the blob (irvin s. yeaworth, jr., usa 1958)

Veröffentlicht: Juni 22, 2015 in Film
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Nach THE MAGNIFICENT SEVEN noch einmal ein kurzer Sprung zurück ins Jahr 1958 und in eine Zeit, in der der 28-jährige Steve McQueen händeringend und meist erfolglos versuchte, als Schauspieler Fuß zu fassen. THE BLOB gilt heute als seine Leiche im Keller und er akzeptierte die Hauptrolle nur, weil er die 3.000 Dollar Gage gut gebrauchen konnte (er lebte damals weitestgehend auf Kosten seiner ersten Ehefrau Neile Adams, einer erfolgreichen Sängerin und Tänzerin, was dem Macho gar nicht gefiel) und glaubte, dass den kruden Exploiter um einen gefräßigen Wackelpudding aus dem All eh niemand sehen würde. Das Angebot einer Umsatzbeteiligung schlug er demzufolge aus: Welchen Gewinn sollte der Film schon machen?  THE BLOB mauserte sich dann wider Erwarten zum Überraschungshit, spielte sage und schreibe 4 Millionen Dollar ein und hätte McQueen auf Jahre hinaus saniert. Eine Lektion, deren Folgerung er später beherzigen würde: Das wirklich große Geld liegt stets in der Prozentbeteiligung.

Zum Film selbst habe ich nicht irrsinnig viel zu sagen. Er ist unterdurchschnittlich inszeniert und vor allem gespielt, rettet sich  letztlich über die Zeit, weil seine Titelkreatur so einprägsam und die entsprechenden Set Pieces gelungen sind. So gut immerhin, das Chuck Russell für sein wunderbares 1988er-Remake kaum etwas veränderte: Vom Auftakt mit dem alten Zausel und der Glibberhand über die Fortsetzung beim Arzt bis hin zur Kinobelagerung sowie der Suspense steigernden Maßnahme, den jugendlichen Protagonisten gegen erwachsene Vorurteile und den Unglauben der Autoritäten ankämpfen zu müssen hält, sich Russell sehr eng an Yeaworths Original, legt lediglich bei den Effekten ein Schippe drauf. Die sind tatsächlich aber auch schon in der alten Version ganz ansehnlich, wenn auch erwartungsgemäß längst nicht so spektakulär und einfallsreich wie 30 Jahre später.

Von den in den Fünfzigerjahren immens populären Monster- und Invasionsfilmen hebt sich THE BLOB zum einen durch den Einsatz von Farbe ab, zum anderen durch den Verzicht auf jedes pseudowissenschaftliche Gewäsch und den vorgeschobenen Bezug auf reale Ängste. Der Blob ist keine Vorhut einer intelligenten Alienrasse, die die Menschheit bestrafen will, auch nicht das Ergebnis menschlicher Hybris oder dem risikoreichen Spiel mit den Atomen, sondern einfach der in der deutschen Fassung beschworene „Schrecken ohne Namen“. THE BLOB wirkt daher angenehm entspannt, was sich auch daran zeigt, dass Yeaworth zwischendurch, wenn er sich dem Miteinander der jugendlichen Helden widmet, beinahe zu vergessen scheint, was eigentlich auf dem Spiel steht. Ein putziges Filmchen, das trotz seiner offenkundigen Schwächen besser ist, als ich es erwartet hatte, aber heute natürlich trotzdem niemanden mehr um den Schlaf bringt. Und McQueen hat THE BLOB dann ja auch nicht geschadet.

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Kommentare
  1. Da könnten sie auch gleich „The Blobendables“ draus machen. Jackson scheint ja eh dabei, fehlen nur noch DeNiro, Cusack, Willis, Cage und Ving Rhames, die sich ja auch für nix mehr zu schade sind.

  2. Chrisch sagt:

    Was De Niro in der Aufzählung verloren hat, erschließt sich mir nicht. Das hört man des Öfteren, aber nach einem Blick in seine jüngste Filmographie wundert mich dieses „Gefühl“ vieler Leute, er spiele nur noch in miesen Filmen mit, ein wenig.

    Alleine in den letzten Jahren war er in durchaus interessanten Projekten wie EVERYBODY’S FINE, OHNE LIMIT, BEING FLYNN, SILVER LININGS oder KILLING SEASON zu sehen.

    Allesamt keine großen Würfe, aber ich habe das Gefühl, dass De Niro immer hauptsächlich an seinen Kooperationen mit Scorsese, Leone, Coppolla oder Cimino gemessen wird.

    Ich sehe nicht, dass Filme wie WIR SIND KEINE ENGEL, SCHULDIG BEI VERDACHT, BACKDRAFT, DIE NACHT VON SOHO oder THE FAN aus einer früheren Schaffensperiode De Niros qualitativ in einer anderen Liga spielen, als die von mir genannten.

    Und mit Nicolas Cage ist es auch so eine Sache. Ich bin mittlerweile nach jeder neuen Ankündigung äußerst gespannt auf das, was schlussendlich seinen Weg in mein Abspielgerät finden wird.

    Er schafft es mit Bravour sich seit geraumer Zeit auf einem Posten irgendwo zwischen genrelastigen DTV-Premieren und Mainstreamkino zu halten. Zwischendrin liefert er en passant dann sogar seine großartigste Performance seit Jahren ab. In JOE. Der noch dazu als Gesamtwerk durchaus ein großer Wurf ist.

    Die Ankündigungen interessanter und vielversprechender Projekte scheint bei Cage einfach nicht abzureißen. Demnächst steht USS INDIANAPOLIS an.

    Ich freue mich darauf, dass mir zukünftig beim Schauen von DER WEISSE HAI im Zuge der berühmten Erzählung Robert Shaws stets die Visage von Cage in Erinnerung gerufen wird.

    • Oliver sagt:

      Cage hast du ja jetzt ins Rennen geworfen. Den finde ich auch super und sein Spiel hat sich auch nicht die Bohne verändert. Er bekommt lediglich nicht mehr die „respektablen“ Filme angeboten. Bei De Niro sehe ich keinen Widerspruch. Das Gedöns aus den Neunzigern war ja auch schon in erster Linie Fließbandarbeit auf Autopilot. Räume gern ein, die von dir genannten Filme alle nicht gesehen zu haben. Habe auch nicht gesagt, dass er ausschließlich unerträglich ist oder nur noch bodenlose Kacke macht. Lediglich dass das, was er heute macht, wahrscheinlich eher weniger dazu angetan ist, Menschen zu Verehrern seines Spiels zu machen.

      Wenn ich das noch einwerfen darf: Deine Kritik finde ich etwas seltsam. Du behauptest, Al Pacino habe sich in den letzten Jahren aufs Chargieren verlegt und führst als Vergleichsgröße THE GODFATHER an. Ich führe De Niro ins Feld und ernte Unverständnis und den Hinweis, er würde ungerechtfertigterweise immer nur an seinen frühen Filmen gemessen. Fällt dir was auf?

  3. Chrisch sagt:

    Jetzt bin ich ein wenig verwirrt. Ich habe mich mit meinem Posting ausschließlich an Günter Asmuss gewandt.

    Dieser hatte ja Cage ins Rennen geworfen und nicht ich.

    Zu De Niro:
    Mir geht es darum, dass man vielerorts immer hört, dass es in seiner Filmographie eine Art Zäsur gab und er ab dann drastisch absackte. Diese Zäsur sehe ich nicht. Er macht halt heutzutage eher leichte Stoffe mit Hang zur Komödie. In seiner Filmographie gingen durchschnittliche Werke stets Hand in Hand mit großen Würfen.

    Und meine Analyse von Pacino wollte ich auch nicht auf diese Weise verstanden wissen. Chargieren klingt in meinen Ohren arg negativ.
    Ich schätze beide Formen seines Schauspiels sehr.

    Die einzige Kritik, die ich ins Feld führte war, dass der in DER PATE III porträtierte Michael nicht zu den vorigen passte und für mich kein stimmiges Gesamtbild ergab.

    • Oliver sagt:

      Oh sorry. Da habe ich wohl einen Kommentar übersehen. Geht ja hier zu wie auf dem Bahnhof. Und deinen Einwurf zu Pacino habe ich wohl missverstanden. Ich kann ihn mir heute (also in aktuellen Filmen) nicht mehr anschauen und finde ihn auch in einigen älteren Filmen mittlerweile problematisch.

  4. Chrisch sagt:

    „Das Gedöns aus den Neunzigern war ja auch schon in erster Linie Fließbandarbeit auf Autopilot.“

    Das kann ich nicht im Geringsten nachvollziehen, da es ein ungemein fruchtbares Jahrzehnt für De Niro war.

    KAP DER ANGST, IN DEN STRAßEN DER BRONX, FRANKENSTEIN, CASINO, HEAT, SLEEPERS, COP LAND, JACKIE BROWN, RONIN und der von mir sehr verehrte GROßE ERWARTUNGEN.

    Dergestalt viel Qualität können manche Darsteller nicht einmal mit Blick auf ihre gesamte Karriere vorweisen.

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