epoche zurückliegt, desto unschärfer dürfte unser Blick darauf werden.
      Ich seh dies aber ehrlich gesagt nie als echten Mangel an. Immerhin reden wir über Filme und nicht über Geschichtsstunden.
      Oft genug geht es ja auch um irgendeine mythologische Vergangenheit, der Western ist ein gutes Beispiel. Ein wenig vermeintlicher Realismus schadet sicher nicht, ich halte ihn aber nicht für zwingend notwendig.
      Negativ fallen mir nur die Fälle auf, wo unser Wertesystem der Vergangenheit aufgedrückt wird und der Anspruch auf Authentizität kläglich scheitert.
      Ein Beispiel ist für mich GLADIATOR mit seiner hohlen Demokratiephrase.
      So viel technischer Aufwand und dann dermaßen platt.
      Ich habe zwar inzwischen meinen Frieden mit dem Streifen gemacht, aber mich damals sehr an dem Hype gestört. Und da finde ich Filme wie FLESH & BLOOD doch um einiges ehrlicher.
      Blut und Titten, was will man(n) mehr.

  4. Ghijath Naddaf sagt:

    Der Western ist ein schönes Beispiel. Hier glauben ja auch einige „Experten“, das die Leute da
    alle in Lumpen rumgelaufen sind und halten deshalb die Italo Western für viiiiel realistischer als
    die amerikanischen. Dabei ist eben dieses zerlumpte, auch nur eine Form der Stilisierung wie du
    richtig sagst. Es ist belegt das gerade die Outlaws und Revolverhelden grossen Wert auf ein
    gepflegtes Äusseres legten.

    • Mr. Majestyk sagt:

      Ach, im Western stimmt so einiges nicht.
      Hab mich früher mal intensiver mit dem Thema beschäftigt.
      Waffen, Holster, Kleidung, Hüte, Sprache, weder die klassischen US-Western stimmen, erst recht nicht die Spaghettiwestern.
      Wie gesagt, mich stört es überhaupt nicht. Ein guter Film entführt immer in seine ganz eigene Welt. Wenn man anfängt über Genauigkeit nachzudenken, dann läuft was falsch.

  5. Oliver sagt:

    Den Einwurf, FLESH & BLOOD biete kein realistisches Bild seiner Zeit, wollte ich eigentlich nicht als Kritik am Film verstanden wissen. Er bezieht sich lediglich auf den Kurzschluss der zeitgenössischen und auch noch heutigen Kritiker, die den Film mit dem Attribut „realistisch“ behaften, bloß weil er statt buntem Technicolor Dreck, Schlamm und Blut zeigt.

    Menschen, die glauben, der Western als Genre bilde seine Zeit ab, haben von vornherein nicht verstanden, worum es im Western geht. Dort wird die amerikanische Gründungs- und Pioniergeschichte mythisch überhöht. Den Wilden Westen aus dem Kino hat es so nie gegeben. Er ist ein Mythos. Das ist aber keine neue Erkenntnis, die ist so alt wie das Genre selbst.

    „Heißt das im Umkehrschluss, dass man nur Realismus liefern kann, wenn man die Zeit miterlebt; respektive Bildmaterial von ihr hat?“

    Ja und Nein. Je weiter die Zeit zurückliegt, die man abbilden will, umso spekulativer wird die Darstellung. Man kann bestimmte Dinge anhand von Quellen und Fundstücken sicherlich rekonstruieren, aber auch dem sind Grenzen gesetzt. Außerdem: Ein Film soll uns in erster Linie etwas über uns erzählen, insofern wäre ein 100-prozentiger Realismus vielleicht gar nicht hilfreich. Es steht zu befürchten, dass wir einen Menschen aus dem Mittelalter gar nicht verstehen würden, und das meine ich nicht nur aus sprachlicher Sicht betrachtet.

    Zur historischen Genauigkeit: Siehe letzter Absatz. Nein, ich glaube auch nicht, dass ein Film grundsätzlich zur historischen Genauigkeit verpflichtet ist oder dass das wünschenswert wäre. Aber wenn er sich Authentizität auf die Fahnen geschrieben hat oder sich auf historische Ereignisse bezieht, sollte er diesem Anspruch auch einigermaßen gerecht werden. Ein Film wie PEARL HARBOR muss man da mit anderen Maßstäben messen als einen wie FLESH & BLOOD.

    Zu Scotts Historienschinken: Das ist kein Vergleich, den ich hier ziehen würde, weil er aus meiner Sicht für FLESH & BLOOD Nicht besonders schmeichelhaft ist. Fast alles ist besser als GLADIATOR.

  6. Ghijath Naddaf sagt:

    Ich hoffe du hast mich da jetzt nicht missverstanden. Genau diese Realismus Debatte halte ich ja
    für sinnlos. Ich glaube nur das der amerikanische und der italienische Western, verschiedene
    Genre sind. Die Italo Western sind zu einem Grossteil Rache Geschichten und oder politische
    Allegorie und etwas 68er Revolutionsromantik. Wenn wir uns nur mal die weissen Elefanten
    betrachten, bei aller Wertschätzung für Leone, Corbucci, Sollima….Ford oder Peckinpah z.b.
    sind da doch noch mal eine andere Baustelle. Und deshalb nervt mich die Generation Tarantino
    mit ihren Vorwürfen an den amerikanischen Western enorm.

  7. Ghijath Naddaf sagt:

    Selbst ein Revisionistischer Western, wie Altman´s McCabe and Mrs.Miller, ist bei aller bitterer
    Kapitalismuskritik, kein zynischer, sondern ein zutiefst menschlicher Film.

  8. zorafeldman sagt:

    tja, was braucht man mehr… ich brauche den film jedenfalls nicht noch mal. :/

  9. Oliver sagt:

    Dass der italienische und der US-Western unterschiedliche Genres sind, liegt auf der Hand. Aber deine Herabwürdigung der Italowestern kann ich so nicht stehen lassen. Wenn man bedenkt, wie viele Tausend Western in den USA allein zwischen 1930 und 1960 entstanden sind, könnte man über dieses Genre genauso sagen, dass es da überwiegend um Krawumm ging und die Fords und Hawks nur die winzige Spitze eines riesigen Eisbergs an überwiegend Durchschnittlichem bis Minderwertigem sind. So gab es beim deutlich überschaubareren und in einem weitaus kleineren Zeitrahmen entstanden Italowestern eben auch die Visionäre und Vordenker und die, die lediglich an die klingelnde Kasse dachten. Die wirklich großen Italowestern sind ebenso „zutiefst menschlich“ so wie das wahrscheinlich überhaupt alle großen Filme sind, egal welchem Genre sie angehören.

  10. Ghijath Naddaf sagt:

    Man kann einen natürlich auch mit Absicht falsch verstehen.
    Wo würdige ich den Italo Western herab ? Ich habe bewusst lediglich einige grosse beider Genre
    verglichen und Unterschiede benannt. Wo ist die Frontier Mythologie von Ford oder die Themen
    des Alterns, die Lakonie und die Todessehnsucht von Peckinpah im Italo Western.
    Das heisst aber nicht das ich die Italo Western herabwürdige, nur ich halte sie eher im 60er
    Zeitgeist verwurzelt und somit allein deshalb schon sehr wichtig.
    La Resa dei Conti ist einer meiner Lieblingsfilme und Lee Van Cleef einer meiner Helden.
    Ennio Morricone sowiso. Wo ist da Herabwürdigung.
    Ich habe wie gesagt eher der Herabwürdigung des US Western, wie sie heute oft statt findet
    wiedersprochen

  11. Oliver sagt:

    Sorry fürs Missverständnis, aber

    „Die Italo Western sind zu einem Grossteil Rache Geschichten und oder politische
    Allegorie und etwas 68er Revolutionsromantik. Wenn wir uns nur mal die weissen Elefanten
    betrachten, bei aller Wertschätzung für Leone, Corbucci, Sollima….Ford oder Peckinpah z.b.
    sind da doch noch mal eine andere Baustelle.“

    klingt für mich eben nach „der Italowestern ist eher eindimensional, zum Großteil vernachlässigbar und kann den großen amerikanischen Western auch in seinen Sternstunden nicht das Wasser reichen.“

    Ich schätze, es ist auch für dich nachvollziehbar, dass man dein Posting so verstehen kann, oder?

  12. Ghijath Naddaf sagt:

    Ja vielleicht, ich glaube aber eben nicht das die Reduktion der Themen im Italo Western schlecht
    ist. Es sind extrem politische Filme. Leone war ja wohl relativ unpolitisch, Sollima und Corbucci
    waren soviel ich weiss überzeugte Sozialisten. Morricone gehörte zum Sound der 60er wie
    die Stones. Und mit Django und Blondie konnten sich auch die Jungs von der APO identifizieren.
    In der Rückschau finde ich einfach Pike Bishop und Ethan Edwards doch etwas bedeutender.
    Ist aber rein subjektiv.
    Zum eigentlichen Thema, Paul Verhoeven macht zuwenige Filme, Ridley Scott zu viele.

  13. Mr. Majestyk sagt:

    Wie ich bereits angedeutet habe, halte ich Ridley Scott ja für ein wenig überschätzt.
    Wenn ich auch zugeben muss, einige seiner Filme mag ich sehr gerne.
    ALIEN zähle ich sogar zu meinen ganz großen Favoriten.
    Wenn Scott aber nun zu viele Filme macht, stellt sich ja die Frage, wieso kann er so viele Projekte umsetzen und andere Filmemacher nicht.
    Vielleicht wird dann umgekehrt ein Schuh draus. Eben weil Scott seine Filme gestaltet wie sie eben sind, kann er so viele verwirklichen. Vielleicht möchte die Mehrheit der Kinobesucher/ Konsumenten eben lieber einen Scott sehen, als einen Verhoeven. Das letzterer mit seinen Filmen nicht unbedingt den weiblichen Teil des Publikums begeistert liegt auf der Hand, damit verliert er aber bereits die Hälfte der potentiellen Zuschauer.
    Um es abzukürzen, ich denke Scott muss u.U recht geglättete Filme abliefern, wenn er auf diesem Niveau arbeiten will.
    Bei allem Wehklagen, meiner persönlichen Meinung nach trägt das Publikum, der Verbraucher, der Konsument einen erheblichen Teil der Verantwortung dafür, dass sich die Filmlandschaft derart gewandelt hat. Dies läßt sich im Übrigen auf jedes Medienprodukt, Bücher, Musik, ja auch Autos, Nahrung etc. übertragen.
    Während wir hier zuweilen melancholisch schwelgen, bewertet die breite Masse bei Moviepilot mit Sternchen ihr Cineplex-Angebot oder liked it auf anderen Portalen.

  14. Oliver sagt:

    Zu Scotts Fähigkeiten als Regisseur und seiner Reputation als „Meisterregisseur“ sind wir einer Meinung. Er ist gegenwärtig der vielleicht überschätzteste der „großen“ Filmemacher aus Hollywood. Armond White bezeichnet ihn ja immer polemisch als „hack“, als bloßen uninspirierten Handwerker. Er hat ohne Frage ein paar große und tolle Filme gemacht – ALIEN, BLADE RUNNER, ich liebe LEGEND und fand auch BLACK HAWK DOWN stark (den müsste ich allerdings erst mal wieder gucken, um das tatsächlich zu bestätigen), wahrscheinlich noch den ein oder anderen, den ich jetzt vergessen habe –, aber eben auch viel überkandidelten, hohlen und totgestylten Quark.

    Scott war nie ein politischer Filmemacher, er hat eher so die universalen Themen bearbeitet und ist dabei eigentlich immer flacher geworden. Dass sein Output immer noch so hoch ist, liegt vielleicht daran, dass Scott als Designer visuell immer auf der Höhe der Zeit agiert hat, während manch anderer Regisseur mit seinen Filmen schon nach der Hälfte der Zeit, die Scott mittlerweile aktiv und erfolgreich ist, hoffnungslos dated aussieht. Man könnte sagen, dass er von Hollywood perfekt assimiliert wurde. Verhoeven ist trotz seiner Erfolge eigentlich immer ein Außenseiter in Hollywood gewesen: Seine Filme wirken deshalb ja auch wie der „Bericht“ eines außenstehenden Betrachters, der sich seine Gedanken zu seiner Wahlheimat macht. Diese Mischung aus großem Eventkino, Humor und bissiger Kritik hat wahrscheinlich keiner jemals so gut hinbekommen wie er.

    Zu deiner These mit dem Publikum: ROBOCOP, BASIC INSTINCT und TOTAL RECALL waren damals Riesenhits und SHOWGIRLS hatte sicher nicht das Problem, dass die weiblichen Besucher ausgeblieben sind, sondern überhaupt alle. Dass er danach überhaupt noch einen Film machen konnte – und was für einen! –, zeigt wohl auch, welchen Stellenwert er genoss.

    Aber du hast sicherlich Recht mit der Befürchtung, dass solche Filme heute eher nicht mehr denkbar sind. Ob das Publikum aber allein die Schuld dafür trägt? Die Filmlandschaft hat sich einfach geändert, das Wirtschaftliche ist immer weiter in den Vordergrund gerückt. Risiken werden kaum noch eingegangen, wobei die Messlatte dafür, was überhaupt ein „Risiko“ darstellt, auch noch ungemein tief liegt, und ein „künstlerisches“ Interesse verfolgt eh kaum noch jemand. Wenn man von den alten Studiobossen liest, von den Produzenten, die eine Vision hatten, was für Filme sie machen wollten, wirkt das heute ja geradezu utopisch. Sicherlich trägt das Publikum eine Verantwortung, aber eine bestimmte Zielgruppe wird ja auch gar nicht mehr bedient.

  15. Oliver sagt:

    @ Ghijath

    Sorry, habe deinen vorangegangenen Kommentar übersehen. Ja, ich finde auch, dass THE WILD BUNCH der wichtigere Film ist als DJANGO. Und gewiss sind Howard Hawks und John Ford absolute Ausnahmeregisseure, denen kein Leone, kein Sollima und auch kein Corbucci das Wasser reichen können.

    Lass es mich so sagen: Wenn man Italowestern und US-Western nicht trennen, sondern unter dem Begriff „Western“ zusammenfassen würde, wären sicherlich einige Italowestern unter den Top 100.

  16. Ghijath Naddaf sagt:

    Habe jetzt gerade mal bei IMDb nachgesehen. Der Letzte Verhoeven den ich gesehen habe war
    Black Book von 2006. Es gab wohl 2012 noch einen, Steekspel, der ist mir aber irgendwie total entgangen.
    Der nächste soll 2016 kommen. Elle, wohl ein Rape/Revenge Movie.
    Normalerweise würde ich sagen davon gibts weiss Gott genug, aber bei Verhoeven können wir uns
    vielleicht auf einige subversive Brüche vorbereiten.

    • Oliver sagt:

      STEEKSPEL war m. W. nur ein Fernsehfilm. Dauert auch nur 55 Minuten.

      • Ghijath Naddaf sagt:

        Ah danke. Ich habe immer so die Befürchtung, das unbequeme und eigenwillige Leute wie
        Verhoeven bald eh nur noch fürs Fernsehen arbeiten, oder möglichst billig, am besten mit der
        Handykamera. Ich habe mich bis jetzt noch nicht an die neuen Filme von DePalma oder
        Hellman getraut.

      • Oliver sagt:

        PASSION von De Palma habe ich auch noch nicht gesehen. Die meisten meiner Filmhomies mochten den aber.

  17. Chrisch sagt:

    Aus welchen Gründen kann ein Leone denn einem Hawks und Ford nicht das Wasser reichen?

    • Oliver sagt:

      Weil die beiden wesentliche Teile der Filmsprache, die danach Allgemeingut wurden, auf das auch Leone zurückgreifen konnte, überhaupt erst erfunden haben.

  18. Chrisch sagt:

    Der Argumentation folgend muss man dann aber kaufen, dass sich die Stellung und Bedeutung eines Regisseurs danach bemisst, wieviel neues er erfunden hat.
    Kann man machen, aber zwingend ist das nicht, da ich denke, dass auch andere Bewertungsmaßstäbe genutzt werden können.

    Mit dieser Herangehensweise übergeht man auch allzu leicht Handwerker, die neue und orginelle Ideen in Bezug auf die Filmsprache, perfektionierten, indem sie eine zwar orignelle, aber noch unfertig wirkende Inszenierungsart erst zur perfectio führten. Abstrakt formuliert, ohne damit explizit auf Leone referieren zu wollen.

    Wer ist bedeutender:
    Regisseur X, der eine originelle Idee hat ( die auch großen Einfluss auszuüben vermag), diese aber nur suboptimal umsetzen kann.
    Oder Regisseur Y, der diese Idee aufgreift, das Potential erkennt und sie erst zur Blüte bringt?

    Ich finde die Beantwortung alles andere als einfach.

    • Oliver sagt:

      „Der Argumentation folgend muss man dann aber kaufen, dass sich die Stellung und Bedeutung eines Regisseurs danach bemisst, wieviel neues er erfunden hat.“

      Nein. Schon allein deshalb nicht, weil es nach diesen strengen Maßstäben heute gar keine guten Regisseure mehr gäbe.
      Es ist nun einmal so, dass Ford und Hawks (neben einigen anderen Filmemachern) den Grundstein für eine ganze Kunstform gelegt haben. Sie haben nicht bloß eine kleine Erneuerung zur Filmgeschichte beigesteuert (etwa die Wackelkamera oder die Zeitlupe oder den Freeze Frame), sondern echte Pionierarbeit geleistet und dabei die Strukturen für narratives Kino überhaupt entwickelt, Strukturen, die heute noch gültig sind. Die Regisseure, die danach kamen, haben eigentlich nur noch Details verändert.

      Ich will Leone seine Bedeutung nicht absprechen. Ich liebe seine Filme und sicherlich hat er mit seinen Ideen stilistischer Art einen wichtigen Einfluss ausgeübt, den man bis heute spürt. Trotzdem sind Ford und Hawks eine ganz andere Liga. Ohne die beiden gäbe es wahrscheinlich gar keinen Western.

      Man könnte es vielleicht so sagen: Ford und Hawks sind für das Kino das, was die Beatles und die Stones für die Rockmusik waren. Leone wäre dann The Who oder Led Zeppelin. Wichtig, maßgeblich, berechtigterweise kultisch verehrt, aber eben nur möglich, weil andere vor ihnen schon eine Schneise ins Gestrüpp geschlagen haben.

  19. Marcos sagt:

    Ich habe mich in den vergangenen 5 – 6 Jahren ja etwas intensiver mit der Formung des narrativen Kinos beschäftigt, insbesondere mit dem Wechsel von der Prä-Griffith-Ära auf die Post-Griffith-Ära, und dabei ist mir in einem sehr entscheidenden Maße klar geworden, wie enorm die Regisseure dieser Zeit, neben Griffith, Murnau, Chaplin und Eisenstein vor allem Ford, Vidor, Hawks, Walsh, Hitchcock, Hart, Flaherty, Keaton, Lang, Lubitsch und Renoir, die Grundelemente des Kinos definiert und zur absoluten Perfektion gebracht haben und Regisseure der nachfolgenden Generation – Orson Welles und John Huston stellen diese bereits dar – in nächster Ebene mit dem Aufgreifen, Rezitieren und Variieren gearbeitet haben. In der weiteren Folge haben Regisseure die Sprache des Films auf manchmal unglaubliche Weise zum Klingen gebracht, oder sogar im besten Fall die eine oder andere Variation/Innovation eingeführt, die neue Impulse gab. Aber an den Grundparametern wurde seit den 1940er/1950er Jahren nichts mehr geändert. Die Zeit seit den 1960er Jahren stellt eine gänzlich neue Entwicklungsphase des Kinos dar, die ohne die Zeit davor in keiner Form denkbar oder zumindest – wenn man es darauf anlegt – verstehbar wäre. Wenn man diese Zusammenhänge nicht betrachtet, sieht man eigentlich immer nur Ausschnitte, nie das Ganze. Selbstverständlich, man möge mich nicht falsch verstehen, ist am Betrachten der Ausschnitte nichts Verwerfliches zu finden, im Gegenteil, kann es sehr interessante Bottom-Up-Informationen hervorbringen, doch an den Grundparametern ändert sich deswegen nichts. So wie ein Musikwissenschaftler der Notationsmusik, die seit ca. 300 Jahren unser Verständnis von heutiger Musik prägt, nicht die Bedeutung von Johann Sebastian Bach, Wolfgang Amadeus Mozart, Richard Strauß, Joseph Haydn oder Ludwig van Beethoven in Zweifel für die Grundelemente der Musik ziehen würde, wobei Strauß und Beethoven da schon die Welles-/Huston-Generation repräsentieren, würde auch kein Filmwissenschaftler die Grundbedeutung von Griffith, Murnau, Ford, Hawks oder Hitchcock in Zweifel ziehen (die letzten drei sind vor allem wegen ihrer Beständigkeit einmalig), die seit ca. 100 Jahren den Film definieren. Ohne sie gäbe es einfach nicht das, was die anderen machen. Durch sie ist die Bedeutung der anderen – ihre neuen Ideen für das Kino – überhaupt erst in voller Dimension begreifbar.

  20. Ghijath Naddaf sagt:

    Es gibt ja wohl dieses berühmte Welles Zitat,als man ihn nach seinen Inspirationsquellen fragte,
    antwortete er das er die Klassiker studiert. Und mit Klassiker meinte er John Ford, John Ford
    und John Ford. Oder so ähnlich… Überhaupt gerade Regisseure sind die grössten Ford Bewunderer.
    Welles, Kurosawa, Scorsese, Bogdanovich oder Spielberg, um einige zu nennen.

    • Oliver sagt:

      Ich schätze, dass das bei fast jeder Kunstform so ist: Die zeitgenössischen Künstler wissen ganz genau, was sie den Großmeistern zu verdanken haben und dass sie gegenüber deren Leistungen nur eine Fußnote sind.

  21. Ghijath Naddaf sagt:

    Hier das richtige Zitat, von Bogdanovich notiert. Ich war nah dran.
    http://blogs.indiewire.com/peterbogdanovich/the-john-ford-file-part-1

  22. Chrisch sagt:

    @Marcos:
    Danke für den historischen Umriss.

    Ich tue mich allerdings schwer damit zu sagen, dass zeitgenössische Künstler ihren prägenden Vorgängern – respektive: Urvätern – niemals, unter keinen Umständen „das Wasser reichen können“. Ja sogar nur eine „Fußnote“ im Gegensatz zu jenen sein sollen.

    Freilich, die Wirkmächtigkeit der bereits hier aufgeführten Regisseure – ich nenne sie der Einfachheit halber „Urväter“ – ist nicht zu bestreiten.
    Aber nur deshalb sollen all jene, die nicht die Gnade einer frühen Geburt gehabt haben und deshalb erst später zum Zug kamen, bloße Fußnoten sein?

    Das scheint mir zu absolutistisch, zu stark zu sein. Ist tatsächlich nur die originäre Schöpfung etwas, dass einen zu einem Großmeister werden lässt?

    Niemals – unter keinen Umständen – auch die nuancierte und u.U. äußerst effektive Weiterentwicklung von bereits Dagewesenem hin zu einem künstlerischen Meisterwerk?

    Vielleicht gibt es dafür eine mir einleuchtende Begründung, aber bis dato kommt mir eine solche Behauptung arg dogmatisch vor, da sie davon ausgeht, dass das Aufgreifen und weiterentwickeln sui generis etwas – überspitzt formuliert – minderwertigeres zu sein scheint.

    Um den Sprung in ein anderes Terrain zu wagen, um meinen Punkt zu verdeutlichen:
    Ist tatsächlich im Felde des Kubismus nur Picasso (Braque außen vor gelassen, da es nur um die Struktur der Argumentation geht) ein Großmeister?
    Und all jene, die den Kubismus danach aufgriffen und ihm neue Seiten abrangen, sind nur Fußnoten?

  23. Marcos sagt:

    Nun ja, dass sie den großen Meistern nicht „das Wasser reichen können“ oder allenfalls eine „Fußnote“ darstellen, denke ich auch nicht. Und ich glaube auch nicht, dass Olli oder sonst einer der hier Anwesenden das denkt. Ich denke vielmehr, dass man alles im entsprechenden Rahmen verstehen muss. Die neue Entwicklungsphase des Kinos, die in den 1960er Jahren begann, hat wiederum ihre Meister-Regisseure hervorgebracht, denen – u.a. natürlich durch die neuen Möglichkeiten eben dieser neuen (Kino-)Epoche – wiederum Dinge gelangen, die den Regisseuren der klassischen Phase so nicht gelungen wären. Durch die Digitalisierung des Kinos und von Manchen so bezeichnete post-moderne Entwicklungen, die in den 1980er/1990er Jahren begannen und sich weiter entfaltet haben, befinden wir uns ja wieder in einem Umbruch. Wie gravierend der tatsächlich sein wird, lässt sich m. E. noch nicht sagen. Da muss man noch mal 10, wenn nicht 20 Jahre ins Land gehen lassen, um das wirklich beurteilen zu können.

    • Oliver sagt:

      Ich habe das mit dem „nicht das Wasser reichen können“ geschrieben: zugegebenermaßen etwas überspitzt. Wenn man weiß, wie sehr ich Leone mag, sollte sich das relativieren. Die Leistung der genannten Pioniere läst sich nicht wiederholen, das ist tatsächlich das Schicksal der späten Geburt. Heißt aber nicht, dass danach keine „Meisterwerke“ mehr möglich sind. Nur dass deren „Innovationen“ letztlich Manipulationen einer Form sind, die andere überhaupt erst geprägt und „erfunden“ haben (bei Leone ist das sehr deutlich: Um einen Westernabgesang wie C’ERA UNA VOLTA IL WEST drehen zu können, musste der Western erst von anderen – etwa von Ford und Hawks – erfunden werden. Ohne die beiden gäbe es ihn gar nicht). An die historische Bedeutung von Ford kommt Leone eben nicht heran, auch wenn er selbst wieder als wichtiger Einfluss auf spätere Generationen gewirkt und seine tiefen Fußspuren in der Filmgeschichte hinterlassen hat. So wie die musikalischen Leistungen von let’s say Black Sabbath und Led Zeppelin immer im Schatten der Stones und Beatles stehen und Michelangelo immer ein Fixstern in der bildenden Kunst bleiben werden, ohne dass sich Künstler davon haben entmutigen lassen.

      By the way: Danke an alle für die bisher längste Diskussion in diesem Blog. 🙂

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