jason lives: friday the 13th part VI (tom mcloughlin, usa 1986)

Veröffentlicht: Mai 28, 2015 in Film
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friday-the-13th-6Die „Mission“, die Tom McLoughlin als Autor und Regisseur von Teil 6 angetreten war, lässt sich wie folgt umreißen: 1) Er musste die vom Jason-losen Vorgänger enttäuschten Fans mit einer besonders ausgedehnten Rolle ihres Idols und einer porentief reinen Umsetzung des Stalk ‚N‘ Slash-Prinzips besänftigen. 2) Damit dies gelänge, musste er Jason zu einer echten Onscreen-Präsenz verhelfen, ihn zu einem nicht mehr nur heimlichen Protagonisten und Helden machen, anstatt ihn nur ab und zu durchs Bild huschen zu lassen. 3) Ferner hatte er das damit einhergehende „Spannungsproblem“ zu lösen: Da Anwesenheit und Identität des Killers nicht mehr mit Suspense einhergingen, musste er etwas finden, das einen adäquaten Ersatz darstellte. Das Ergebnis: JASON LIVES: FRIDAY THE 13TH PART VI ist ein actionlastiger Spoof geworden, in dem Jason fast mehr Screentime hat als sein menschlicher Gegner Tommy (Thom Mathews) und seine Morde nicht mehr Anlass für Schock und Schrecken sind, sondern für Gelächter und Szenenapplaus.

Der in FRIDAY THE 13TH: A NEW BEGINNING bereits zum zweiten Mal nach FRIDAY THE 13TH: THE FINAL CHAPTER angestoßene Kniff, Tommy zum Erben Jasons zu machen, wird mit JASON LIVES dann auch zum zweiten Mal verworfen. McLoughlin variiert zunächst die Eröffnungsszene des Vorgängers: Damals träumte Tommy, wie zwei Rowdies Jasons Grab öffnen und ihn so zum Leben erwecken, nun begeht er höchstselbst diesen Fehler: History repeats itself, das weiß man spätestens aus den FRIDAY THE 13TH-Filmen. Ein Blitz versorgt den faulenden Killer mit neuer Lebensenergie und fortan prescht er durch den Wald, wo das ehemalige Camp Crystal Lake unter dem Namen „Camp Forest Green“ seiner Neueröffnung entgegensehnt. Tommy versucht den Sheriff (David Kagen) zu warnen, wird jedoch im Stile eines Hitchcock-Helden nicht für voll genommen, sondern kurz entschlossen eingeknastet, bis ihm die fesche Megan (Jennifer Cooke), die Tochter des Gesetzeshüters, aus der Patsche hilft. Am Ende eines ausgedehnten Gemetzels wird der Klller im Crystal Lake versenkt, wo er auf Teil 7 wartet.

Nach der atmosphärischen Auftaktsequenz um Jasons Wiedererweckung (Teil 6 ist das erste Sequel, das auf eine Best-of-Compilation zu Beginn verzichtet) stellt eine kleine James-Bond-Hommage die Weichen: Wie der Superagent läuft Jasons von rechts nach links ins Bild und wirft ein Beil Richtung Zuschauer, woraufhin sich aus dem sprudelnden Blut der Titel herausschält. Im weiteren Verlauf wundert sich ein besoffener Totengräber beim Anblick von Jasons offenem Grab darüber, was manche Menschen für „Entertainment“ halten, wird eine Gruppe trotteliger Weekend-Warriors beim Gotchaspielen hinweggerafft (darunter auch ein Woody-Allen-Lookalike), liest ein kleines Mädchen im Ferienlager Sartres „No Exit“, sind die zahlreichen Morde übertriebener und comichafter, der Film insgesamt poppiger und viel, viel sauberer als alle Teile zuvor. Es gibt durchaus ein paar hübsche Einfälle: Dass Kinder anwesend sind, schafft eine gewisse Fallhöhe, doch verhält sich Jason ihnen gegenüber eher wie ein Schutzgeist. Seine wahren Feinde sind die Counsellors, die ihn einst absaufen ließen. Eine tolle Aufnahme zeigt den stoischen Mörder nach getaner Arbeit sein Werk betrachtend auf dem Wrack eines umgestürzten, noch dampfenden Wohnmobils. Und mit dem Duell zwischen Tommy und seiner Nemesis mitten auf dem See schlägt McLoughlin sehr schön den Bogen zum Ursprung der Reihe. Wie der Film überhaupt durchweg sauber inszeniert und überaus effektvoll fotografiert ist. Doch all das täuscht nicht darüber hinweg, dass JASON LIVES: FRIDAY THE 13TH Part VI als Horrorfilm auf ganzer Linie versagt. Die Omnipräsenz Jasons raubt der Figur jegliches Mysterium, seine Opfer sind nur darauf angelegt, von ihm umgebracht zu werden, alle existenzielle Schwere ist aus dem Film gesaugt. Zur Ehrenrettung McLoughlins muss man sagen, dass sein Vorhaben grundsätzlich auf richtigen Beobachtungen fußt: Die Geschichte um den Killer war spätestens nach dem vierten Teil auserzählt, wahrscheinlich sogar früher, und das, was die Kids in die Kinos lockte, waren eben die kreativen Morde und der Hüne mit der Eishockeymaske. Aus diesen Zutaten ließ sich anno 1986 nur noch sehr bedingt ein waschechter Horrorfilm machen, der Wandel zum spaßigen Comicvehikel mit Jason als Helden war mehr als naheliegend. Besser macht das diesen sechsten Teil aber trotzdem nicht: Einem gesichtslosen, stummen Killer dabei zuzusehen, wie er völlig egale, eindimensionale Pappkameraden in Slapstickmanier um die Ecke bringt, ist nur bedingt unterhaltsam. Früher mochte ich den Film ganz gern, heute würde ich sagen, dass er von allen FRIDAY THE 13TH-Teilen am schlechtesten gealtert ist.

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Kommentare
  1. Marcos sagt:

    Für mich das absolute Highlight der Reihe.

  2. Funxton sagt:

    Ich halte es da mit Marcos. Allerdings spielt da ganz klar mit hinein, dass ich zu Pt. VI eine beinahe schon „familiäre“ Bindung habe (erster um mit Abstand am meisten gesehener „F.T.13th“ etc.pp.). Dennoch sind deine Anmerkungen kaum von der Hand zu weisen. Ich nehme den Film mittlerweile primär als ganz klar parodistisch konnotierten, tatsächlich komödiantischen „Meta-Slasher“ wahr, der z.B. „Scream“ mit wesentlich subtilerer Selbstrefenzialisierung vorwegnimmt. Dass dieser Ansatz dem ursprünglichen „Friday“-Konzept zuwiderläuft, mag man verwerflich finden; mir gefällt’s 🙂

    • Oliver sagt:

      Meine Negativkritik sollte auch nicht als Verriss verstanden werden. McLoughlin hat ein paar schöne Ideen, die sich aber für mich bei den letzten Sichtungen nicht mehr richtig aufaddiert haben. Ich schätze, ich mag die stumpfen FRIDAYS am liebsten. Bin da halt doch Prolet. 🙂

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