venom (piers haggard, großbritannien 1981)

Veröffentlicht: Oktober 9, 2015 in Film
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Pubikone, Kampftrinker, Suffprügler und Dampfplauderer Reed gemeinsam mit dem cholerischen, koksenden Ego- und Erotomanen Kinski in einem Thriller über ein Kidnapping gone wrong: Das liest sich auf dem Papier nach einem absoluten must see. Dachten sich wohl auch Produzent Martin Bregman (u. a. SCARFACE) und Regisseur Piers Haggard, zumal sie auch noch Veteran Sterling Hayden, Schmollmund Susan George und eine schwarze Mamba für ihren Film gewinnen konnten. Reed und Kinski waren, Berichten zufolge, higegen nicht ganz so begeistert voneinander, um nicht zu sagen: Sie hassten sich mit Inbrunst. Kein Wunder: Reed favorisierte eine geradlinige Art, hing am liebsten mit einfachen Leuten im Pub rum und liebte es, Wichigtuer auf Normalmaß zurechtzustutzen. Kinski passte mit seinen künstlerischen Prätentionen und seiner Großmäuligkeit genau in Reeds Beuteschema.

Eigentlich nicht die schlechteste Voraussetzung für einen Thriller, in dem es nicht zuletzt um die wachsenden Spannungen zwischen zwei Komplizen geht: Über seine Freundin, das Kindermädchen Louise (Susan George), nimmt der Chauffeur und Kleinkriminelle Dave (Oliver Reed) Kontakt zum deutschen Schwerverbrecher Jacmel (Klaus KInski) auf, der ihnen helfen soll, den Sohn zu entführen. Dummerweise wurde dem beim Kauf seiner neuen Hausschlange eine giftige schwarze Mamba mitgegeben. Als die gefährliche Verwechslung nur wenig später auffällt, steht die Polizei vor der Tür und Im entstehenden Durcheinander fällt erst Louise dem TIer zu Opfer, das danach entkommen kann, und dann der Cop einem Schuss aus Daves Waffe. Es kommt zur Belagerungssituation, der vor allem Dave nicht gewachsen ist.

Haggard inszeniert kompetent, produziert letzten Endes aber nur nettes Mittelmaß. Sein größtes Versäumnis ist es wahrscheinlich, die gegenseitige Antipathie seiner beiden Hauptdarsteller nicht besser für seine Zwecke genutzt zu haben. Überhaupt verpufft die tolle Besetzung mit zwei der größten Charakterköpfe, die das Kino jener Zeit zu bieten hatte, nahezu wirkungslos. Weder Reed noch Kinski bekommen wirklich etwas zu tun, erhalten im Räderwerk des überkonstruierten Films einfach zu wenig Raum, um sich entfalten zu können. Das Gimmick des Films, die schwarze Mamba, erweist sich als sein größter Hemmschuh. Anstatt eben die wachsenden Spannungen unter den Schurken zur eigentlichen Triebfeder der Suspense zu machen, ist es die durch die Lüftungsschächte kriechende Giftschlange, der Haggard zu allem Überfluss auch noch etliche reichlich alberne Subjektiven schenkt. Doch so tödlich sein Biss auch sein mag: Das Reptil gibt als zentrale Bedrohung einfach nix her und je mehr der Film vom Gegenteil überzeugt ist, umso alberner wirkt er. Das Kriechtier taucht durch Zufall immer am richtigen Ort auf und seine bloße Anwesenheit versetzt alle schon in kreischende Panik. Man sollte meinen, es reiche aus, einfach mal mit einem Stuhl kräftig draufzuhauen, aber auf diesen exzentrischen Einfall kommt tatsächlich niemand. Diese Unfähigkeit beschert dem Film dann wenigstens einen schauspielerischen Höhepunkt, nämlich Kinskis entfesselte Sterbeszene, die einfach kein Ende nehmen will. So schließt VENOM zwar dramaturgisch clever mit seiner besten Szene, aber unterm Strich ist das immer noch zu wenig.

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Kommentare
  1. Marcos sagt:

    Den hab ich damals mit meinen Großeltern in den 80ern auf Video gesehen. Stolz wie Oskar, dass wir uns den zusammen ansahen (und ich das nicht heimlich machen musste).

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