the moonshine war (richard quine, usa 1970)

Veröffentlicht: August 13, 2015 in Film
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Der große Elmore Leonard adaptierte für diesen Film, der in Deutschland unter dem schönen Titel WHISKY BRUTAL erschien, seinen eigenen, gleichnamigen Roman von 1969. Es war sein erstes Drehbuch, weitere sollten folgen. Es geht um den Regierungsagenten Frank Long (Patrick McGoohan), der während der Prohibition in ein Kaff in Kentucky kommt, wo Son Martin (Alan Alda) seinen berühmten „Moonshine“ – selbst gebrannten Whiskey – verkauft. Long will an Martins Gewinn beteiligt werden und verspricht als Gegenleistung, beide Augen zuzudrücken. Als Son sich weigert, ruft Long den Zahnarzt-turned-Gangster Dr. Taulbee (Richard Widmark) und dessen Partner Dual Metters (Songwriter Lee Hazlewood) zu Hilfe. Um Son zur Herausgabe seines Whiskys zu bringen, versuchen die Männer die Bootlegger der Gegend gegen ihn aufzubringen. Ein erbitterter Kampf beginnt …

THE MOONSHINE WAR war seinerzeit ein gewaltiger Flop und ist heute nur noch über die On-Demand-Schiene der Warner Archive Collection verfügbar. Alles andere als ein guter Film, ist er eine jener kleinen, vergessenen Kuriositäten, über deren Entdeckung man sich heute selbst dann freut, wenn die eigene Welt nicht aus den Angeln gehoben wird. Eine Vorliebe für die Gangsterfilme der Depressionszeit und das Schnapsbrenner-Hillbilly-Südstaaten-Szenario hilft, diesen Film, der bestenfalls Durchschnitt repräsentiert, aber einige Kuriositäten für sich verbuchen kann, mit Gewinn zu betrachten. Als erstes ist natürlich die wirklich bizarre Besetzung zu nennen, mit gleich zwei haarsträubenden „Coups“ in den Hauptrollen: Der vor allem mit der britischen Serie NUMBER SIX assoziierte Patrick McGoohan war zwar gebürtiger Amerikaner und sprach weitestgehend akzentfreies Englisch, dennoch fällt es schwer, ihn sowohl als US-amerikanischen Regierungsbeamten als auch als Elmore-typischen Helden zu akzeptieren. Ein Makel, den er wohl selbst spürte: Er wird in der wichtigsten Rolle des Films nie heimisch. Noch fragwürdiger ist die Besetzung von Alan Alda als Bootlegger. Zwar war er zu diesem frühen Zeitpunkt seiner Laufbahn noch nicht auf den liberalen Bildungsbürger der Upper Middle Class festgelegt, den er später idealtypisch verkörpern sollte, aber den Schnapsbrenner nimmt man ihm trotzdem zu keiner Sekunde ab. Zum Glück lenken Richard Widmark, der seinen Part mit sichtlichem Spaß an der Sache spielt, und Lee Hazlewood als zurückgebliebener Psychopath von diesen Fehlgriffen ab, Ihre Leistung reicht jedoch nicht aus, um THE MOONSHINE WAR vom Ruch des Fehlschlags zu befreien. Regisseur Richard Quine stand 1970 bereits am Ende seiner Filmkarriere. Er war ein fleißiger Handwerker, der jedoch nie wirklich auf sich aufmerksam machen konnte. Warum, das zeigt dieser, sein drittletzter Film: Die Regie ist uninspiriert und unoriginell, fernsehhaft und weiß aus den sich bietenden Möglichkeiten nichts zu machen. Die für Elmore charakteristische Verbindung von Humor und Gewalt bekommt er etwa nie richtig in den Griff und auch spannend oder involvierend ist THE MOONSHINE WAR zu keiner Sekunde. Der Film plätschert gefällig vor sich hin und ist dann irgendwann zu Ende.

So bleibt ein Film, der – wie erwähnt – lediglich für Elmore-, Gangsterfilm- und Hillbilly-Fans von Interesse ist, die die Highlights schon alle kennen und gern nach Abseitigem fahnden. Ich möchte die Sichtung dann auch nicht missen, und wenn es nur wegen oberflächlicher Details ist. Wer die Augen offen hält, sieht hier z. B. viele bekannte Gesichter wieder: Bo Hopkins ist mit von der Partie, Will Geer, Harry Carey, jr., Charley Tyner und Altman-Regular John Schuck.

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