la romana (luigi zampa, italien 1954)

Veröffentlicht: August 14, 2015 in Film
Schlagwörter:, , , ,

Rom im Jahr 1935, zur Zeit des Abessinienkriegs: Die 19-jährige, aus ärmlichen Verhältnissen stammende Adriana (Gina Lollobrigida) wird von ihrer Mutter (Pina Piovani) an einen Maler vermittelt, dem sie als Aktmodell dient. Dort lernt sie Gisella (Xenia Valderi) kennen, die sich von wohlhabenden Männern aushalten lässt – im Gegenzug für sexuelle Gefälligkeiten. Eigentlich von einer Hochzeit mit dem Chauffeur Gino (Franco Fabrizi) träumend, geht Adriana bei einem Ausflug mit Gisella mit Astarita (Raymond Pellgrin), einer Führungspersönlichkeit in Mussolinis Geheimpolizei, ins Bett und lässt sich von ihm dafür bezahlen. Ein Erlebnis, das sie verändert: All ihre Ideale und Träume von einem guten, ehrlichen Leben platzen wie eine Seifenblase und sie wird zur materialistischen, desillusionierten Zynikerin. Bis sie den Studenten Mino (Daniel Gélin) kennen lernt, der als Widerstandskämpfer gegen das faschistische System Kopf und Kragen riskiert …

LA ROMANA ist in seiner ganzen Tragweite und politischen Dimension für heutige Zuschauer, die gewohnt sind, dass ihnen alles auf dem Silbertablett serviert wird, nicht ganz einfach zu verstehen. Das liegt zum einen daran, dass Zampa sehr sparsam mit konkreten Hinweisen auf den historischen Kontext umgeht – der Hinweis auf den Abessinienkonflikt etwa stammt aus dem Booklet der Filmjuwelen-DVD, dem ich dafür sogar die eigentlich unentschuldbaren Klöpse verzeihe, Tinto Brass als „Schmuddelfilmer“ und EMMANUELLE als „Softporno“ zu titulieren –, zum anderen natürlich daran, dass er in der Darstellung von Adrianas neuer „Berufung“ Rücksicht auf die damals vorherrschende Moral nehmen musste. Dass sie sich ihr Geld nach der Begegnung mit Astarita als Prostituierte verdient, wird eher impliziert angedeutet als explizit formuliert. LA ROMANA handelt somit – wie die Filme des zu jener Zeit populären italienischen Neorealismus – auch von der Knechtung der einfachen Leute durch das faschistische System. Ein gutes Leben ist Adriana unter würdigen Bedingungen kaum möglich, also gleitet sie unweigerlich ins Zwielicht ab, womit sie letztlich nicht nur sich selbst unglücklich macht, sondern auch all die Männer, deren Weg sie kreuzt.

LA ROMANA ist von jener inbrünstig ausgelebten Verzweiflung und Schicksalsschwere, die man mit italienischen Melodramen assoziiert, wird bestimmt von dem dunklen, eiskalt ins Nichts blickenden Augenpaar der „Lollo“, die den Härten des Lebens all ihren Trotz entgegenwirft, aber sich natürlich trotzdem nicht behaupten kann. Fast der ganze Film spielt auf nächtlichen Straßen, auf denen sich die Verlorenen auf der Suche nach Zerstreuung tummeln (der deutsche Titel lautete DIE FREUDLOSE STRASSE). Alle kämpfen sie ums Überleben, alle suchen sie nach dem Weg, bei diesem Kampf nicht mit dem Staat oder sich selbst in Konflikt zu geraten, alle scheitern sie kläglich.

Meine Sichtung von LA ROMANA ist der Auftakt für eine kleine Reihe mit italienischen Filmen aus den Fünfzigerjahren, die mich hier in den nächsten Tagen beschäftigen und in eine Welt körperlicher und seelischer Pein, leidender, sinnlicher Frauen, kerniger, hilfloser Typen, Tränen, Blut und Schweiß entführen wird.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s