friday the 13th part vlll: jason takes manhattan (rob hedden, usa 1989)

Veröffentlicht: Mai 29, 2015 in Film
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Es hat ein paar Jahre gedauert, aber mittlerweile gehört dieser achte Teil zu meinen absoluten Lieblingen der Reihe. Nach der Erstsichtung ging es mir indes wie den meisten damals, als der Film in den Kinos startete und überwiegend Enttäuschung sowie eine damals wie eine halbe Ewigkeit anmutende, vierjährige selbstverordnete Zwangspause nach sich zog (dabei war der Film keineswegs, wie ich gedacht hatte, ein großer finanzieller Flop). Von der Idee, dass der Killer mit der Hockeymaske die Straßen des Big Apple unsicher machte, hatte man sich irgendwie mehr versprochen. Es dauert eine gute Stunde, bis Jason New York erreicht und selbst dann spielt der Film überwiegend in anonymen Seitenstraßen und Hinterhöfen, die sich wahrscheinlich auch in Boise, Idaho finden. Anstatt den Underdog Jason endgültig auf den popkulturellen Olymp zu hieven, ihn Manhattan erobern zu lassen, wie im Titel größenwahnsinnig behauptet, akzentuierte der von Regiedebütant Rob Hedden inszenierte Film vielmehr die tiefe Verwurzelung des Franchises in der untersten Schublade des Genrefilm-Makings. Daran konnte auch noch so viel oberflächliche Kosmetik nichts ändern. Wenn man aber die Enttäuschung über die verpasste Gelegenheit überwindet, wenn man sich damit abfindet, dass auch dieser Teil der Serie nichts anderes macht, als das „bewährte“ Programm vor etwas modifizierter, urbaner statt ruraler Kulisse abzuspulen und die kaum noch zu leugnenden Ermüdungserscheinungen durch großzügig verabreichte, immer greller strahlende Dummheiten zu überspielen, dann kann man mit JASON TAKES MANHATTAN sehr, sehr glücklich werden. Der einzige echte Wermutstropfen sind wieder einmal die schon vorab heftig gekürzten Morde (man darf mit einiger Berechtigung behaupten, dass die Zensoren der eindeutig effektivere Slasher sind). Da Heddens Film in erster Linie aber sowieso als depperte Komödie funktioniert und mit echtem Horror nur noch ganz am Rande zu tun hat, lässt sich dieses Manko sehr gut verschmerzen.

Für zwei Drittel seiner mit knapp 100 Minuten etwas zu üppig bemessenen Laufzeit spielt JASON TAKES MANHATTAN an Bord eines Schiffes, das einige Highschool-Graduates für die Abschlussfestlichkeiten von Crystal Lake nach New York bringen soll. Unter den Schülern befinden sich wieder einige Vollhonks, die die Gehirnamputierten aus Buechlers siebtem Teil wie Nobelpreisträger erscheinen lassen. Die Protagonistin ist die angehende Schriftstellerin Rennie (Jensen Daggett). Von ihrer mütterlichen Lehrerin erhält sie als Geschenk den Füllfederhalter, mit dem Stephen King angeblich in seiner Studienzeit geschrieben hatte. Sie leidet unter ihrem Onkel, Vormund und Schuldirektor Charles McCulloch (Peter Mark Richman), der ihr auch ein handfestes Trauma verpasste. In einer Rückblende sieht man, wie er ihr das Schwimmen beibrachte, indem er sie in den Crystal Lake stieß und ihr sagte, sie müsse vor Jason entkommen. Way to go! Seitdem wird sie von Visionen des kleinen ertrinkenden Jungen gequält. Ihr zur Seite steht der Langweiler Sean (Scott Reeves), der wiederum unter seinem Papa, dem Schiffskapitän zu leiden hat: Der würde so gern, dass sein Sohn in seine Fußstapfen tritt, aber der weiß noch nicht einmal, dass man vor der Abfahrt mit dem Nebelhorn tuten muss. Was für ein erbärmlicher Versager aber auch! Die anderen Schüler stehen diesen „Helden“ in nichts nach: Da ist der nerdige Wayne, der die ganze Zeit mit einer Videokamera rumläuft und von einer Regiekarriere träumt. Er übernimmt auch die vakante Rolle der schüchternen Jungfrau, die sich ausgerechnet in die intrigante Quotenschlampe verguckt hat. Dann gibt es noch die Rockerin J. J., die sich von Wayne beim Gitarrenposing zu generischem Eighties-Hardrock filmen lässt und von der „Concert Hall Acoustic“ im Maschinenraum schwärmt – fo‘ shizzle my nizzle. Es gibt einen schwarzen Supersportler, der Jason später zum Boxkampf herausfordert, und besagte Schlampe, die die brave Asiatin zum Koksen verführt, und den Direktor mit einer anzüglichen Videoaufnahme erpresst. Aber es ist jener Direktor, der den nachhaltigsten Eindruck hinterlässt: Von Heddens Drehbuch ohne jede Zurückhaltung zum autoritären, dabei verklemmten und scheinheiligen Oberarsch stilisiert, kommt ihm die Aufgabe zu, sich in wirklich jeder Situation vollkommen widersinnig zu verhalten, um die sich anbahnende Katastrophe noch zu vergrößern. Als der Film endlich in Manhattan ankommt, sind auch dank seiner Initiative nur noch fünf Menschen am Leben. (Bei der ANkunft beschwert er sich als erstes über die für nicht adäquat befundene Anlegestelle.)

Tja, und dann beginnt also Jasons „Eroberung“. FRIDAY THE 13TH PART VIII: JASON TAKES MANHATTAN stammt sichtbar noch aus einer Zeit, als New York den Ruf einer Verbrechenshauptstadt genoss, man die Stadt – nicht zuletzt geprägt durch Kinofilme – als brodelndes, heruntergekommenes und verdrecktes Loch visualisierte, in dessen dampfenden Gossen Drogenabhängige, Killer, Obdachlose und anderes Gesocks nur darauf warteten, einen arglosen Touristen, der sich unvorsichtigerweise von den hell beleuchteten Straßen entfernt hatte, umzubringen und all seiner Habseligkeiten zu berauben. Der Film beginnt schon mit einigen rührenden New-York-Impressionen (von einem rätselhaften Voice-over-Narrator unterlegt), die auch aus einem Selbstjustizfilm stammen könnten und einem Paul Kersey ganz sicher die Halsschlagader anschwellen ließen. Das gezeigte Bild bestätigt sich dann später, wenn die brave Rennie von zwei Punks verschleppt und sogleich mit Heroin vollgepumpt wird, weil sie sich dann besser vergewaltigen lässt. Zum Glück kommt Jason rechtzeitig vorbei und erledigt die Schurken. Die Tagline von Heddens Film begreift Jason als neues, zusätzliches Problem einer Stadt, die mehr als beide Hände voll damit zu tun hat, ihre bestehenden Problemfälle zu beseitigen, aber so weit kommt es eigentlich nicht. Die Szene mit Jason auf dem Times Square suggeriert gar, dass der maskierte Mordbube in der Metropole gar nicht wirklich auffiele und am Ende des Tages fallen die paar Nachtschattengewächse, die er entsorgt, tatsächlich kaum ins Gewicht. Hedden gestand Jahre später in einem Audiokommentar, dass sein Film mehr Szenen in Manhattan gebraucht hätte, aber meines Erachtens ist der größte Fehler des Films, dass nicht klar herausgearbeitet wird, was Jasons Anwesenheit dort eigentlich bedeuten soll. Ist er die Verkörperung des „Bösen“, das dort wütet oder stellt er es noch in den Schatten? Das Finale, in dem er vom Giftmüll in der Kanalisation überspült wird, sagt etwas ganz anderes, beendet den Film gar auf einer beinahe tragischen Note, die Heddens Clusterfuck von einem Film endgültig die Krone aufsetzt. Hier ist alles drin, was nicht zusammenpasst. Ein Film, der wunderbar belegt, warum es 1989 endlich Zeit für ein neues Jahrzehnt war. Das FRIDAY THE 13TH-Franchise zog indessen die falschen Schlüsse aus der Lehrstunde und kehrte nach der erwähnten Pause mit einem zwar besser aussehenden, dafür aber noch konfuseren, noch fehlgeleiteteren Film zurück, von dem ich als nächstes berichte werde.

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Kommentare
  1. Marcos sagt:

    Wenn’s erlaubt ist, was zum Thema New York und Gefährlichkeit zur Entstehungszeit des Filmes: 2000 – 2500 Morde pro Jahr gab es in den 1980ern in New York (zum Vergleich: in Deutschland gibt es im ganzen Land 350 – 400 pro Jahr). Heute liegt die Mordrate in New York bei ca. 300 pro Jahr. Der niedrigste Stand seit Beginn der Datenerhebungen.

    • Oliver sagt:

      Ja, da haben die Aufräumaktionen unter Giuliani ihre Wirkung nicht verfehlt. Heute sieht New York aus wie eine Freiluft-Shopping-Mall für Touristen. Gut einerseits, aber auch ein bisschen traurig.

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