the three musketeers (richard lester, großbritannien/spanien/usa 1973)

Veröffentlicht: September 13, 2015 in Film
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Fast 40 Jahre, bevor Paul W. S. Anderson Alexandre Dumas‘ Klassiker einer Postmoderne-Behandlung unterzog, hatte das schon der dafür kaum weniger prädestinierte Brite Richard Lester getan. Seine drei Musketiere Athos (Oliver Reed), Porthos (Frank Finlay) und Aramis (Richard Chamberlain) sind ausgewachsene Kinder, ungehobelte Rauf- und Saufbolde, die sich unter dem Schutz des Königs als subversive Elemente durch Paris bewegen, D’Artagnan (Michael York) ein naives Landei, seine Geliebte Constance (Raquel Welch) ein wenig graziler Tolpatsch, König Ludwig XIII. (Jean-Pierre Cassel) schließlich eine effiminierte Witzfigur mit schrecklichem Modegeschmack. Überhaupt hat Lester großen Spaß daran, die Dekadenz der damaligen Zeit bloßzustellen: Während der gelangweilte König dressierte Tiere über ein Schachbrett auf dem Hof von Versailles bewegt und sich von seiner Gattin (Geraldine Chaplin) mit dem britischen Erzfeind in Form des edelmütigen Lord Buckinghams (Simon Ward) hintergehen lässt, versucht das wenig begüterte Volk, das Beste aus der wenig ermutigenden Situation zu machen. Anstatt sich aber an einem „realistischen“ Porträt zu versuchen, überzeichnet Lester die Situation und entwirft ein Paralleluniversums-Frankreich, in dem die Bösen finstere Intriganten sind, die eigentlich Herrschenden eitle Deppen und die Helden freche Clowns, die sich einen Dreck um Konventionen und Etikette scheren.

Ich hatte massive Schwierigkeiten mit dem Film, fühlte mich hin- und hergerissen zwischen der atemberaubenden Fotografie von David Watkin, dem wunderbaren Score von Michel Legrand, der opulenten Ausstattung und der schier unglaublichen Besetzungsliste auf der einen und dem Distanz schaffenden quasi-parodistischen Ansatz Lesters auf der anderen Seite. Die eigentlichen Titelhelden geraten zu Nebenfiguren, die nie wirklich lebendig werden, der Kampf gegen die Schurken, die das Land in einen Krieg stürzen wollen, wird zum lustigen Zeitvertreib, bei dem nie wirklich etwas auf dem Spiel zu stehen scheint, und die Fechtduelle sind keine Darbietungen in Sachen Eleganz und Heldenmut, sondern meist ziemlich unbeholfene Keilereien (angeblich sollen alle Akteure, die gegen Oliver Reed antreten mussten, Angst gehabt haben, weil sich der Brite mit allem, was er hatte, in die Schlacht warf). Hinzu kommt ein gewöhnungsbedürftiger Humor, der alle Charaktere zu Witzfiguren macht und der mit Subtilität nur wenig am Hut hat. Ich bin nie richtig reingekommen in den Film, den ich gern mögen wollte, dessen einzelnen Elemente sich für mich aber auch nach eineinhalb Sichtungen nicht zu einem schlüssigen und vor allem zufrieden stellenden Gesamtbild zusammenfügten. Ja, THE THREE MUSKETEERS hat mich enttäuscht.

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Kommentare
  1. Ghijath Naddaf sagt:

    Hast du The Four Musketeers auch gesehen ? Der gehört nämlich dazu.

  2. LoxoL sagt:

    Also… das bezeichne ich mal als pure Provokation! 😉 Ich kann ja Dein subjektives Empfinden tolerieren (so gerade noch) , jedem Tierchen usw… *ggg*

    Ich gebe offen zu, daß es sich hier mit großem Abstand um meine liebste (und in meinen Augen auch realistischste) Musketier-Verfilmung handelt, nicht nur, weil ich diese schon als U10-Knirps geliebt habe sondern weil ich meine Empfindung über die Jahre auch immer wieder überprüfen konnte:

    Die von Dir kritisierten Fechtszenen geben der Action in diesem Film doch gerade das ruppige, reale… da wird geschlagen, getreten und gebissen, mit fortschreitender Dauer werden die Kontrahenten müder und müder, bis sie kaum noch den Degen halten können um ihn dann entnervt schnaufend als Knüppel zu missbrauchen…

    Hast Du den Film im O-Ton gesehen? Die deutsche Schnodder-Synchro ist zwar durchaus amüsant, aber auf Englisch ist der Film doch um Einiges ernster…

    • Ghijath Naddaf sagt:

      Die Fechtszenen gehören zu den besten die ich je gesehen habe. Lester legte in seinen Kampf-
      -szenen immer viel Wert auf Authentizität. Das erreichte er durch originalgetreue Nachbildungen
      von Waffen und Kleidung. In einem Interview habe ich gelesen das Lester seinerzeit
      Sean Connery und Robert Shaw, bei Robin und Marian, echte Kettenhemden für ihre
      Kampfszene tragen ließ.
      Mir sagen diese Fights auch deutlich mehr zu, als Andersons Luftakrobatik.

    • Oliver sagt:

      Ich habe ihn erst auf Englisch gesehen, dann auf Deutsch. Die Synchro des ersten Teils ist im Vergleich zum zweiten ja noch sehr verhalten. Dass die Fechtszenen real wirken, sehe ich noch ein, aber „ruppig“? Nee, bei mir hat das einfach nicht zünden wollen. Sorry. 😦

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