a nightmare on elm street 4: the dream master (renny harlin, usa 1988)

Veröffentlicht: Juni 27, 2015 in Film
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A NIGHTMARE ON ELM STREET 4: THE DREAM MASTER war – soweit ich mich recht erinnere – so mit 13, 14 mein erster NIGHTMARE-Film und auch wenn die deutsche Verleihfassung leicht geschnitten war, war ich beeindruckt von den zahlreichen kreativen Make-up- und Spezialeffekten. Als Junge in diesem Alter musste man danach einfach zum Fan werden. Vor allem die Verwandlung der Sportlerin Debbie (Brooke Theiss) in eine Kakerlake hatte es mir angetan, aber eigentlich war es der schiere Überfluss an einprägsamen, bizarren und erschreckenden Bildern – der Junge im Wasserbett; die ausgesaugte Hülle der Asthmatikerin Sheila; die Pizza mit Menschenkopf-Belag; die Seelen in Freddys Brust –, der mich für den Film sofort einnahm. Jahre später war die einstige Faszination der Erkenntnis gewichen, dass das dritte Sequel eigentlich kaum mehr ist als eine bunte Nummernrevue, die mit ihrem Effektreichtum den dramaturgischen Mangel nur notdürftig zu kaschieren weiß. Heute muss ich auch dieses Urteil wieder revidieren bzw. relativieren: Zwar ist es richtig, dass die halbherzig eingeführte Idee des „Dream Masters“, einer Kraft, die es dem Träumenden ermöglicht, das Wesen seines Traums selbst zu bestimmen, kaum über eine Alibifunktion hinauskommt, aber die Nummernhaftigkeit des Films ist tatsächlich dazu geeignet, das Drama der Jugendlichen von Springwood deutlicher herauszuarbeiten als jeder Drehbucheinfall.

In Chuck Russells direktem Vorgänger kitzelte die Freddy-erfahrene Psychologin Nancy Thompson aus jedem der bedrohten Teenager eine besondere Traumfähigkeit heraus, eine Steigerung ihrer wahren Persona, mit der sie dem Dämon begegnen konnten. Die Traumwelt entpuppte sich als der einzige Raum, in dem die von ihren Eltern gegängelte und missverstandene Jugend sich noch entfalten konnte und den sie gegen die Infiltration durch das Böse verteidigen musste. Dieser Aspekt wird im vierten Teil konsequent ausgebaut: Jeder der jugendlichen Protagonisten wird über eine bestimmte Eigenschaft oder ein Hobby charakterisiert. Es gibt die hochintelligente Asthmatikerin, die Sportbegeisterte mit Käferphobie und den karatekämpfenden Scherzkeks. Doch ihre Hobbys sind hier eben auch nicht mehr dazu geeignet, ihnen Autonomie zu verschaffen oder sie gegen Krueger zu wappnen. Im Gegenteil wird jeder von ihnen durch sie klassifiziert, in eine Schublade gesteckt und mit einem am Ende tödlichen Etikett versehen: Es ist ihre Persönlichkeit, die so zu ihrer Achillesferse wird, die Krueger angreift. Die rigide Struktur von A NIGHTMARE ON ELM STREET 4: THE DREAM MASTER, der kaum noch Spontaneität kennt, sondern sklavisch seinem Programm ergeben ist, das er abspult wie eine fehlerlos arbeitende Maschine, verstärkt diesen Aspekt noch. Für die Jugendlichen in Springwood gibt es nur noch eines: den ihnen zugewiesenen Platz einzunehmen, ihre Funktion im Gefüge zu erfüllen und zu sterben.

Der vierte NIGHTMARE-Teil ist mithin ein idealtypischer Renny-Harlin-Film. Sein Werk zeichnet sich sehr oft durch eine Art maschineller Perfektion aus, die man negativ auch als „Seelenlosigkeit“ bezeichnen könnte, die m. E. aber eher als eine Art poststrukturalistischer Selbstreferenzialität durchgeht. Was A NIGHTMARE ON ELM STREET 4: THE DREAM MASTER auf inhaltlicher Ebene vermissen lässt, das erzählt er auf jener seiner formalen Struktur. Insofern hat sich der Kreis für mich wieder geschlossen: Ich halte seinen Beitrag zusammen mit Sholders zweitem Teil für den interessantesten der Reihe und seine vermeintliche Oberflächlichkeit für eine perfide Tarnkappe.

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Kommentare
  1. Mr. Majestyk sagt:

    Mein „Einstieg“ in die Reihe begann tatsächlich mit Teil 1, zusammen mit einigen Klassenkameraden. Wir hatten eine wahrscheinlich recht lausige Kopie ergattert, die wir in der Folgezeit aber regelmäßig geschaut haben.
    Aber „The Dream Master“ war der erste 18er den ich tatsächlich im Kino gesehen habe, auch wenn ich es mir im Rückblick kaum erklären kann, immerhin bin ich Jahrgang ’71.
    Meine letzte Sichtung liegt auch schon ca. 10 Jahre zurück, da gefiel mir Nr. 4 deutlich besser als Teil 2 oder 3, Nr. 5 & 6 habe ich mir damals geschenkt.
    Aber wie so oft, „es kann nur einen geben“. Als wirklich bedeutsam empfinde ich nur den ersten Teil, allerdings bin ich ohnehin kein allzugroßer Film von Filmreihen oder „Franchises“. Für mich muss nicht jede Geschichte auserzählt werden. Wobei ich zugeben muss, als Reihe funktioniert Nightmare meiner Meinung nach besser als Halloween, Freitag der 13, TCM oder gar Hellraiser.
    Nur eine weitere Fortsetzung ohne Robert Englund, die mag möglich sein, ist m.E. aber sinnlos.

    • Oliver sagt:

      Ich glaube auch nicht, dass ein weiteres Sequel „nötig“ ist. Ich wundere mich ob der weiterhin grassierenden Retromanie und der neuen tricktechnischen Möglichkeiten lediglich darüber, dass der Versuch bislang nicht unternommen wurde und glaube, dass da was drin wäre.

      Mir machen diese Reihen, gerade im Horrorbereich, Spaß. Das hat durchus was mit Sentimentalität und Nostalgie zu tun. Heutige, neue Reihen üben auf mich nicht denselben Reiz aus.

  2. Mr. Majestyk sagt:

    Ich habe keine Ahnung inwiefern das 2010er Remake erfolgreich war und wie dementsprechend die Marktchancen für weitere Fortsetzungen sind.
    Aber generell habe ich den Eindruck, dass zumindest im Horrorbereich die Welle ein wenig abebbt.
    Horrorfilme zielen ja generell eher auf ein jüngeres Publikum, machen die auf einem Smartphone denn überhaupt Sinn? 😉

    Den Spaß bei solchen Reihen will ich auch gar nicht absprechen. Aber speziell bei TCM und Halloween empfinde ich die ersten Teile als filmhistorisch relevant. Die Fortsetzungen dagegen eher weniger. Aber ob nun Halloween, Friday oder Nightmare, seltsamerweise endet der Spaß bei mir irgendwie immer nach dem jeweils vierten Teil. Zugegeben bei Friday fehlen mir danach auch einige.

    Neue Reihen fallen mir so viele gar nicht viele ein. Bei Saw bin ich schon beim zweiten Teil ausgestiegen. Bei Paranormal Activity kenne ich nur Nr. 1. den fand ich zwar nett, muss ich aber nicht nochmal haben und dieser ganze Found Footage Kram steht mir langsam ohnehin bis zum Hals. Ist Hostel eine Reihe? Da kenne ich aber auch nur Nr. 1 und 2.
    Ach ja REC. Kenne bislang nur den ersten Teil, den mag ich aber sogar sehr gerne.
    Einer der wenigen Horrorfilme der letzten Jahre den ich zweimal gesehen habe.

    Mich würde es übrigens gar nicht wundern, wenn wir den einen oder anderen Horrorrecken irgendwann wiedersehen, aber dann als Serie auf Netflix oder von AMC.
    Bei den ach so hippen Serienformaten gibt es ja neuerdings völlig neue Geschichten und Themen, die man vorher gar nicht kannte: Hannibal, From Dusk till Dawn, Fargo…..

    • Oliver sagt:

      Kann gut sein, dass das NIGHTMARE-Remake sämtliche möglicherweise bestehenden Ambitionen beerdigte. Keine Ahnung, wie der gelaufen ist, aber die Kritiken, die ich gelesen habe, waren alles andere als prall. Aber das gilt ja eigentlich für alle Horror-Remakes, die in den letzten zehn Jahren entstanden sind. Mir fällt da mit Ausnahme von TCM kein einziges ein, das irgendeine Wirkung hinterlassen hätte.

      Es liegt ahrsheinlich in der Natur der Sache, dass Fortsetzungen eher selten „filmhistorisch relevant“ sind und mit jeder neuen Installation „überflüssiger“ werden. Ich habe durchaus ein Faible für das Triviale und kann da ganz gut mit leben. Die neuen Reihen unterscheiden sich von den alten m. E. insofern, dass sie eher themen- als figurenzentriert sind. Die SAW-Reihe entspricht mit ihrem Jigsaw-Killer wahrscheinlich noch am ehesten dem alten Muster.

      • Mr. Majestyk sagt:

        So weit ich weiß war Snyders DAWN auch recht erfolgreich. Zog aber natürlich keine Fortsetzungen nach sich. Im Fahrwasser durfte dann aber Romero sein LAND OF THE DEAD sicher eine Nummer größer als gewöhnlich verwirklichen und ich könnte mir vorstellen den WALKING DEAD hat es bei der Realisierung auch nicht geschadet.
        Das eine oder andere ordentliche Remake gab es schon, das auch mir Spaß gemacht hat. Wirklich begeistert hat mich nur MANIAC. Das Original ist zwar rotziger und hat bei mir einen ganz besonderen Stellenwert, aber die neue Version muss sich nicht unbedingt verstecken und hat mich seinerzeit wirklich umgehauen.

      • Oliver sagt:

        Naja, es gibt ja auch noch den unterirdischen DAY OF THE DEAD von Steve Miner, der allerdings nicht wirklich ein Remake ist.

        Es gibt schon brauchbare Remakes, allerdings entspringen die nur selten der üblichen Rechteverwertungsbranche. Khalfouns MANIAC ist ja kein großer Studiofilm. Zombies HALLOWEEN-Filme würde ich auch positiv hervorheben wollen, auch wenn ich den zweiten seinerzeit gar nicht mochte. Ich dachte jetzt eher an so Sachen wie THE HITCHER, THE FOG, THE THING, THE OMEN, CARRIE, eben den NIGHTMARE-Film. Alles Sachen, die keinerlei Erbe hinterlassen haben.

  3. Mr. Majestyk sagt:

    Ach ja, den Film von Miner hatte ich zum Glück schon wieder vergessen.
    So richtig Remake ist Snyders Streifen ja auch nicht. Viel mehr als die Grundidee und die Location gibt es ja nicht an Gemeinsamkeiten. Eigentlich clever gemacht, so geht man dem direkten Vergleich aus dem Weg, den man eh selten gewinnen kann.

    Zombies zweiten Halloween habe ich neulich beim Ausverkauf meiner Videothek erstanden.
    Auch weil ich ihn verwechselt hatte und dachte Du hättest diesen Teil gut besprochen.
    Die Erinnerung kann manchmal trügen.
    Mensch, was habe ich innerlich geflucht, der schlechteste Film bei mir bislang dieses Jahr. 😉

    Was die weiteren von Dir genannten angeht, so was passiert, wenn man sich ganz einfach verhebt. Positiv fällt mir noch HILLS HAVE EYES ein. Und EVIL DEAD und CRAZIES waren zumindest kurzweilig und haben Spaß gemacht.

    Generell muss ich sagen, dass in den letzten Jahren die für mich interessanteren Horrorfilme oft aus Europa kamen (asiatisches Kino verfolge ich nur selten).
    Einer der wenigen amerikanischen Genrebeiträge die mir wirklich im Gedächnis geblieben sind war STAKE LAND von Jim Mickle.
    Ein wirklich schönes Remake, wenn auch von keinem alten Klassiker ist meiner Meinung nach LET ME IN.

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