deadly breed (chris t. kanganis, usa 1989)

Veröffentlicht: August 2, 2015 in Film
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51dUP5bTPGLEine Bande weißer Nationalisten, die von dem Polizisten Kilpatrick (Addison Randall) angeführt wird, ermordet in L.A. Schwarze, Latinos, Asiaten, Orientalen, weil die den braven Amerikanern angeblich die Arbeitsplätze wegnehmen, Drogen verkaufen und Frauen prostituieren. Der Bewährungshelfer Jake Walker (Blake Bahner) nimmt als erster Notiz von einer steigenden Zahl Toter nichtweißer Hautfarbe, da vor allem seine Klienten sterben wie die Fliegen, doch alle wiegeln nur ab: So ist das halt auf der Straße. Weil er nicht locker lässt, muss schließlich seine Frau dran glauben …

DEADLY BREED ist der erste Film der Produktionsgesellschaft PM Entertainment und als solcher noch weit entfernt von den auf Hochglanz polierten Werken, die ab Mitte der Neunzigerjahre aus der geschäftigen Actionschmiede von Richard Pepin und Joseph Merhi kommen sollten. Kanganis‘ Film ist schmuddelig und superbillig, die fetten Autostunts und Explosionen, die später zum Markenzeichen von PM werden sollten, sucht man hier noch vergebens. DEADLY BREED ist vom Aufwand her fast noch Amateurfilm und die Klischeehaftigkeit der Narration wird hier noch nicht durch eine Konzentration auf ausgefeilte Actionsequenzen aufgehoben. Aber die mit dem geringen Budget einhergehende Unbeholfenheit trägt in diesem speziellen Fall durchaus positiv zum Gesamteindruck bei (mal ganz davon abgesehen, dass ich die Zeiten, als es noch einen Markt für solche Hobel gab, sehr vermisse). Klar, die sich selbst als solche bezichtigende „Deadly Breed“ ist kaum mehr als ein Haufen ungebildeter Proleten und ihre paramilitärischen Ambitionen mehr als nur etwas verblendet, aber wenn man sich die täglichen Bilder etwa aus Freital anschaut, die man als Deutscher derzeit ertragen muss, kann man kaum anders, als Kanganis‘ Film „Authentizität“ zuzubilligen. Genauso ist es: Halbgebildete, hasserfüllte Affen mit zu viel Zeit, aber zu wenig Fantasie verstecken sich hinter idiotischen Gefühlen, die sie für Fakten halten und spielen ein bisschen Weltretter. Und der große Rest schaut zu und schwafelt von Einzelfällen, weil man der Realität nicht ins Gesicht schauen will – oder, schlimmer noch, weil man die menschenverachtende Ideologie insgeheim teilt, nach dem Motto: „Türken raus, aber mein Dönermann bleibt!“

Da ist es ganz gut, dass DEADLY BREED die Realität mit einigen bizarren Einfällen zwischendurch vergessen lässt und einen daran erinnert, dass man sich hier einem reichlich naiven kleinen Exploiter gegenübersieht. In einer Szene sitzt Jake zu Hause an seinem Tisch und arbeitet irgendwelche Unterlagen durch, während seine Bimbo-Gattin (vorher hatte sie in ihrem Spitzenunterhöschen Yoga gemacht), ihn zum Liebesspiel animieren möchte. Sie löst damit aber nur einen Wutanfall bei ihrem Gatten aus und zieht schmollend von dannen. Wenig später vernimmt man ein lautes, brummendes Störgeräusch, dass ich sofort für einen Defekt meines Youtube-Videos gehalten habe. Doch der Ton entpuppt sich als diegetisch und als Jake ihm nachgeht – das alles ist als Suspense-Szene angelegt – landet er im Schlafzimmer, wo seine Frau breit grinsend unter ihrer Decke liegt und es sich gut sichtbar mit einem Vibrator besorgt. Da ist dann der Streit sofort vergessen und es folgt die obligatorische schwül-kitschige Liebesszene. Später gibt es noch eine tolle Montage-Sequenz, die die „Deadly Breed“ bei ihrem blutig-effektiven Treiben zeigt. Die Musikuntermalung, eine schwere, stimmungsvolle  Klavierkomposition, kommt von Kilpatrick höchstselbst, der mit seinem Dschingis-Khan-Schnurrbart und freiem Oberkörper bei schummriger Beleuchtung und Trockeneisnebel in einem vollverspiegelten Zimmer am Piano sitzt und sich als Dr. Phibes der Rassisten geriert. Toll! Seine Klavierleidenschaft bricht ihm dann aber auch das Genick: Als einer von Jakes Klienten mit einer Klavierseite erdrosselt wird, erklärt ein Kollege, dass man dies in Vietnam einst als „Nr.6“ bezeichnet habe. Daran erinnert der Bewährungshelfer sich, als ihm ein Polizist erzählt, Kilpatrick habe eine seiner Klavierdarbietungen bei einem gemütlichen Polizistenabend als „Kilpatricks Klavierkonzert Nr. 6“ vorgestellt, sehr zum hämischen Vergnügen seiner Anhänger. Da ist dann alles klar. Really, I’m not making this shit up! Am Ende bewaffnet sich Jake und mäht die Schurken mithilfe einer rachsüchtigen Kollegin  einem Maschinengewehr um. Irgendwann steht er auch dem Initiator der ganzen Aktion gegenüber, dem namenlosen Captain, der von Reibeisenstimme William Smith gegeben wird. Der einstige Heavy hat hier eine dieser typischen DTV-Rollen abbekommen, die ausschließlich darin bestehen, am Schreibtisch zu sitzen. Mehr als zwei Drehtage werden für seine drei, vier Szenen nicht nötig gewesen sein und sehr gut erkennt man, dass er ganz allein am Set war: Sein Dialog mit Kilpatrick wird vollständig in Schuss-Gegenschuss-Technik aufgelöst und die beiden sind nie zusammen im Bild zu sehen, obwohl sie nur durch einen Schreibtisch voneinander getrennt sind. Es sind auch Unzulänglichkeiten wie diese, die mir diese Art von Filmen so ans Herz schweißen. Man spürt diese infantil-jungenhafte Freude der Macher am Markigen. Das ist nicht allzu weit weg vom kindlichen Kriegsspiel mit Plastikpistolen im Stadtpark und irgendwie rührend.

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