friday the 13th: the final chapter (joseph zito, usa 1984)

Veröffentlicht: Mai 26, 2015 in Film
Schlagwörter:, , , , , ,

friday-the-13th-the-final-chapter-577802lFür mich ist dies der beste Teil der Reihe, der finsterste und brutalste, der, der genau das verkörpert, was die Reihe für mich gerade in meiner Jugend immer so reizvoll machte. Joseph Zito gelang es, die Essenz der ersten drei Teile, das, was Jason Voorhees überhaupt erst zu einer effektiven Figur machte, klar herauszuarbeiten, bevor das Franchise endgültig den Wandel zu poppigem Kinderkram und Funsplatter vollzog (was nicht heißt, dass ich die kommenden Teile nicht mag). Hier ist Jason noch eine bösartige, furchteinflößende Urgewalt, ein Mysterium zudem. Seine zahlreichen Morde beenden mittelmäßige bis traurige Teenieleben blutig und überaus mitleidlos, der Film ist dunkel, feucht, kalt und – im Rahmen dessen, was im nicht gerade subtilen Slashergenre möglich ist – beunruhigend, am Ende gar verstörend.

FRIDAY THE 13TH: THE FINAL CHAPTER knüpft wieder unmittelbar an den direkten Vorgänger an, verströmt aber vom Start weg eine ungeahnte Dringlichkeit und Bedrohung, die auch das Teeniegedöns der Exposition entsprechend verdüstert. Zito beschränkt es zudem auf ein absolutes Mindestmaß – das, was nötig ist, um seine Opferschar als notgeile Jammerlappen zu zeichnen – und lässt Jason bereits nach kürzester Zeit von der Leine, auf dass er sein blutiges Handwerk verrichte. Die Spezialeffekte stammen wieder einmal von Tom Savini, kommen ruppig und hart daher, selbst wenn man sieht, dass auch dieser Film Federn lassen musste, um sein R-Rating zu bekommen. Jason selbst geht mit äußerster Effizienz zu Werke und bleibt bis zur letzten Spule nahezu unsichtbar, nicht zuletzt, weil die Nacht, der Wald und der Regen ihn verdecken (man vergleiche Zitos Film nur mal mit dem bei Festbeleuchtung gedrehten Vorgänger). Ein kluger Schachzug: Im Vergleich mit späteren Sequels, in denen Jason fast zum Protagonisten wird, ist dieser vierte Teil deutlich spannender, und wenn der Hüne mit der Eishockeymaske endlich in Erscheinung tritt, schlägt das ganz anders zu Buche. Meine Lieblingsszene mit ihm ist dann auch noch nicht einmal besonders grafisch: Er durchbricht mit den Armen ein Fenster im ersten Stock eines Hauses von außen, greift das dahinter stehende Mädchen, reißt sie heraus und wirft sie kurzerhand über die Balkonbrüstung. In Zeitlupe kommt dieser Mord gleich doppelt brachial daher (Zito setzt sie häufiger sehr effektiv ein). Überhaupt wirken die genretypischen creative killings hier vergleichsweise bodenständig, was dem Film sehr zugute kommt. In späteren Teilen fragt man sich ja des öfteren, welchen Baumarkt Jason zuvor geplündert haben mag, um an sein Arsenal von Mordwaffen zu kommen.

Dass ich diesen Film – der wie schon der dritte Tel vor ihm und die folgenden ebenfalls in Kalifornien gedreht wurde und dessen Setting kaum mit den ersten beiden Filmen in Übereinstimmung zu bringen ist – so mag, liegt neben der Top-Performance von Jason und der zielstrebigen Inszenierung von Zito vor allem an den beiden „Stars“, Corey Feldman und Crispin Glover. Ersterer hat als damals 13-Jähriger die Hauptrolle als Crystal-Lake-Anwohner Tommy und trägt erheblich dazu bei, dass man tatsächlich emotional in FRIDAY THE 13TH: THE FINAL CHAPTER involviert ist. Wenn Tommy in seinem Bett aufjauchzt, weil er die geilen Ischen nebenan nackig sehen kann, ist man ganz bei ihm und sorgt sich im Folgenden um seine Sicherheit. Das harte Finale, in dem er einen sichtbaren Knacks erleidet, sorgt ebenfalls dafür, dass dieser vierte Film der Reihe neben dem ersten als ernstester Beitrag gelten darf. Die Schlusseinstellung zeitigt eine Wirkung, die der vierte Teil einer tumben Slasherfilm-Reihe eigentlich niemals haben dürfte. Crispin Glover ist hier so etwas wie das Comic Relief, auch wenn dieser Begriff seiner Funktion nicht ganz gerecht wird. Er ist der linkische Nerd, der sich bei den Frauen ziemlich dumm anstellt und dessen Selbstbewusstsein massiv angeknackst ist. Er reißt sich dann zusammen, spricht tatsächlich ein Mädel an und gewinnt die Herzen der Zuschauer mit einer der bizarrsten Tanz-Performances ever. Sein Ende spielt meiner Deutung der FRIDAY THE 13TH-Reihe sehr in die Karten: Er wird gekillt, nachdem ihm seine Eroberung ein Spitzenleistung im Bett bescheinigt hat. Nicht, weil ein Puritaner ihn dafür bestrafen will, dass er Sex hatte, sondern weil solches Glück im Teenieleben einfach nicht vorgesehen ist. Life’s a bitch and then you die.

Advertisements
Kommentare
  1. Mic sagt:

    Ein schöner Artikel, dem ich nur an einer Stelle aus meiner Sicht ein wenig widersprechen „muss“. Meiner Meinung nach verliert die Figur des Tommy in dem Moment, in dem er durchdreht und, wie du so schön schreibst, seinen Knacks erleidet, sehr an Glaubwürdigkeit. Die Hinführung an diese Szene finde ich mit der Reminiszenz an den zweiten Teil der Serie noch sehr gelungen, aber was dann daraus wird ist mir persönlich einfach too much.

    Wo ich dir absolut Recht gebe ist der Umgang mit dem hiesigen Rudel Teenies. Das ist alles sehr schön auf den Punkt inszeniert. Und Crispin Glover gibt dem Begriff „Ausdruckstanz“ eine völlig neue Bedeutung!

    • Oliver sagt:

      Hmm, weiß nicht. „Glaubwürdigkeit“ ist ein zartes Pflänzchen, gerade in einer Serie wie den FRIDAY THE 13TH-Filmen, die in ihrer ganz eigenen Realität zu spielen scheinen. Mir scheint der Ausraster Tommys am Ende des Films ehrlich gesagt als einer der wenigen Momente der ganzen Reihe, die ich als „realistisch“ bezeichnen würde. Sein Ausraster ist doch absolut angemessen und nachvollziehbar, eine Affekthandlung, in der sich der Überlebenstrieb in seiner ganzen Urgewalt Bahn bricht.

      • Mic sagt:

        Okay, deine Sichtweise hat etwas für sich. Ohne das jetzt wirklich ausdiskutieren zu wollen, mir geht vor allem die Inszenierung des Ausrasters quer. Die gleiche Szene ohne das zehnte Zustoßen, ohne das wiederholte Verzerren des Gesichts, hätte bei mir vielleicht auch eher „Gnade“ gefunden. So muss ich aber schon sagen, dass mir das Ende ein wenig die Freude am Film nimmt.

      • Oliver sagt:

        Wir müssen das tatsächlich nicht weiter ausdiskutieren, aber ich rate dir trotzdem, dir den Film/die Szene nochmal anzusehen. Die ist nämlich deutlich „dezenter“ als du sie in der Erinnerung abgespeichert hast. 🙂

  2. Marcos sagt:

    Bei dem warte ich ja immer noch auf mein Erweckungserlebnis. Selbst als meine Familie das Todesurteil über ihn gesprochen hatte (mein Großvater meinte, dem (Jason) müsse man wohl immer ein bisschen in den Arsch treten damit er das Dreckspack (die hilflosen Teenager) wegmacht, meine Großmutter wollte danach gerne etwas sehen, wo es richtig zur Sache geht) wollte ich noch nicht aufgeben. Vielleicht verhilft mir Dein Text beim nächsten Mal zu einer neuen Perspektive. 🙂 und Daumen hoch und was weiß ich, damit klar ist, dass ich es wirklich ernst meine mit dem Bemühen und das hier keine blöde Internet-Ironie sein soll. 🙂

    • Oliver sagt:

      Bei dem Film hilft mir ganz klar die lange Liebesaffäre, die ich mit dem Film schon fast ein Jahrzehnt lang hatte, bevor ich ihn überhaupt gesehen habe. Der war in meiner Vorstellungskraft zu solch mythischer Größe herangereift, dass er eigentlich gar nicht mehr scheitern konnte.

      • Marcos sagt:

        Du hast auch geschafft, dass ich DER TIGER mit dem Busey mochte (nach der 7. Betrachtung hat’s „klick“ gemacht). Den vierten „Freitag“ habe ich erst 5 Mal gesehen. Da ist noch alles drin.

  3. Oliver sagt:

    Haha, ja das war damals eine heiße Diskussion. Ich habe den Film seit damals nicht mehr gesehen. Vielleicht sollte ich den mal wieder auffrischen. Aber deine Ausdauer finde ich echt bemerkenswert. Einen Film, den ich nicht mag, schaue ich vielleicht noch einmal, wenn’s dann nicht funktioniert,ist der in der Regel gestorben.

    • Marcos sagt:

      Jeder hat die ihm eigene Methode, seine Hingabe an das Kino zu pflegen. 😉

      • Oliver sagt:

        Sowieso. Sollte auch keine Kritik sein. 🙂

      • Marcos sagt:

        Hab ich auch nicht so verstanden. Meine Aussage war pure Affirmation, weil Du ja nun auch die Dir eigenen Methoden hast, Deine Hingabe zu zeigen, die von mir bewundert werden. Du kannst mir schon trauen, Olli, ich meine es gut mit Dir. 😉 Für mich tanzen wir immer noch zusammen auf einem Blumenfeld ins Glücksbärchiland ab und nur selten treten wir uns beim allzu großen Ausschwingen mit den Beinen in die Magengrube. Dabei lächeln wir konsequent, auch wenn manchmal etwas gequält.

      • Oliver sagt:

        😀

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s