the princess bride (rob reiner, usa 1987)

Veröffentlicht: Mai 1, 2015 in Film
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$_57Hach, THE PRINCESS BRIDE. Ein Film, der in Deutschland leider nicht die Bekanntheit genießt, die ihm eigentlich zusteht. Auch in den USA ist er erst über die Jahre, vor allem durch seine Heimkinoauswertung, zu einem verehrten Kultklassiker gereift, nachdem er bei seinem Kinoeinsatz zunächst nur mäßig erfolgreich war. Rob Reiners Verfilmung des gleichnamigen selbstreflexiven Fantasyromans von William Goldman aus dem Jahr 1973 – der Autor verfasste das Werk als „gekürzte Fassung“ eines fiktiven Buches und tritt in seinem Verlauf immer wieder als Kommentator auf – ist ein Unikat in einem sonst eher konservativen Genre, zeichnet sich durch einen sehr feinen ironischen Humor aus, der niemals in Herablassung oder feige Distanzierung abgleitet, durch fantastische, intelligente, pointierte und durchaus poetisch zu nennende Dialoge und natürlich eine wunderbare, originelle Besetzung.

Anders als andere Fantasyfilme, die vor allem post LORD OF THE RINGS gern mal in scheußlicher, blutgetränkter Brachialepik verenden und genau in dem Maße nicht Ernst zu nehmen sind, in dem sie sich selbst viel zu Ernst nehmen, fühlt sich THE PRINCESS BRIDE wunderbar luftig und leicht an. Er umarmt das Triviale und Ephemere, die schiere Freude am Geschichtenerzählen als uralte Form zwischenmenschlicher Kommunikation, und erreicht so ungeahnte Wahrhaftigkeit. Seine großen Gesten der Liebe, der Freundschaft und Loyalität und des Heldenmuts kommen ohne jedes aufgesetzte Pathos aus: Hier wird keine weltumspannende Botschaft nach Hause gedroschen, kein monolithisches Denkmal der Tapferkeit errichtet, vielmehr begreift Reiner gerade Intimität und die genannte Leichtigkeit als die entscheidenden Stärken seines Films. Ja, tatsächlich, THE PRINCESS BRIDE ist ein humanistischer Film, aber einer, der sich dafür nicht selbst auf die Schulter klopft. Er hat nichts zu verkünden, außer Fabulierfreude im Überfluss. Held Westley (Cary Elwes) verfolgt keine Mission, er ist auch kein leuchtendes Vorbild, kein Auserwählter, der mit dem Schwert Gerechtigkeit bringt: Er will einfach seine Geliebte, die schöne Buttercup (Robin Wright-Penn) zurück, die ihm der ölige Prinz Humperdinck (Chris Sarandon) weggeschnappt hat, als Westley auf große Seereise ging. Der Rachewunsch von Inigo Montoya (Mandy Patinkin), der seit 20 Jahren auf der Suche nach dem Mörder seines Vaters ist, wird weder mit grimmigem Eifer verfolgt noch zu krankhaftem Wahn hochstilisiert: Er ist schlicht Ausdruck seiner Persönlichkeit und konsequente Folge der Liebe, die er für seinen Vater empfand. Die Schurken – neben Humperdinck ist da noch sein Adlatus, Graf Rugen (Christopher Guest) – verdienen ihre Strafe schlicht deshalb, weil sie gegen die einfachen Regeln des menschlichen Zusammenlebens verstoßen haben: Sie müssen nicht zu Monstren verzerrt werden. Es herrscht eine sehr klare Moral im magischen Lande Florin, in dem der Film spielt, die nichts mit existenzialistischer Schwere oder archaischer Düsternis zu tun hat. Es ist einfach erfrischend, einen Film zu sehen, der vom Guten statt vom Bösen beflügelt wird.

Diese allgegenwärtige Liebe zeigt sich zuerst in den Figuren. Keine einzige ist unwichtig, egal wie tangentiell ihre Bedeutung für die Handlung letztlich ist: Cary Elwes, ein Schauspieler, den man in erster Linie mit seinen „boyish good looks“ assoziiert, ist perfekt als humorvoller Held, sein komödiantisches Timing beachtlich. Andre the Giant, der riesenhafte Wrestler, der fünf Jahre später an den Begleiterscheinung seiner Akromegalie verstarb, ist sowas wie das Herz des Films: Ein freundlicher Hüne, der keine Sekunde darüber nachdenken muss, ob er seinen Freunden helfen will. Wallace Shawn brilliert als selbstverliebter, schurkischer Kopfjäger mit Vorliebe für das Wort „inconceivable“, das er ständig falsch verwendet. Billy Crystal und Carol Kane spielen ein greisenhaftes Hexen-Ehepaar, das den armen Westley vor dem Tod rettet, Mel Smith einen glubschäugigen Folterknecht namens Albino, der seiner Aufgabe mit beinahe kindlicher Unschuld nachgeht. Robin Wright-Penn (noch vor ihrer Ehe mit Sean) muss eigentlich nur hübsch und tugendhaft aussehen und erfüllt diese Aufgabe naturgemäß mit Bravour. Aber am wichtigsten für THE PRINCESS BRIDE sind Mandy Patinkin und Peter Falk. Ersterer ist als Inigo Montoya der heimliche Hauptdarsteller, ein wunderbarer, facettenreicher Charakter zwischen spanischem Heißsporn, verträumtem Ehrenmann und hoffnungslosem Gefühlsmenschen. Sein Mantra – „Hello. My name is Inigo Montoya. You killed my father. Prepare to die.“ – wird zu einer Art Refrain des Films, seine Mission löst Westleys Suche nach Buttercup als eigentlicher Hauptplot beinahe ab. Wenn THE PRINCESS BRIDE zu Ende ist, vermisst man ihn. Peter Falk hat demgegenüber eigentlich eine undankbare Rolle: Er spielt den Großvater, der seinem kranken Enkel (Fred Savage) in der Rahmenhandlung das Buch „The Princess Bride“ vorliest und den zunächst eher widerwilligen Jungen – die Liebesgeschichte von Westley und Buttercup beinhaltet ihm viel zu viel Küsserei – bald vollkommen für das Märchen einnimmt. Was in einem anderen Film allzu leicht zum überflüssigen Wurmfortsatz verkommen wäre, ist unter Reiner Inszenierung dank Falks humorvollem Spiel die Zutat, die aus einem fantastischen einen perfekten Film macht. Die Liebe des Opas, der seinem Enkel seine Lieblingsgeschichte „vererbt“ ist von der Liebe, die Falk in sein Spiel legt, nicht zu trennen. Am Ende saß ich wieder einmal wie aufgelöst vor dem Fernseher, und dass obwohl Reiner jedes manipulative Knöpfchendrücken vollkommen vermeidet. Ein Wunderwerk, das man für sich entdecken sollte, wenn man es noch nicht kennt. Einer der schönsten Filme der Achtzigerjahre, eine einsame Sternstunde des Genres und einer meiner absoluten Lieblingsfilme. Besser geht es nicht.

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Kommentare
  1. Absolut überschätzter Film – bestensfalls Durchschnitt – und das auch nur wegen 1-3 überzeugender Szenen.

    • Oliver sagt:

      Hahaha!

      Sorry, nimm‘ es mir nicht übel, aber das sind meine Lieblingskommentare: Ich poste einen langen Text, indem ich meine Meinung versuche zu begründen, und dann kommt jemand daher und sagt einfach „Nö.“ Was soll das?

  2. Poldi sagt:

    Grad mal wieder angeschaut und ich kann nur zustimmen. Eine absolut locker-flockige Fantasygranate wo fast alles stimmt. Durch die herrlisch altmodischen Kulissen und dem frechen aber nie vulgären Humor hatte ich irgendwie das Gefühl der würde sogar in schwarz-weiss perfekt funktionieren.

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