la nave delle donne maledette (raffaello matarazzo, italien 1953)

Veröffentlicht: August 15, 2015 in Film
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The Screen Explodes Violently With Unleashed Emotions of Suppressed Desires!“ Die US-amerikanische Tagline verspricht nicht zu viel: Was für ein Wahnsinn, dieser Film! Dabei fängt alles sehr gemächlich und so herrlich angestaubt an, wie man das von italienischen Monumentalfilmen aus den Fünfzigerjahren kennt. Während die Amerikaner damals schon alle Mittel mobilisierten, um längst vergangene Epochen auf der Leinwand zu neuer Blüte auferstehen zu lassen, kamen in Italien stattdessen Pappmaché, Spucke, Enthusiasmus und pure Kinomagie zum Einsatz, Das Holzschiffchen, das da später auf den Wellen schaukelt, mag nur der mit einem echten verwechseln, der wirklich alles um sich herum vergessen hat, aber wer wollte es angesichts des Taumels, in den einen Matarazzo mit seinem Melodram stürzt, verdenken?

Isabella (Tania Weber), Tochter aus hohem Hause, feiert ihre Hochzeit mit dem Adligen Manuel de Havilland (Romolo Costa), da steht die Polizei vor der Tür. Die junge Frau wurde gesehen, als sie einen Säugling in einem Brunnen ertränkte. Um den Ruf ihrer Familie und die Ehe zu retten, wird die Nichte Consuelo (May Britt) als Täterin vorgeschickt und der unerfahrene Anwalt Da Silva (Ettore Manni) engagiert, der dem Mädchen zwar nicht helfen kann, aber trotzdem sofort von ihrer Unschuld überzeugt ist, als er sie zum ersten Mal sieht. Mit einem Schiff soll die Unglückliche zu 15 Jahren Arbeit in eine Strafkolonie verfrachtet werden – und wie der Zufall es will, ist es dasselbe Schiff, auf dem auch Isabella ihre Hochzeitsreise antritt. Anwalt Da Silva ist ebenfalls an Bord, will er doch seine Consuelo befreien …

Es dauert ca. 30 Minuten, bis die Handlung an Bord des Schiffes ankommt. Die Naivität des Films gipfelte bis zu diesem Zeitpunkt im verspäteten Auftritt Da Silvas vor Gericht, den er damit entschuldigt, über seinen Papieren „eingeschlafen“ zu sein. Matarazzo biegt seine mit heißer Nadel gestrickte Geschichte so hin, dass die Bösen nicht nur reich, sondern auch absolut gewissenlos sind, die Guten hilf- und mittellos und so gutmütig, dass es fast an Selbstaufgabe grenzt. May Britt zerfließt beinahe in ihrer Rolle als argloses Opferseelchen und die Kamera liebt ihre tränennassen Rehäuglein. Als Zuschauer fühlt man sich herrlich manipuliert und fast genauso benutzt wie die zu Unrecht verurteilte Heldin, doch irgendwann gerät jedes Hoffen um einen guten Ausgang der Geschichte zugunsten ungläubigen Staunens ins Hintertreffen. Dann nämlich, wenn die im Bauch des Schiffes gefangenen Weiber die Meuterei proben und das stolze Gefährt ins nautische Äquivalent zum Bumsbomber verwandeln. Da bleiben dann auch die Zuschaueraugen nicht länger trocken, wenn auch aus ganz anderen Gründen als die Consuelos. Hilflose Besatzungsmitglieder werden von den ausgehungerten Matronen mit Gewalt aufs Stroh gezerrt, doch meist ist das gar nicht nötig, die Geilheit kennt keine Grenzen. Der brave Pietro Silveris (Gualtiero Tumiati), der über die Vorräte wacht – und, der letzte der bizarren Zufälle des Films, einst der Gesangslehrer von Da Silva war – kann die orgiastischen Zustände an Bord nur noch mit Sodom und Gomorrha vergleichen, und demzufolge verwundert es auch nicht, dass die Katastrophe naht, als das Schiff quasi führerlos in einen Sturm gerät. Wenn das Modellschiffchen in einer Totalen schließlich in einer Stichflamme explodiert, staunt man schon über die äußerste Konsequenz und Kaltschnäuzigkeit von Matarazzo, doch ein Schnitt verfrachtet Da Silva und Consuelo als letzte Überlebende vor Gericht, wo die Gute endlich von allen Anschuldigungen freigesprochen wird. Den Film, der uns erklärt, wie ihnen die Flucht vom schwimmenden Feuerball gelungen ist, hat Matarazzo leider nicht gedreht. Wahrscheinlich hatte er Angst, zur Salzsäule zu erstarren, wenn er sich noch einmal seinem Magnum opus zuwenden würde. Unfuckingfassbar.

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Kommentare
  1. Marcos sagt:

    Ich muss hier natürlich auch noch meinen Pflichtkommentar ablassen. Bin mir nie sicher, ob hier oder bei FB. Ja, der absolute Wahnsinn. Matarazzo kannte ab Anfang der 50er kein Halten mehr. Was für eine Hure er war kann man daran sehen, dass er problemlos im „telefoni bianchi“, Neorealismus und „cinema di plagio“ zu Hause war. Von ihm hätte ich gerne mal einen Totò-Film gesehen.

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