die försterchristel (arthur maria rabenalt, deutschland 1952)

Veröffentlicht: Oktober 4, 2015 in Film
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foersterchristel-dieEntgegen der Vermarktung des DVD-Labels Filmjuwelen, die DIE FÖRSTERCHRISTEL in ihrer Heimatfilm-Schiene veröffentlichten, handelt es sich bei Rabenalts Adaption der Operette von Georg Jarno und Bernhard Buchbinder aus dem Jahr 1907 um eine romantische Verwechslungskomödie, die im Ungarn der k.u.k-Zeit, genauer im Jahr 1849, angesiedelt ist. (Der Stoff war bereits 1926 und 1931 verfilmt worden, beide male von Frederic Zelnik, 1962 besorgte Franz Josef Gottlieb dann ein weiteres Update.) Im Mittelpunkt der Handlung steht, wenig überraschend, das liebreizende Förstertöchterchen Christel (Johanna Matz), um das sich im Verlauf der Handlung gleich drei Männer balgen. Da ist zum einen der etwas aufgeblasene Simmerl (Ulrich Beiger), der sich überall als kaiserlicher Hofbeamter ausgibt, wie sich später herausstellt aber nur ein einfacher Schneider ist. Für größere Gefühlswallungen sorgt indes der feurige Ungar Földessy (Will Quadflieg), der mit schwarzen Augen seine Geige malträtiert und ihr beinahe dämonische Klänge entlockt: Bei ihm handelt es sich eigentlich um den ehemaligen Rebellenhauptmann Koltai, der auf eine Begnadigung durch Kaiser Franz Joseph (Karl Schönböck) hofft, der sich für einen Jagdbesuch angekündigt hat. Beim Spaziergang durch die Wälder begegnet eben jener Kaiser der Christel, die ihn für einen Jäger hält und für unbefugtes Betreten fremden Jagdgebiets festsetzt. Der Kaiser ist entzückt von der forschen, ehrlichen und auch naiven Art des Mädchens und macht das Spielchen mit. Christel hat keine Ahnung, wen sie da tatsächlich vor sich hat, und nimmt deshalb kein Blatt vor den Mund. Das Verwirrspiel löst sich bei einem großen Fest im Schloss des Kaisers auf, bei dem Christel die ehrlichen Avancen des Kaisers ablehnt und auch ein gutes Wort für Koltai ablegt, der daraufhin pardoniert wird. Seine große Achtung für Christel drückt der Kaiser am Ende dadurch aus, dass er Koltai auffordert, sie zu heiraten, bevor er die Heimreise antritt.

Die schlimmen Erwartungen, die der fürchterlich staubige Titel evoziert, haben sich glücklicherweise nicht bewahrheitet. Rabenalts Film bleibt erwartungsgemäß dem Eskapismus verpflichtet, bedient vor 60 Jahren ebenso wie heute gepflegte Fantasien vom höfischen Leben und dem Edelmut des Adels sowie natürlich den Traum vom sozialen Aufstieg und der Klassengrenzen überschreitenden und der jeder Verlockung widerstehenden, wahren Liebe, ist dabei aber immerhin recht schwungvoll und amüsant. Zumindest dann, wenn man es schafft, sich auf den speziellen, ähem, „Charme“ solcher hinsichtlich ihrer sozialen Vorstellungen vollkommen überholten Werke einzulassen. Gleich zu Beginn wird das Klischee vom „halbwilden“ Ungar bedient und Will Quadflieg darf als stolzer Soldat Koltai stets mit aufmüpfiger schwarzer Locke, tollkühn geschwungener Augenbraue und stechend herausforderndem Blick durchs Bild stolzieren. Kein Wunder, dass die biedere Christel es bei soviel nassforscher Virilität mit der Angst zu tun bekommt. Das weibliche Pendant Koltais ist die wilde Bardame Ilona (Angelika Hauff), die die männlichen Besucher ihrer Gaststätte schier um den Verstand bringt, wie sie da ihre wohlgeformten Schenkel bis an die Decke wirft und ihren wollüstigen Körper im Rhythmus der Musik umherwirft (überhaupt ist der Film stellenweise erstaunlich freizügig). Demgegenüber verkörpert die Christel biederes und zudem reichlich fantasieloses Untertanentum: Die Naivität, die der Kaiser so entzückend findet, kann man auch weniger nachsichtig als bloße Dummheit bezeichnen, die gar nicht mehr so süß ist, wenn sie mit dem vorauseilenden Gehorsam und der Blockwartmentalität des herrschaftstreuen Bürgers gepaart wird, dem das Förstermädel idealtypisch entspricht. Christel vergeht fast vor Ehrfurcht, als sie dem Kaiser gegenübersteht und für einen Abend in seinem Schloss herumtollen darf. Frauenrechtlerinnen reißen sich wahrscheinlich die Haare aus angesichts des in diesem Film propagierten Frauenbilds, aber wenn man weniger ideologisch an ihn herangeht, muss man zugeben, dass Christel mit der Erkenntnis, doch nur eine dumme Landpomeranze zu sein, die besser in ihrem Wald bleibt und ihrem Mann das Gulasch kocht, anstatt ihre bornierte Mentalität in alle Welt hianszutragen, eindeutig Sympathiepunkte einheimst.

Regisseur Arthur Maria Rabenalt war 1952 bereits ein Veteran mit rund 20-jähriger Erfahrung. Dass er sich mit den Nazis arrangiert hatte, wurde ihm später oft vorgeworfen, auch wenn er immer etwas zahnlos betonte, in jener Zeit nur „unpolitische“ Filme gedreht zu haben. Er inszenierte in den Fünfzigerjahren zahlreiche leichte Lustspiele sowie den Quasi-Horrorfilm ALRAUNE mit Hildegard Knef und Erich von Stroheim, bevor es ihn in den Sechzigerjahren zum Fernsehen verschlug, DIE FÖRSTERCHRISTEL ist auch dank seiner temporeichen Inszenierung recht wohl geraten, wirkt im Vergleich mit anderen Filmen seiner Zeit geradezu frisch. Großen Anteil daran hat Kameramann Friedl Behn-Grund, der die Geschichte in kontrastreichen Bildern und mit bisweilen beeindruckenden Natur- und Landschaftsaufnahmen einfängt. Auch er hatte eine bewegte Geschichte, fotografierte seinen ersten Film bereits 1924 und später dann unter der Regie von Wolfgang Liebeneiner den Euthanasie-Propagandafilm ICH KLAGE AN. Nach dem Krieg arbeitete er dann für die DEFA und fotografierte u. a. Staudtes DIE MÖRDER SIND UNTER UNS, den ersten deutschen Nachkriegsfilm. Weitere berühmte Titel aus seiner Filmografie sind BEKENNTNISSE DES HOCHSTAPLERS FELIX KRULL, DIE BUDDENBROOKS, ES MUSS NICHT IMMER KAVIAR SEIN, EIN ALIBI ZERBRICHT sowie SCHWEJKS FLEGELJAHRE mit Peter Alexander und wieder unter Liebeneiner.

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