napoli si ribella (michele massimo tarantini, italien 1977)

Veröffentlicht: Juli 5, 2015 in Film
Schlagwörter:, , , , , ,

napoli_si_ribella_luc_merenda_michele_massimo_tarantini_006_jpg_czfvIst NAPOLI SI RIBELLA nun ein Poliziesco zweiter oder bereits dritter Ordnung? Die dem cinema di denuncia entspringende Staats- und Gesellschaftskritik wird hier nicht nur zur bloßen Prämisse für ein reaktionäres Actionfeuerwerk reduziert, nein, Regisseur Michele Massimo Tarantini, eigentlich ein Komödienfachmann, geht noch einen Schritt weiter. Wird dem liberal eingestellten Zuschauer in den Filmen um die cholerischen Haudrauf-Polizisten eines Maurizio Merli immerhin noch die Möglichkeit zur ideologischen Reibung gegeben, wird alles agitatorische Potenzial in NAPOLI SI RIBELLA mit albernem Humor zur totalen Harmlosigkeit bagatellisiert. Die Geschichte um den Mailänder Cop Dario Mauri (Luc Merenda), der nach Neapel kommt und dort gleich in eine Mordserie gezogen wird, hinter der natürlich wieder einmal das organisierte Verbrechen steckt, erinnert sowohl an typische Buddy-Komödien – Mauri gerät sogleich mit seinem trotteligen Partner Nicola Capece (Enzo Cannavale) aneinander, der glaubt, dem „Nordlicht“ zeigen zu müssen, wie der Hase im Süden läuft – wie auch an sogenannte Fish-out-of-Water-Stoffe. Jedoch wird beides von Tarantini, der das Drehbuch gemeinsam mit Dardano Sacchetti verfasste, kaum über das Stichwort hinausentwickelt. Nach einigen bösen Blicken, die der stets etwas nervöse Nicola von Mauri erntet, sind die beiden bereits unzertrennliche Kumpels, und auch der italienische Nord-Süd-Konflikt, der in vielen Filmen eine wichtige Rolle spielt, wird völlig vergessen. Was bleibt, ist eine leidlich kurzweilige Actionkomödie, deren Details ich heute, knappe 24 Stunden nach Sichtung, zum Großteil bereits wieder vergessen habe.

NAPOLI SI RIBELLA ist kompetent inszeniert, kann einige gelungene Verfolgungsjagden für sich verbuchen, eine üppige Anzahl von Schießereien und blutigen Exekutionen, sowie einen ominösen Score von Goblin, der an das oberflächliche Treiben aber ziemlich verschenkt ist. Cannavale wiederholt seine Rolle als treudoofer Depp aus SIE NANNTEN IHN PLATTFUSS und seinen drei Fortsetzungen, ohne jedoch ein ähnlich amüsantes Ergebnis zu erzielen, und so fliegt der Film als bunte Nummernrevue vorbei, ohne dass irgendetwas wirklich hängenbliebe. Ein Kommerzprodukt durch und durch, das sowohl den Tiefgang als auch den Biss anderer Genrevertreter gänzlich vermissen lässt.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s