jason x (james isaac, usa 2001)

Veröffentlicht: Juni 1, 2015 in Film
Schlagwörter:, , , , , ,

JASON X wird immer einen Platz in meinem kleinen, schwarzen Herzen einnehmen. Ihn damals auf dem Fantasy Filmfest zu erleben, auf großer Leinwand, als Teil eines Publikums, für das der Film gewissermaßen gemacht war, war sicherlich der ideale Auftakt für eine lebenslange Liebesbeziehung. Dass damals eigentlich nicht mehr unbedingt mit einem neuen FRIDAY THE 13TH-Film zu rechnen war, trug zum Erfolg gewiss bei: Das letzte Sequel, JASON GOES TO HELL: THE FINAL FRIDAY, lag fast zehn Jahre zurück, und hatte sich durch ein gespaltenes Verhältnis zum eigenen Erbe ausgezeichnet, der immer wieder angeteaserte FREDDY VS. JASON schien noch weit davon entfernt, Realität zu werden. Als sich der Vorhang des Kölner Residenz-Kinos dann für JASON X öffnete, war das wie ein Traum, wahrgewordene Jungsfantasie. Unter den Voraussetzungen war es fast egal, wie der eigentlich Film tatsächlich ausfiel: Dass James THE HORROR SHOW Isaac jedoch genau den Partyfilm vorlegte, den ich mir insgeheim erhofft hatte (echten Horror erwartete ich angesichts der Jason-in-Space-Geschichte natürlich nicht), machte alle Relativierungen unnötig. 15 Jahre später von der Konserve im heimischen Wohnzimmer betrachtet, verliert JASON X naturgemäß viel von seinem damaligen Charme. Die CGI-Effekte und der allgemeine Look des Filmes sind nicht gut gealtert, das mit selbstreferenziellem Humor angereicherte Stalk’n’Slash ist über 85 Minuten etwas ermüdend, das ganze Projekt kein Stück auf Nachaltigkeit, sondern ausschließlich auf unmittelbar wirkende Schlüsselreize hin inszeniert. Aber das konnte man über die neun Vorgänger im Grunde genommen auch sagen und JASON X ist wahrscheinlich das beste Sequel, das man 21 Jahre nach dem ersten Teil und lang nach dem Überschreiten des Verfallsdatums der Reihe überhaupt machen konnte. Es gibt einige tolle Einfälle, die die ganze Absurdität des Franchises und die groteske Unverwüstlichkeit der Figur aufs Korn nehmen und ziemlich genau das einfangen, was Fans für „ihren“ Jason einnimmt: Die Idee mit dem bunkerähnlichen „Camp Crystal Lake Research Center“, in dem Wissenschaft und Militär Forschungen an dem Koloss vornehmen, ist so eine, der Gastauftritt von David Cronenberg als diabolischem Militärwissenschaftler, der seine Beratungsresistenz mit dem Leben bezahlt, eine weitere. Später wird eine Untersuchung des tiefgefrorenen und im Jahr 2455 aufgetauten Killers die Frage aufwerfen, wie jemand mit einem so kleinen Gehirn überhaupt funktionieren kann – eine Frage, die sich Dutzende von Jason-Opfern in schicksalhafter Verkennung der Tatsachen natürlich niemals selbst gestellt haben. Als Jason von einem Cyborg in Fetzen geschossen wird, wird er dank der therapeutischen Tätigkeit von Superameisen zum „Uber-Jason“ mit chromglänzendem Exoskelett, und eine wunderbare Hommage an die ersten Teile der Reihe konfrontiert ihn mit einer Holografie vom Camp Crystal Lake anno 1980, wo der Kraftprotz sogleich von zwei virtuellen Bikinimiezen zum Kiffen und vorehelichem Sex eingeladen wird, mit erwartbarem Ergebnis. Am lustigsten finde ich aber persönlich, dass sich die Menschen in rund 450 Jahren potenzieller Evolution rein gar nicht weiterentwickelt haben: Die Studenten an Bord des Raumschiffs, auf dem Jason sein blutiges Werk fortsetzt, sind genau so rotzblöd wie ihre Vorfahren, haben nur Gefummel und Sex im Kopf, und werden dann erwartungsgemäß Opfer des tödlichen coitus interruptus. Am Ende bringt der Klappskalli vom Crystal Lake eine ganze Raumstation zur Explosion, bevor er als machetenbewehrter Asteroid durchs All treibt, darauf wartend, dass er irgendwo einschlagen kann, am besten natürlich in einem Studentenwohnheim mit dummdreisten Teeniebratzen.

Advertisements
Kommentare

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s