the odd couple (gene saks, usa 1968)

Veröffentlicht: Juli 25, 2015 in Film
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OddCouple_USWCNach Billy Wilders THE FORTUNE COOKIE agierten Jack Lemmon und Walter Matthau in Gene Saks‘ THE ODD COUPLE zum zweiten Mal gemeinsam vor der Kamera. Die Verfilmung eines erfolgreichen Broadway-Theaterstücks von Neil Simon war mit den beiden Typen so kongenial besetzt, die Chemie der beiden so ansteckend, dass Saks kaum mehr machen musste, als das Stück eins zu eins auf das Medium Film zu übertragen. Ein paar Szenen auf der Straße und in diversen Kneipen, Geschäften und einem Bowlingcenter lockern etwas auf, ansonsten spielt der Film zu 95 % in der Wohnung von Oscar Madison (Walter Matthau). Der sieht sein Lotterleben als geschiedener Mann dahinschwinden, als er seinen frisch von seiner Gattin verlassenen, akut selbstmordgefährdeten Kumpel Felix Ungar (Jack Lemmon) bei sich einziehen lässt. Fortan ist Schluss mit Kippengestank, spritzenden Bierdosen und gammeligen Sandwiches: Felix wirbelt als herrische Hausfrau durch Oscars Heim und treibt alle mit seinem Sauberkeitsfimmel in den Wahnsinn, von seinen sonstige Marotten mal ganz abgesehen.

THE ODD COUPLE wirkt heute nicht nur aufgrund seiner eher biederen Inszenierung etwas altmodisch: Der Witz des Films liegt natürlich nicht zuletzt darin, dass die Freundschaft der beiden Heteros sich schleichend in eine eheähnliche (bzw. homosexuelle) Beziehung verwandelt, und die geschmackssichere Verschämtheit, mit der diese wahrlich skandalöse Idee präsentiert wird, ist durchaus vielsagend. Auch wenn THE ODD COUPLE von den geschmacklichen Entgleisungen moderner Krawallkomödien mit ihren homophoben Pimmelwitzchen meilenweit entfernt ist und für seine Zeit betrachtet durchaus als liberal und progressiv angesehen werden darf: Er findet die Vorstellung, dass ein Mann kocht und Wert auf Sauberkeit legt, einfach urkomisch. Nicht nur in dieser Hinsicht kann THE ODD COUPLE seine bürgerlich-boulevardeske Herkunft kaum verleugnen: Auch dramaturgisch wird alles ganz sauber aufgelöst, jeder Satz bekommt eine passende Antwort, jede Szene ihr spiegelbildliches Gegenstück. Am Schluss wird das ganze Figureninventar noch einmal in der Wohnung Oscars versammelt und die alte Ordnung wieder hergestellt. Trotzdem ist Saks‘ Film sehenswert, und das liegt eben am Zusammenspiel von Matthau und Lemmon und dem Zeit- und Lokalkolorit von New York in den späten Sechzigerjahren. Es ist ein Ort der grummeligen Käuze, die sich mit der stinkenden Zigarre im Mundwinkel zum Pokern in der mit Fotos alter Baseballheroen behangenen Wohnung ihres Kumpels niederlassen und beim Essen im Diner mit der nicht mehr ganz taufrischen Kellnerin zu flirten. Auch wenn die pfeilschnellen Dialoge manchesmal zu sehr die spitze Feder Neil Simons verraten: Es fallen doch einige herzliche Gags dabei ab. Und keine Szene hat mich in den vergangenen Monaten mehr zum Lachen gebracht als jene, in der Felix in einer Kneipe mit seltsamen Lauten versucht, seine verstopften Ohren zu öffnen.

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Kommentare
  1. Schlombie sagt:

    Ich persönlich finde ja Ungars Initialien auf den Zettelchen die er Madison stets hinterlässt am lustigsten. Ich lache mich jedes Mal kaputt wenn Madison während des Schimpfens darauf zu sprechen kommt.

  2. Wolfgang sagt:

    Ja, mag sein dass der Film auf das heutige Publikum ein bisschen „angestaubt“ wirkt, weil diese Art Wortwitz, die damals durchaus rar war (zumindest seit den screwball-Zeiten), durch die vielen bloeden sitcoms, die nach einem vergleichbaren Prinzip – allerdings mit kuenstlichen Lachern zur leider notwendigen Verstärkung – funktionieren, heute ein bisschen abgestanden rueberkommt, jedoch ist das keineswegs diesem Kleinod anzukreiden (hat Oliver eh nicht getan), sondern der schlagende Beweis, wie grossartig dieses Theaterstueck/der Film ist. Auch heute noch ein Fest des Lachens“, den ich ebenfalls schon mehrmals und nie unbelohnt gesehen habe.

    Dieser, THE FRONT PAGE und THE FORTUNE COOKIE sind meines Erachtens die besten Filmde, die die beiden zusammen gedreht haben (und die Versuche der Wiederauflage in den 90ern kläglich gescheitert, wenn man die „Originale“ kennt), und allemal ein Wiedersehen wert, werden aber leider heutzutage kaum mehr im Fernsehen gezeigt (vor der Jahrtausendwende liefen sie noch regelmässig), weil duemmliche Komoedien aus den Jahren nach der Jahrtausendwende das TV-Programm bestimmen.

    Intelligente Kommoedien zum Immer-wieder-Sehen!

    • Oliver sagt:

      Naja, ich finde den Wortwitz halt ein wenig arg „geschrieben“ und im Gegensatz zu den eleganten Screwballs kollidiert das hier mit der sonst eher schnoddrigen Art des Films.

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