die lindenwirtin vom donaustrand (hans quest, österreich 1957)

Veröffentlicht: Oktober 5, 2015 in Film
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Arnfeld ist ein verschlafenes kleines Örtchen in der österreichischen Wachau, das sich von der neueröffneten Dampferstation Touristenbesuch erhofft. Stattdessen kommt erst einmal nur die schöne Helga (Marianne Hold) aus dem großen Wien, um in Arnfeld ihr altes Kindermädchen Theres (Annie Rosar) zu besuchen. Die freundliche alte Dame leitet den Gasthof „Zur Lindenwirtin am Donaustrand“, hat aber kaum genug Gäste, um die Schulden beim alten Kilian (Hans Moser) zu begleichen. Weil Helga Innenarchitektin ist, hat sie einige Ideen, wie man den maroden Gasthof herausputzen kann, und als ihr der Schlossverwalter Fred (Claus Holm) auch noch ein paar antike Möbel überlässt, ist der Grundstein für einen rauschenden Erfolg gelegt. Im Trubel, der das Örtchen nun ereilt, werden auch einige Herzen erobert respektive verloren: Doch bevor sich Helga und Fred in die Arme schließen können, müssen erst die obligatorischen Plothürden überwunden werden.

DIE LINDENWIRTIN VOM DONAUSTRAND ist ein absolut idealtypischer Vertreter des Heimatfilms der späten Fünfzigerjahre: Das alte Erfolgsrezept wurde mittlerweile durch zarte Zugeständnisse an die Jugend erweitert, die sich vor allem im Soundtrack niederschlagen, dessen Angebot klassischen Liedguts immer wieder von moderneren, schwungvolleren Rhythmen aufgelockert wird, aber auch in der Integration jugendlicher Sympthiefiguren. Der Konflikt von Stadt und Land, der in Filmen wie GRÜN IST DIE HEIDE, DER FÖRSTER VOM SILBERWALD oder SCHWARZWALDMÄDEL noch zentral war (und natürlich stets zugunsten des Landes ausfiel), ist längst gelöst: Ein Städtchen wie Arnfeld ist auf den Besuch aus der Großstadt angewiesen und weiß das auch, die Stadtleute freuen sich, draußen in der Natur einen guten Tropfen zu verköstigen, und Helga und Fred schaffen es selbstverständlich, sich eine Karriere in der großen Stadt aufzubauen und für den Urlaub aufs Land zurückzukehren. Überhaupt nimmt man nicht mehr alles so verbissen: Die Jugend hat sich von der strengen Moral der Erwachsenen weitestgehend emanzipiert, entscheidet sich aber pünktlich zum Happy End aus ganz freien Stücken für die Legitimität der Ehe, sodass alle glücklich sind. Die Zeitenwende prägt diese Filme, die sich nicht mehr als echte Utopien verstehen, sondern ihre Daseinsberechtigung als lediglich vorübergehende Fluchtmöglichkeit gleich mitreflektieren.

Regisseur Hans Quest orientiert sich augenscheinlich stark an den Filmen, die Harald Reinl zu jener Zeit gedreht hatte: Mit DIE FISCHERIN VOM BODENSEE und DIE PRINZESSIN VON ST. WOLFGANG teilt DIE LINDENWIRTIN VOM DONAUSTRAND nicht nur die Hauptdarstellerin, sondern auch Plotstruktur und Figurenkonstellation sowie die Verbindung von Romantik, Lustspiel, Musik- und Tanzfilm vor der Kulisse eines attraktiven Urlaubsorts. Hier von Filmkunst zu sprechen, geht an der Sache natürlich meilenweit vorbei, vielmehr wurde den Zuschauern ein handliches Unterhaltungspaket geschnürt, das sie für 90 Minuten vom Alltag ablenken sollte. Das kann man gewiss schlechter machen: Marianne Hold ist hübsch anzusehen, Hans Moser ist auch ohne echte Pointen immer für einen Lacher gut und muss eigentlich nur Hans Moser sein, die Story ist genau so vorhersehbar, dass man mitfiebern kann (wenn man möchte), ohne dabei um seine Gesundheit fürchten zu müssen, die Musik geht ins Ohr und beißt sich da hartnäckig fest, während alles andere schon kurze Zeit später wieder vergessen ist. Fließbandware ja, aber eben „mit Herz“.

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