friday the 13th part III (steve miner, usa 1982)

Veröffentlicht: Mai 21, 2015 in Film
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Es ist lustig, dass das Franchise ausgerechnet mit Miners zweitem Beitrag zur Reihe sicheren Tritt fand, denn FRIDAY THE 13TH PART III ist mit Abstand der seltsamste Film um den klobigen Killer vom Camp Crystal Lake. Dabei ist es nicht ganz einfach, genau zu benennen, worin die Seltsamkeit des Films eigentlich genau besteht. Vordergründig ist dieser dritte Teil, von seinem gimmickhaften Einsatz der 3D-Technologie einmal abgesehen, nämlich sogar ausgesprochen konzeptarm, stellt quasi einen idelatypischen Slasherfilm dar: Ein paar Teenies lassen sich zu einem lauen Wochenende bei Alkohol, Dope und Sex in einem Häuschen am Crystal Lake nieder und werden vom maskierten Butzemann plattgemacht, bis ihm das Final Girl vorerst ein Ende bereitet. Die Morde sind gegenüber den Vorgängern kreativer und comichafter, der ganze Film weniger „realistisch“, sondern von einer irgendwie irrealen, märchenhaften Qualität.

FRIDAY THE 13TH PART III beginnt zunächst mit dem Rückblick auf Teil 2, der aus Gründen der Erzählökonomie leicht abgewandelt wird. Die düstere, erdige Farbgebung dieser Bilder wird von der dann einsetzenden Title-Sequenz, die schon einen Vorgeschmack auf das Kommende gibt, kontrastiert: Die Schrifteinblendungen knallen vor blauem Hintergrund und Rauchschwaden in leuchtend blutroten, dreidimensionalen Blockbuchstaben ins Bild, Harry Manfredinis hyperaktiver Score wird mittels Stampfrhythmus und Blubberbass zur geisterbahnhaften Disconummer variiert. Der erste Tatort, der Gemischtwarenladen samt Wohnung eines gammeligen White-Trash-Ehepaares, sieht mit seinem komischen Hinterhof aus wie ein trauriges Bühnensetting aus einer vergessenen Siebzigerjahre-Kindersendung. Die Optik meiner DVD, die eine ganz seltsame Flächenunschärfe aufweist, trägt ihren Teil dazu bei, dass der Film wirkt, als betrachte man ihn durch die Kristallkugel eines humorvollen Zauberers. (Ich nehme an, das hat etwas mit der 3D-Konvertierung zu tun, aber ich bin kein Fachmann und kann da nur spekulieren.) Außerdem schlägt zu Buche, dass Miner den Film komplett an kalifornischen Schauplätzen inszenierte, obwohl Camp Crystal Lake eigentlich an der Ostküste liegt (die vorangegangenen Teile waren in New York und Connecticut gedreht worden): Die Landschaft sieht anders aus, sonniger und staubiger, das Licht ist ein anderes, das ganze Setting lässt vermuten, man habe es mit einem ganz anderen Crystal Lake zu tun als zuvor (der zuvor ausladende Waldsee ist hier kaum mehr als ein Tümpel). Dass die vorangegangenen Ereignisse nach dem erwähnten White-Trash-Prolog keinerlei Erwähnung mehr finden, unterstreicht noch die Fremdartigkeit des Films. Während später etwa durch die Etablierung des Tommy Jarvis eine Art durchgehender Chronologie aufgebaut wird, die zumindest die Teile 4 bis 7 verbindet, wirkt dieser dritte Teil wie ein folgenlos bleibender Exkurs.

Auch der eine inhaltlicher Schlenker, den sich der Film gönnt, suggeriert eine parallel zum Franchise laufende Alternativ-Story: Die Protagonistin Chris (Dana Kimmell) leidet an einem Trauma, seit sie vor einem Jahr von einer missgebildeten Gestalt im Wald angefallen wurde. In einer Rückblende sehen wir, parallel zu ihrer Erzählung, wie sie im Wald eingeschlafen ist (!) und plötzlich von einem Mann mit fürchterlich entstelltem Gesicht überrascht wird. Er stürzt sich auf sie, während sie panisch und erfolglos versucht, ihn abzuschütteln. Die Rückblende endet, Chris berichtet, sie sei zu Hause in ihrem Bett aufgewacht und ihre Eltern hätten nie wieder mit ihr über die Vorfälle jener Nacht gesprochen. Später stellt sich natürlich heraus, dass die Gestalt niemand Geringeres als Jason Voorhees gewesen ist. – Nicht nur, dass Chris‘ Geschichte – das unschuldige Mädchen, das im Wald sanft entschlummert und von einem Monster geweckt wird – zum märchenhaften Charakter des Films entscheidend beiträgt, sie impliziert auch einen unangenehmen sexualpathologischen Aspekt von Jasons Handeln: Die Interpretation, dass Chris von ihm vergewaltigt wurde, bestätigt der Film zwar nicht, bemüht sich aber auch nicht gerade, sie zu entkräften. In der sonst sehr lückenlosen Jason-Saga – jeder Film schließt unmittelbar an den vorangegangenen an – suggeriert Chris‘ Erlebnis außerdem, dass Jason ein Leben „zwischen“ den Filmen führt – und dass ihm möglicherweise andere Menschen begegnet und entkommen sind. Der sonst sehr enge Fokus der FRIDAY THE 13TH-Filme öffnet sich, die eindimensionale Jason-Figur wird „veruneindeutigt“. Ansonsten wandelt FRIDAY THE 13TH PART III aber auf ausgetretenen Pfaden, sieht man einmal davon ab, dass er deutlich humorvoller ist als die Vorgänger und den ersten Schritt zu späteren Eskapaden und der Idolisierung Jasons macht. Dies ist bekanntermaßen der Film, in dem der Killer endlich seine Hockeymaske findet, die ihn zur Ikone werden ließ. Jason rückt weiter in den Vordergrund als zuvor und erhält seine Persona als unaufhaltsame, stoische Mordmaschine, die in den folgenden Installationen weiter ausgebaut und schließlich auf die Spitze getrieben wird. Mir hat immer der deutsche Titel UND WIEDER IST FREITAG DER 13. imponiert: Er betont gnadenlos den seriellen Charakter des Films, gleichzeitig schwingt aber auch eine gewisse tragische Resignation in den Worten mit. Der Titel sagt, dass zwangsläufig weitere Unglückstage kommen werden und mit ihnen auch der von Jason angehäufte Leichenberg weiter wachsen wird, ohne dass man dagegen etwas unternehmen könnte. Wie ich in meinem Text zum ersten Teil schon sagte: Die Reihe ist ganz den dunklen Abgründen der „Teenage experience“ und der Angst vor einem vorzeitigen, sinnlosen Tod verpflichtet

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