jaws 3-d (joe alves, usa 1983)

Veröffentlicht: Juni 19, 2015 in Film
Schlagwörter:, , , , ,

Das JAWS-Franchise, das Spielberg nur acht Jahre zuvor mit seinem Masterpiece JAWS aus der Taufe gehoben hatte, konkurrierte 1983 plötzlich mit fragwürdigen Titeln wie FRIDAY THE 13TH PART III oder AMITYVILLE 3-D um die Krone des 3D-Films des Jahres – und fuhr eine saftige Niederlage ein: Deutlicher lässt sich der innerhalb von nur zwei Sequels erlittene Niveau- und Prestigeverlust kaum illustrieren. Vielleicht war der ursprüngliche Plan, eine Selbstparodie unter dem kongenialen Titel JAWS 3 PEOPLE 0, für die Joe Dante als Regisseur vorgesehen war, doch die bessere Alternative gewesen: Zahnloser als die erste und letzte Regiearbeit des vorigen Second-Unit-Regisseurs Joe Alves hätte auch die nicht sein können. JAWS 3-D ist, man muss das so deutlich sagen, eine Vollkatastrophe, aber ohne den bizarren Charme, der eine solche im Idealfall auszeichnet.

Die Prämisse, die einen rachsüchtigen Weißen Hai im visionären Wasservergnügungspark Sea World wüten lässt, wo Michael Brody (Dennis Quaid) in verantwortlicher Position arbeitet, sollte eigentlich ausreichend Anlass für effektträchtige shark mayhem und weggebissene Touris bieten, stattdessen produziert der Film ausschließlich jede Menge biederer Langeweile auf technisch unterdurchschnittlichem Niveau. Die miserablen, zudem einfallslosen und redundanten visuellen Effekte, die JAWS 3-D streckenweise wie einen Kinderfilm aussehen lassen, und der inexistente Body Count – wenn ich mich recht entsinne, sterben ganze zwei Menschen – lassen das vollmundige Versprechen einer „dritten Dimension des Terrors“ als zynischen Marketingschwindel erscheinen: Keine Spur von der atemlosen Spannung, die Spielberg einst evozierte, oder dem immerhin kurzweiligen Achterbahnthrill von Szwarcs Sequel. Stattdessen muss sich der Zuschauer mit den Beziehungs- und Karriereproblemen von Michael und Delphintrainerin Kathryn (Bess Armstrong) sowie dem Balzverhalten von Brüderchen Sean (John Putch) und Wasserskiläuferin Kelly Ann (Lea Thompson) herumschlagen und bekommt reichlich Promomaterial des real existierenden Park zu sehen, inklusive putziger Delphin-Kunststückchen, das den Film in die Nähe eines debilen Disney-Famiienvehikels rückt.

Etwas Stimmung kommt lediglich auf, wenn Louis Gossett jr. als profitgeiler Parkchef Bouchard oder Simon MacCorkindale als britischer Abenteurer FitzRoyce auftreten oder der hüftsteife Hai via steinzeitlicher Rückprojektionstechnik durch die naiven Unterwassersettings schwimmt, aber weil man sich dafür durch bergeweise ödes Füllmaterial kämpfen muss und die Belohnung im Vergleich zu „richtigen“ Filmen äußerst mager ausfällt, lohnt sich die Mühe kaum. Das beste an JAWS 3-D, den ich im Laufe der drei über die letzten 25 Jahre verteilten Sichtungen tatsächlich jedesmal noch ein Stückchen mieser fand, ist der kurze Blick auf eine übel zugerichtete Leiche, der ein Glibberfisch aus dem Mund glitscht. Ansonsten kann ich den Film wirklich nur solchen Menschen empfehlen, die ein Faible für schlecht ausgeleuchtete Unterwasserszenen und blutarmen Horror haben und sich außerdem fragen, wie wohl eine Folge von „Gute Zeiten, schlechte Zeiten“ mit Haibezug aussehen könnte. Wenn ich es mir recht überlege, würde JAWS 3-D aber selbst die wahrscheinlich noch enttäuschen. Einen Schurken vom Kaliber eines Jo Gerner sucht man in Alves‘ Film nämlich leider vergebens.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s