friday the 13th: a new beginning (danny steinmann, usa 1985)

Veröffentlicht: Mai 27, 2015 in Film
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„Der einzige Jason-Film der Jason-Endlosreihe ohne Jason“: So beschrieb der unnachahmliche Andreas Bethmann dieses vierte Sequel seinerzeit in dem von ihm herausgegebenen Horror-Fanzine „Art of Horror“, einer Fundgrube für angehende Lektoren, Freunde von sprachlos machenden Stilblüten und sprachlicher Einfalt. Nachdem nur ein Jahr zuvor angeblich „Das letzte Kapitel“ erzählt worden war, verkündete Regisseur Danny Steinmann hier also den „Neuen Anfang“. Bei soviel merkantiler Dreistigkeit war es wahrscheinlich angeraten, den Kunden mit einem einladenden Augenzwinkern auf die eigene Seite zu ziehen. Mit dem fünften Teil der Reihe beginnt also das postmoderne Zeitalter der FRIDAY THE 13TH-Reihe, wenngleich Steinmann den von Zito am Ende des Vorgängers fallengelassenen roten Faden dankbar aufgreift und zu den Whodunit-Wurzeln des ersten Teils zurückkehrt. Sein Film spielt mit dem nicht unberechtigten Verdacht des Publikums, der traumatisierte Tommy Jarvis (John Shepherd) könne das Werk von Jason Voorhees aufgegriffen haben, nur um ihn am Ende eines Besseren zu belehren. Wer den Film halbwegs aufmerksam verfolgt, weiß da indessen schon lange, wer sich unter der Eishockemaske verbirgt, denn, wie McCarthy in seinem „Splatter Movie Guide“ schreibt, weist Steinmann im Prinzip mit einem Neonschild auf den Täter hin. Dass er einen Copycat-Mörder an Jasons Stelle setzt, hat dem Film in Fankreisen erbitterte Kritik eingetragen und er gilt generell als einer der schwächeren Teile, aber wenn man FRIDAY THE 13TH: A NEW BEGINNING unvoreingenommen und eben nicht durch die Nerd- oder Fanbrille betrachtet, fallen einem einige Kniffe auf, die ihn zu einem der intelligenteren, zumindest aber einem der interessanteren Sequels machen.

A NEW BEGINNING eröffnet mit einer Albtraumsequenz, in der der junge Tommy (Corey Feldman) beobachtet, wie zwei Jungs das Grab von Jason öffnen und von dem wiedererwachenden Killer gemurkst werden. Jason nimmt sofort Witterung auf, geht wie an der Schnur gezogen auf Tommy zu und rammt ihm seine Machete in den Leib, woraufhin der offensichtlich über Nacht zum Young Adult herangereifte Junge erwacht (der folgende sechste Teil beginnt ganz ähnlich). Er befindet sich in einem Transporter, der ihn in ein Heim für psychisch labile Jugendliche bringt. Dort, irgendwo in einem nicht näher bezeichneten Waldgebiet (auch dieser Teil wurde wieder in Kalifornien gedreht und sieht kein bisschen aus wie die ersten beiden Filme) sollen die Kids auf antiautoritärem Wege auf die Reintegration in die Gesellschaft vorbereitet werden. Das therapeutische Konzept lässt zu wünschen übrig, denn es dauert keine zehn Minuten, da wird das erste – der verfettete, zurückgebliebene Joey (Dominick Brascia) – von einem cholerischen Mitinsassen mit der Axt verhackstückt. Betrachtet man den Film als Abbild der Realität (tut das wirklich jemand?), funktioniert er natürlich kein Stück: Die beiden Heimleiter – Matt (Richard Young) und Pam (Melanie Kinnaman) – behandeln ihre jugendlichen Patienten als seien sie ihre Vertrauenslehrer, der brutale Mord entlockt ihnen kaum mehr als ein besorgt-enttäuschtes Stirnrunzeln, ihre „Methoden“ (welche das genau sind, wird nie wirklich klar) stellen sie trotz dieses Dramas aber nie in Zweifel. Die potenziell gefährdeten Kids benehmen sich weiterhin wie in einem Ferienlager und der schwarze Koch lädt sogar seinen halbüchsigen Enkel Reggie (Shavar Ross) dazu ein, seine Ferien mit den Durchgeknallten zu verbringen (was der seltsamerweise keineswegs widerwillig, sondern im Gegenteil voller Enthusiasmus tut). Aber die ersten vier Teile und ihr desillusioniertes Bild von Jugend im Hinterkopf macht diese Darstellung der Dinge natürlich Sinn. Steinmanns Szenario ist eine gleichnishafte Pointierung all dieser Ideen: Die Jugend ist eine Zeit des inneren Tumults, in der selbst gut ausgebildete Erwachsene keine Hilfe bieten können, die Hormone sprießen wie Unkraut, aber es gibt kaum Gelegenheit zum Triebabbau. Und wenn doch, muss man entweder mit Sanktionen oder aber dem moralischen Zeigefinger irgendwelcher bigotten Spießer rechnen. Das Leben ist buchstäblich ein Tollhaus für diese Kids.

Mit FRIDAY THE 13TH: A NEW BEGINNING wird die Schwelle zur grellen Komödie, auf der vorherige Beiträge immer schon besoffen entlangtorkelten, endgültig überschritten. Die wie in einer bunten Nummernrevue aneinander geklatschten Morde sind an Selbstzweckhaftigkeit kaum noch zu übertreffen, ein gutes halbes Dutzend unterentwickelter Figuren wird zu dem einzigen Zweck eingeführt, den Body Count in die Höhe zu treiben. Mit Spannung hat der Film rein gar nichts mehr am Hut, dafür aber umso mehr mit eigenwilligem, überdrehtem Humor. Eine Eintopf kochende Backwood-Mama und ihr beschränkter Sohn fungieren als Zerrbild vermeintlich uramerikanischer Werte, ein Sanitäter zieht sich eine Linie Koks, während er auf sein Date wartet, natürlich eine dummbratzige Kellnerin. Dem Bürgermeister ist die fortschrittliche Klinik ein Dorn im Auge, weil er der Meinung ist, die Kids bräuchten nicht mehr Freiraum, sondern eine noch stärkere Hand, und die verdreckten Rednecks setzen ihn in einem fort unter Druck. Jede Figur ist ein grobschlächtiges Klischee, das man sofort einordnen kann. Nur Tommy bleibt ein Mysterium: Er steht ständig auf der Kippe und wahrscheinlich hätte der Film sogar erheblich davon profitiert, wenn er mit den Vermutungen, die er bedient, Ernst gemacht und Tommy tatsächlich das Erbe Jasons hätte antreten lassen. So gibt es eine ziemlich doofe Schlussenthüllung und ein Shock Ending, das die Uhr einen Teil zurückdreht und erneut mit einem böse guckenden Tommy schließt. So ganz ablegen kann ich die Enttäuschung über die vertane Chance nicht, dennoch finde ich, dass FRIDAY THE 13TH: A NEW BEGINNING besser ist als sein mieser Ruf. Zu diesem späten Zeitpunkt müsste die Reihe eigentlich längst auf Autopilot laufen. Aber so einfach hat es sich Steinmann dann doch nicht gemacht, was ich sehr honorabel finde.

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Kommentare
  1. Marcos sagt:

    Der is ja mein (geheimer) Liebling. Der „Halloween 3“ der „Freitag-Reihe“.

    • Oliver sagt:

      Ja, die FRIDAY-Reihe hat es ganz entgegen ihres Rufes geschafft, im Verlauf ihrer 10 Teile erstaunlich viele Seltsamkeiten unterzubringen: Den ersten Teil, der ganz ohne den „Helden“ auskommt, den dritten, der kaum etwas mit dem Rest zu tun hat, den fünften, der was ganz anderes macht, und den sechsten, der fast ein Spoof ist.

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