la risaia (raffaello matarazzo, italien 1956)

Veröffentlicht: August 16, 2015 in Film
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Reisarbeiterinnen, die zweite. LA RISAIA bestätigt dabei den schon in LA DONNA DEL FIUME gewonnenen Eindruck, dass die einst ernsten Anliegen des Neorealismus Mitte der Fünfziger kaum mehr als Schutzbehauptung sind, unter deren Deckmantel man Erotik, Kitsch und Erbauung abliefern konnte. Aber wer will schon meckern, wenn er dafür der in Hotpants, abgeschnittenen Nylonstrümpfen und Top knietief im Wasser schwitzenden Elsa Martinelli zusehen darf? Schon die Hauptdarstellerin verrät den Wandel vom Protestfilm zum Schmachtfetzen, ersetzt sie den natürlichen, drallen Körperbau der Mangano doch mit einem gängigen Schönheitsidealen etsprechenden Modelkörper, das ungebändigte, natürliche Temperament durch die klischierte Zickigkeit und Unerreichbarkeit des konventionalisierten love interests.

LA RISAIA ist dann auch ein solch konventioneller Liebesfilm, dem die Arbeit auf den Reisfeldern nur noch als pittoresker Bildhintergrund dient. Die aus RISO AMARO bekannten Details werden kurz angerissen – die Rivalität unter den Arbeiterinnen, die durch einen Akt der Solidarität aufgelöst werden muss, die Umstände ihrer Unterbringung, die Beeinträchtigung der Gesundheit, die sie auf sich nehmen, die Härte, mit der jedes Versäumnis sich in der Kürzung des Lohns niederschlägt, die nächtliche Zerstreuung und die Suche nach dem richtigen, am besten wohlhabenden Mann –, geraten letztlich aber zugunsten einer Liebes- und Vater/Tochter-Geschichte ins Hintertreffen. In der Darstellung des Gutsbesitzers Pietro (Folco Lulli), auf dessen Feldern der Film spielt, wird die dem Neorealismus inhärente Gesellschaftskritik sozialistischer Schlagrichtung sogar förmlich auf den Kopf gestellt. Dass sein Reichtum auf der Ausbeutung der Arbeiterinnen beruht, adressiert Matarazzo kein einziges Mal, stattdessen macht er Pietro zum gutmütigen Menschenfreund, der versucht, vergangene Fehler wiedergutzumachen. Er stellt sich nämlich als leiblicher Vater Elenas (Elsa Martinelli) heraus und bemüht sich den ganzen Film über, eine Beziehung zu ihr aufzubauen, die sie in Unkenntnis seiner Identität jedoch ablehnt. Als er ihrem Liebhaber Gianni (Rik Battaglia), einen einfachen Automechaniker, Geld für eine Werkstatt schenkt, um so auch seiner Tochter eine bessere Zukunft zu gewähren, kommt es zum Konflikt, weil Gianni Peitro für Elenas heimlichen Geliebten hält. Am Ende erkennt Elena, wer dieser Pietro ist, sie verzeiht ihm, er geht für sie ins Gefängnis, Elena und Gianni können einer glücklichen Zukunft entgegensehen.

LA RISAIA mag der schwächste der von mir dieser Tage geschauten Italo-Melodramen sein, seine Emotionalität lässt dennoch nicht kalt. Das Eastmancolor-Spektakel schwelgt in sommerlicher Frische und vor allem die Rottöne knallen alles weg. Dann noch die antilopenhafte Grazilität der Martinelli und Folco Lullis melancholisches Brüten … hmmmmmm.

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