a nightmare on elm street part 2: freddy’s revenge (jack sholder, usa 1985)

Veröffentlicht: Juni 25, 2015 in Film
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Anlässlich meines Textes zu FRIDAY THE 13TH PART 2 hatte ich jüngst über die oft idiosynkratische Natur zweiter Teile gesprochen und dabei diesen Film explizit erwähnt: Jack Sholders Sequel zu Cravens A NIGHTMARE ON ELM STREET ist ein Paradebeispiel für meine These und gleich in doppelter Hinsicht seltsam. Nicht nur, weil er vom erst mit dem dritten Teil endgültig etablierten Muster der NIGHTMARE-Filme abweicht und seinen heimlichen Helden Freddy Krueger auf sehr eigene Art und Weise einsetzt, sondern auch, weil er einen Subtext aufweist, der mit dem Rest der Reihe rein gar nichts zu tun hat. A NIGHTMARE ON ELM STREET PART 2: FREDDY’S REVENGE ist ein Coming-Out-Film erster Güte und ein seltenes Beispiel für einen queeren Mainstream-Horrorfilm. Der Film ist tatsächlich so eindeutig schwul, dass der oben verwendete Begriff „Subtext“ kaum noch tragfähig ist und man sich außerdem über die geradezu rührende Ahnungslosigkeit von Regisseur Jack Sholder wundern muss, der angeblich der Meinung war, ein ganz normales Sequel zu inszenieren und an dem die mehr als eindeutigen Hinweise auf die unterdrückte Homosexualität von Protagonist Jesse (Mark Patton) völlig vorbeigingen. Der hingegen, selbst homosexuell, muss sich während der Dreharbeiten mehr als einmal auf die Zunge gebissen haben, waren ihm die Implikationen des Stoffes im Gegensatz zum Regisseur doch völlig klar.

A NIGHTMARE ON ELM STREET PART 2: FREDDY’S REVENGE widmet sich besagtem Teenager Jesse, der mit seiner Familie soeben in das Haus auf der Elm Street 1428 eingezogen ist, in dem Nancy Thompson im ersten Teil von dem Traumdämon Freddy Krueger bedrängt worden war. Es dauert nicht lange, da wird er von Albträumen heimgesucht: Doch Freddy will ihn nicht etwa umbringen, sondern Besitz von seinem Körper ergreifen, um so Zugang zur Wirklichkeit zu erhalten. Im Rahmen der Serie macht Kruegers Plan nicht den geringsten Sinn: Warum sollte Krueger Zugang zur Realität haben wollen, wenn er seinem blutigen Treiben im Vorgänger doch sehr effektiv und zudem völlig ungefährdet in den Träumen der Teenager nachgehen konnte? Auf die blutig-fantasievollen Traum-Morde, die in Chuck Russells drittem Teil zu Kruegers bevorzugtem M.O. und zum Erfolgsgeheimnis der Reihe werden sollten, wartet man hier noch vergebens, stattdessen greift Sholder Motive des Spukhausfilms auf, wenn Jesses Familie von unerklärlicher Hitze geplagt wird oder sich ihre Vögel plötzlich von selbst entzünden. Man merkt, dass den Autoren noch nicht ganz klar war, was die Zuschauer an Cravens Film und an Freddy Krueger eigentlich begeistert hatte: FREDDY’S REVENGE ist eine Sackgasse, aber eine, die es sich zu besuchen lohnt.

Der Traumdämon Krueger wird hier zur Metapher nicht für verdrängte Schuld, sondern für die unterdrückte Homosexualität Jesses. Gleich zu Beginn wird er von zwei Mädchen im Schulbus verlacht, dann kabbelt er sich mit seinem Kumpel Grady (Robert Rusler) beim Schulsport. Beim Einräumen seines Zimmers tanzt er zu quietschigen Eighties-Pop wie ein Chippendale, wenn ihn Krueger erschreckt, kreischt er hingegen wie ein Mädchen in der Geisterbahn. Eines Nachts, als er wieder einmal schweißgebadet aufwacht, verschlägt es ihn in den Sadomasoschuppen, den sein fieser Sportlehrer zu frequentieren pflegt. Der packt sich den Jungen sogleich, zwingt ihn zum nächtlichen Sport und will ihn dann in der Dusche züchtigen, als ihm Freddy zuvorkommt und ihm mit nassen Handtüchern in Großaufnahme den nackten Arsch versohlt. Später gelingt es der schönen Lisa (Kim Myers) endlich, den widerspenstigen Jesse auf die Matte zu zerren, doch bevor der Nägel mit Köpfen machen kann, kommt ihm erneut Freddy dazwischen. Was tut der arme Jesse: Er klettert ins Schlafzimmer seines Kumpels Grady und bittet diesen, auf ihn aufzupassen. Am Schluss ist es die Liebe Lisas, die den Dämon bezwingt und Jesse zumindest vorerst in den Hafen der Heterosexualität führt. Dass Jesses ziemlich eindeutigen Probleme damit keineswegs gelöst sind, deutet das Shock Ending mehr als nur an.

Als NIGHTMARE-Film ist Sholders zweiter Teil eher mäßig gelungen, was ihn aber paradoxerweise auch zum wahrscheinlich interessantesten Teil der Reihe und zu einem der bizarrsten Mainstream-Horrorfilme der Achtzigerjahre macht. Wie dieser Film in dieser Form entstehen konnte, angeblich ohne jede Absicht und Einsicht in das, was sich da für jeden denkenden Menschen offensichtlich auf der Leinwand abspielt, ist mir ein Rätsel. Egal, ob A NIGHTMARE ON ELM STREET PART 2: FREDDY’S REVENGE nun auf eine Verkettung von Zufällen zurückzuführen ist oder auf einen cleveren Streich: Wir alle dürfen uns glücklich schätzen, dass es ihn gibt.

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Kommentare
  1. Marcos sagt:

    Auch ein Verdienst, den ich Craven anrechnen würde. Seine Grundidee hat kreativen Leuten ermöglicht, richtig freizudrehen.

  2. Marcos sagt:

    Bevor Teil 3 dann alles in die ILM-Schiene geprügelt hat.

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