l.a. heat (joseph merhi, usa 1989)

Veröffentlicht: August 2, 2015 in Film
Schlagwörter:, , , , , , ,

41Y3PASBDWLBei einer Razzia wird der Partner von Detective Jon Chance (Lawrence Hilton-Jacobs) von dem schwerkriminellen Clarence (Kevin Benton) erschossen, dem anschließend die Flucht gelingt. Clarence soll für seinen Boss Sylvio (Robert Gallo) einen großen Drogendeal abschließen, doch dazu kommt es nicht, weil er von dem Gangleader Spyder (Miles Thoroughgood) gefangen genommen wird. Es kommt zum Krieg der Fraktionen und in der Mitte steht mit Chance ein Cop, der noch nie einen Menschen erschossen hat …

L.A. HEAT, im selben Jahr gedreht wie L.A. VICE, der ebenfalls um die Figur des Detective Chance kreist, hat eine recht ambitionierte Handlungsstruktur, die etwas an John Flynns OUT FOR JUSTICE erinnert, um nur mal ein prominentes Beispiel zu nennen. Der ganze Film handelt von der Suche nach dem verschwundenen Verbrecher, dessen Freiheit zahlreiche Komplikationen nach sich zieht. So wird der für sich genommen schon ernste Fall eines Polizistenmords nur der Ausgangspunkt für eine ganze Reihe von Verbrechen, die bald die ganze Stadt in Mitleidenschaft ziehen. Diese Geschichte mit ihrem Countdown- und Eskalations-Charakter hebt L.A. HEAT von vergleichbaren DTV-Cop-Actionfilmen ab, auch wenn Merhi zu diesem frühen Zeitpunkt von PM Entertainment noch nicht so aus dem Vollen schöpfen konnte. Interessant ist der Film aber vor allem wegen seiner Hauptfigur: Hilton-Jacobs ist eine ganze Ecke besser als der typische DTV-Schauspieler und verleiht seinem Helden eine glaubwürdige Verwundbarkeit, die für zusätzliche Fallhöhe sorgt. Die Tatsache, dass Chance noch nie einen Menschen erschossen hat, wird hier nicht als Ausweis humanistischer Überlegenheit interpretiert, sondern ganz klar als Schwäche. Chance leidet unter dem Wissen, dass sein Vater – ebenfalls ein Cop – einst aus Versehen einen zehnjährigen Jungen niederstreckte, den er für einen bewaffneten Angreifer hielt. Regelmäßig wird Chance nun von Träumen geplagt, die ihn als Cowboy im Duell zeigen und in denen er die tödliche Kugel einfängt, weil es ihm einfach nicht gelingt, den Abzug zu betätigen. Je näher er Clarence kommt, umso bewusster wird ihm, dass er seine Angst ablegen muss, wenn er nicht selbst sterben will. Die Jagd nach dem Bösewicht bekommt so eine zweite Ebene, die den Film über das herkömmliche Shoot ‚em up hinaus interessant macht.

Sonst gibt es aber auch nicht viel mehr zu sagen: Man erkennt, dass Merhi als Regisseur um Längen besser ist als etwa Christ T. Kanganis, der im selben Jahr DEADLY BREED für PM Entertainment drehte. Das Budget dürfte nur unwesentlich höher gewesen sein, trotzdem wirkt L.A. HEAT nicht wie nach Feierabend von übermotivierten und untertalentierten Actionfans gedreht. Die Szenen zwischen den Ballereien sehen nicht aus, als hätte man sie bloß als notwendiges Übel betrachtet, Dialoge wirken authentischer, die Schauspieler agieren weniger gestelzt. Trotzdem ist L.A. HEAT nun nicht unbedingt eine verschollene Perle. Für Copfilm-Fans, die sich nicht scheuen, auch in die Abgründe der DTV-Produktion vorzudringen, ist er aber durchaus einen Blick wert. Bei der Version, die man sich auf Youtube ansehen kann, ist übrigens die Tonspur zensiert. Alle „fucks“, „shits“ und „damns“ werden dort ausgeblendet. Sehr skurril.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s