friday the 13th part 2 (steve miner, usa 1981)

Veröffentlicht: Mai 21, 2015 in Film
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FRIDAY THE 13TH PART II (zu Deutsch FREITAG DER 13. – JASON KEHRT ZURÜCK) erschien mir immer als einer der schwächeren Filme der Reihe. Ihm kommt das Verdienst zu, Jason Voorhees zum Antagonisten erhoben und damit den eigentlichen Grundstein für die zahlreichen Sequels gelegt zu haben, aber man merkt, dass die Idee, was man mit diesem Killer nun machen soll, noch nicht ganz ausgereift ist. Über weite Strecken stellt der Film eine Kopie des ersten Teils dar, mit der Ausnahme, dass es nun eben nicht mehr die erzürnte Mama ist, die mordend durchs Unterholz stakst, sondern ihr trauerndes Söhnchen. Ein Rückschritt gegenüber dem Vorgänger sind definitiv die Effekte: Der Film wurde vor seiner Veröffentlichung ganz offensichtlich runtergekürzt und kommt trotz deutlich erhöhtem Body Count auffallend blutleer daher. Auch sonst scheint er Federn gelassen zu haben: Der rothaarige Nerd, der immer wieder mit lustigen Scherzen auffällt und ein potenzielles Mordopfer darstellt, verschwindet ganz einfach. Wie auch bei einigen anderen Installationen der Reihe – etwa John Carl Buechlers FRIDAY THE 13TH PART VII: THE NEW BLOOD oder FRIDAY THE 13TH PART VIII: JASON TAKES MANHATTAN – würde man gern mal eine ungeratete, intakte Fassung sehen, aber nach rund 30 Jahren ist jede Hoffnung auf eine solche längst geschwunden.

Was FRIDAY THE 13TH PART II für Jason-Spezialisten und Sequelologen interessant macht, sind jene kleinen Idiosynkrasien, die gerade zweite Teile gern aufweisen (ich denke da an Jack Sholders unglaublichen NIGHTMARE ON ELM STREET PART 2: FREDDY’S REVENGE). Das Sequel beginnt mit dem Close-up auf eine Pfütze, in die ein kleines Mädchen hineintritt. Eine mütterliche Stimme ruft es aus dem Off nach Hause, die Kamera verharrt auf der Pfütze, durch die nun ein Mann mit klobigen Arbeitsschuhen läuft. Dann wird in die Wohnung von Alice (Adrienne King) geschnitten, dem Final Girl des ersten Teils, die für den Zuschauer noch einmal die vorangegangenen Ereignisse erträumt. Nachdem sie aufgewacht ist, telefoniert sie mit ihrer besorgten Mutter, setzt sich Wasser auf, findet das Haupt von Mrs. Voorhees in ihrem Kühlschrank und wird schließlich ermordet. Das ist nun ein alles andere als außergewöhnlicher Start für einen Slasherfilm, aber innerhalb der FRIDAY THE 13TH-Reihe dennoch ungewöhnlich: Die Vorstellung, dass Jason sich von seinem Camp Crystal Lake wegbegibt, um in einer vorstädtischen Home Invasion Rache zu üben, passt überhaupt nicht zu dem Bild, das man gemeinhin von ihm hat. Überhaupt ist die Entscheidung, Jason zum Star der Show zu machen, streng genommen höchst seltsam: Das shock ending des Vorgängers, indem er als halb verfaulte, aber immer noch kindliche Wasserleiche über Alice herfiel und sie ins Wasser zerrte, war doch deutlich als Traum oder gar Wahnvorstellung einer traumatisierten Person gekennzeichnet. Das Drehbuch gibt sich zwar alle Mühe, eine plausible Erklärung für das Auftauchen eines nun plötzlich erwachsenen Jason zu finden, hat damit aber, kaum überaschend, wenig Erfolg. Jason soll gar nicht ertrunken sein, sondern überlebt und sich verängstigt in den Wald geschlichen haben, wo er dann ein neues Leben als verwilderter Waldschrat begann, bis er die Ermordung seiner Mutter mitansehen musste. Diese Erklärung wirft mehr Fragen auf, als sie beantwortet, die Figur des Slashers mit dem Mutterkomplex bleibt auch im Sequel ein einziges großes Rätsel.

Dass man dem armen Kerl als Maske einen Kissenbezug über den Kopf stülpte und ihm ein kleines Wellblechhäuschen in den Forst stellte, in dem er einen Schrein für seine Mutter unterhält, hilft nicht gerade weiter. Der Jason Voorhees aus FRIDAY THE 13TH PART II lässt sich mit den späteren Inkarnationen kaum noch in Übereinstimmung bringen. Im Showdown, in dem er Ginny (Amy Steel) durch den Wald hetzt, bekommt man fast Mitleid mit ihm. Die brutale Effizienz, die der Schlachtermeister später an den Tag legen würde, sucht man hier vergebens, dieser Jason ist ein blutiger Anfänger, stolpert, springt daneben, lässt sich in die Eier treten, fällt auf die Schnauze und wird dann mit einem sehr fadenscheinigen Trick genasführt. Jason ist beinahe ein tragischer Held, ein tief verstörtes Kind in einem für dieses kaum zu beherrschenden Körper. Aber diese Tiefe erhält die Figur eher durch Zufall: durch Spekulationen in Dialogen, durch die Art, wie sein gesichtsloser Darsteller durchs Bild latscht (als er von einem Polizisten verfolgt wird, lassen die Großaufnahmen seiner in bedächtigem Tempo rennenden Plattfüße auf einen Rentner mit Hüftschaden schließen), durch die sattelschleppergroßen Logiklöcher in seiner Genesis. Das Augenmerk lag offenkundig weniger auf der Kreation eines potenziellen Popkultur-Phänomens als auf der Wiederholung der Elemente, die Cunninghams Vorgänger zum Sensationserfolg gemacht hatten: Teenies verlustieren sich an einem Waldsee und werden von einem Unbekannten um die Ecke gebracht. Es gibt diesmal, der Überbietungslogik geschuldet, noch mehr Teenies (die meisten haben dann aber das Glück, während Jasons Jagdzeit in einer lokalen Bierschwemme zu gastieren), zum ersten Mal nackte Brüste und zahlreiche dümmliche Streiche, die auf einen IQ unter Zimmertemperatur schließen lassen (einer versucht seine Angebetete zu erobern, indem er ihr beim Baden die Klamotten klaut und sie so dazu zwingt, ihm barbusig hinterherzurennen: eine garantiert todsichere Methode, das Herz einer Dame zu gewinnen). Der verrückte Hillbilly Ralph (Walt Gorney) macht erneut seine Aufwartung und stellt innerhalb der Reihe eines der seltenen frühen Beispiele für echte Kontinuität her. Ob Miners Film jetzt besser oder schlechter ist als sein Vorgänger kann man kaum sagen. Darüber zu diskutieren scheint aber eine lohnenswerte Beschäftigung für Paragrafenreiter, Nerds mit Statistikwahn, Verfechter von Pepsi-Cola und sonstige Langweiler. Eine wirklich ikonische Szene ist Miner immerhin gelungen: die mittlerweile obligatorische Lagerfeuer-Gruselgeschichten-Szene mit Schock am Ende. Es ist die vielleicht beste Szene des ganzen Films, dem es aller Widrigkeiten zum Trotz immerhin gelingt, eine gewisse Atmosphäre aufzubauen.

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