his girl friday (howard hawks, usa 1940)

Veröffentlicht: Oktober 5, 2015 in Film
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Mit von einer Erkältung vermatschter Birne ist HIS GIRL FRIDAY beinahe schon als schwere Kost zu bezeichnen: Die wie Maschinengewehrsalven abgefeuerten Dialoge prasselten gestern unablässig und mit hohem Tempo auf mich ein und wirkten über die Dauer von 90 Minuten ganz schön ermüdend. Danach konnte ich nur noch erschöpft ins Bett sinken, buchstäblich totgequatscht. Hawks‘ Adaption des Bühnenstücks „The Front Page“ – das Billy Wilder 34 Jahre später unter seinem Originaltitel verfilmte – erlaubt sich gegenüber dem Original eine entscheidende Änderung: Aus dem Starjournalisten Hildebrand Johnson wurde kurzerhand eine Hildy (Rosalind Russell), dem Zeitungsredakteur Walter Burns (Cary Grant) geht es mithin nicht mehr nur darum, seinen besten Schreiber zu halten, sondern auch seine Ex-Frau zurückzugewinnen, bevor diese mit ihrem Verlobten Bruce Baldwin (Ralph Bellamy) in die Flitterwochen reist.

Der Fall des armen Tropfs Earl Williams (John Qualen), der im Gefängnis auf seine Hinrichtung wartet, die dem noch amtierenden, aber schwächelnden Bürgermeister (Clarence Kolb) und seinem Sheriff (Gene Lockhart) die nötigen Wählersympathien einbringen soll, ist für die eigentlich zum Abschied vom Reporterberuf entschlossene Hildy aber auch zu verlockend; vor allem, als dem vermeintlichen Mörder die Flucht gelingt und er ihr geradewegs in die Arme läuft. Da sind alle guten Vorsätze für ein ruhiges Leben mit dem braven Versicherungskaufmann Bruce schnell vergessen, lernt sie auch die messerscharf geführten Rededuelle mit dem Windhund Walter wieder zu schätzen. Am Ende haben die beiden die Exklusivstory unter Dach und Fach gebracht, das Leben des Todgeweihten gerettet, dem korrupten Bürgermeister die Tour vermasselt und den Grundstein für die Fortführung ihrer Horrorbeziehung gelegt. Harmonie und Langeweile, die Hildy mit Bruce erwartet hätte, ist ganz einfach nichts für sie.

Die Screwball-Komödie ist bekannt für schlagfertige, ausgefeilte DIaloge und hohes Tempo, aber selbst innerhalb dieser Parameter dürfte HIS GIRL FRIDAY noch als Extrembeispiel gelten. Die Protagonisten lassen sich kaum einmal ausreden, schießen ihre hoch pointierten Zeilen ohne Pausen ab und geben dem Zuschauer kaum die Zeit, das Gesagte einmal zu verarbeiten oder auch nur wirken zu lassen, bevor schon der nächste Gag einschlägt. In einem Gespräch mit Peter Bogdanovich verriet Hawks, dass alle Dialoge so geschrieben worden waren, dass Anfang und Ende der jeweiligen Sätze gewissermaßen „unwichtig“ waren: Sie waren lediglich zur „Überlappung“ da, also dazu, den Eindruck eines Gesprächs zu erwecken, in dem keiner darauf wartet, dass der andere ihm das Wort überlässt. Das wirkt nicht nur realistisch, sondern führt auch dazu, dem ausschließlich in geschlossenen Räumen spielenden Film jenes Tempo zu verleihen, für das sonst die Bewegung zuständig wäre. Es hat aber noch einen anderen Effekt: Nicht nur wird so der Beruf des Journalisten höchst kritisch gezeichnet, als einer, in dem es nichts so sehr auf das „Was“ ankommt, sondern vor allem darum, dieses am schnellsten unters Volk zu bringen, auch die beiden Protagonisten kommen nicht gerade gut weg. Walter Burns ist ein Zyniker und Opportunist wie er im Buche steht, wechselt auch schon einmal die politische Überzeugung, wenn er sich davon etwas verspricht, lügt und betrügt seinen Gegenüber, wo er nur kann, oder quasselt ihn einfach gegen die Wand. Hildy hat vielleicht weniger kriminelle Energie, aber ebenfalls die Gabe, sich mit scharfen Zähnen in eine Sache zu verbeißen und sie nicht mehr loszulassen, wenn sie einmal Blut geleckt hat. Die beiden sind ein echtes Albtraumpaar, und dass sie einander am Ende wiederhaben, ist eigentlich die gerechteste Strafe für sie. Das Loblied auf die Errungenschaften der Presse, eine der wichtigsten Instanzen demokratisch organisierter Gesellschaften, das etwa Samuel Fuller oft gesungen hat, wird unter Hawks‘ Regie zur dissonant tönenden Farce: Der Einsatz von Walter und Hildy rettet dem armen Earl Williams am Ende zwar das Leben, aber ihnen könnte kaum weniger daran gelegen sein. Der nächste wird von ihnen gnadenlos an den Galgen geschrieben werden, wenn das die bessere Story ergibt.

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Kommentare
  1. Ghijath Naddaf sagt:

    Ich stehe mit dieser Meinung wahrscheinlich allein da, aber mir ist Wilders Version lieber.
    Ich halte es eben nicht für eine gute Idee, aus Hildy eine Frau zu machen, nur um der brillianten
    Story eine unpassende Love Story überzustülpen.
    Ausserdem sind Lemmon und Matthau unschlagbar.

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