survival of the dead (george a. romero, usa/kanada 2009)

Veröffentlicht: Mai 12, 2015 in Film
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Das vorläufige Ende von Romeros Zombie-Zyklus stellt nach dem katastrophalen DIARY OF THE DEAD fast zwangsläufig wieder eine deutliche Verbesserung dar, kommt im direkten Vergleich mit Meisterwerken wie NIGHT OF THE LIVING DEAD, DAWN OF THE DEAD, DAY OF THE DEAD oder selbst LAND OF THE DEAD aber dennoch einer herben Ernüchterung gleich. Nicht nur, dass SURVIVAL OF THE DEAD seinen Vorgängern inhaltlich kaum noch etwas hinzuzufügen hat, er sieht dabei auch so gnadenlos billig aus, dass es wehtut. Der Look des Films ist farbarm, matschig und lieblos, und wüsste man nicht, es hier mit einem Film von Romero zu tun zu haben, man könnte vermuten, es handele sich bei SURVIVAL um einen der zahlreichen Quasi-Amateur-Splatterfilme, die vor allem in den Neunzigerjahren den Markt fluteten. Mit seinen grauenhaften, peinlich plakativ eingesetzten CGI-Effekten schrammt der Film zudem mehrfach haarscharf an der tumben Splatterkomödie vorbei. Klar, Humor war vor allem in DAWN OF THE DEAD schon ein wichtiges Stilmittel gewesen, aber wenn hier ein Zombie mit einer Gabel samt aufgespießter Bratwurst gekillt wird, wird eine Niveaugrenze unterschritten, die bis einschließlich LAND stets gewahrt geblieben war.

Die Story, die wieder einmal darum kreist, wie es nicht so sehr die Zombies, sondern vor allem die Menschen selbst sind, die ihren eigenen Untergang besiegeln, indem sie es nicht schaffen, zusammenzuarbeiten und ihre Animositäten zu begraben, ist mittlerweile reichlich abgedroschen, präsentiert einen alternden Filmemacher auf Autopilot, der von seiner eigenen Kreation gelangweilt scheint, aber weiß, dass er von ihr als einziges noch profitieren kann. Irgendwo tief drinnen in SURVIVAL OF THE DEAD steckt eine ganz hübsche Idee, generell ist es nicht verkehrt, dass Romero sich entschieden hat, zur Intimität von NIGHT zurückzukehren, aber am Ende ist der ganze Film kaum mehr als ein unnötiger Wurmfortsatz, dessen Verlust niemand wirklich bedauern würde. Nachdem zuvor immer mal wieder die Rede von der Flucht auf eine Insel war, macht SURVIVAL OF THE DEAD damit ernst, verlegt die Handlung auf Plum Island, ein kleines Eiland vor der US-amerikanischen Ostküste, wo die Clans der O’Flynns und der Muldoons seit Jahrhunderten verfehdet sind. Während das aktuelle Oberhaupt der Muldoons (Richard Fitzpatrick) der Meinung ist, man müsse die Zombies am Leben halten, um eine Heilung zu finden, richtet O’Flynn (Kenneth Welsh) gnadenlos alles hin, was schon untot ist oder es werden könnte. In diesen Konflikt platzt der marodierende Sarge (Alex van Sprang, der mit seinen Leuten einen Ort sucht, an dem man leben kann, ohne täglich mit dem Tod rechnen zu müssen. Plum Island scheint ein idealer Ort, aber seine Bewohner sind in ihrer idiotischen Feindschaft erpicht darauf, auch ihn zur Hölle zu machen. Und das tun sie dann auch, damit am Schluss das mittlerweile gewohnte Massaker stattfinden kann und der Protagonist zu neuen Ufern aufbrechen muss.

SURVIVAL OF THE DEAD erinnert mit seinen erbitterten Feinden, die gar nicht mehr genau wissen, warum sie sich eigentlich hassen, etwas an das amerikanischste aller Filmgenres, den Western, kehrt somit zum Kern der US-amerikanischen Faszination mit Waffen und Gewalt zurück. Romero findet durchaus einige schöne Bilder: Die zombifizierte Tochter O’Flynns, die auf ihrem schwarzen Pferd ziellos über die Insel galoppiert, die von Muldoon in ihrer alten Tätigkeit gefangenen Zombies (ein ehemaliger Briefträger, fristet sein Dasein damit, immer und immer wieder ein und denselben Brief in einen Briefkasten zu werfen), abschließend das Bild der nun selbst zu Untoten gewordenen Erzfeinde, die auch in diese Zustand nichts anderes als den gegenseitigen Hass aufeinander kennen. Aber insgesamt ist SURVIVAL OF THE DEAD von alten Glanzzeiten weit entfernt und das einzige, das wirklich noch für ihn einnimmt, sind Nachsicht und Nostalgie. Es gibt ganz gewiss Hunderte von deutlich mieseren Zombiefilmen, aber für den Begründer und Meister des Genres liegt die Messlatte dann doch etwas höher. Ich kann mit SURVIVAL OF THE DEAD einigermaßen leben, begrüße seine Existenz allein schon deshalb, weil DIARY damit nicht den tragischen Endpunkt des Zyklus bildet, frage mich aber dennoch, was nach LAND OF THE DEAD eigentlich schief gelaufen ist.

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