kick-ass 2 (jeff wadlow, großbritannien/usa 2013)

Veröffentlicht: November 6, 2015 in Film
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Überraschung: KICK-ASS 2 fand ich tatsächlich um Längen besser als den ersten Teil. Nicht, dass er aus gänzlich anderem Holz geschnitzt wäre. Wieder gibt es das Nebeneinander von happigen Splattereffekten und deutlich sexuell aufgeladenem, betont unkorrektem Slapstick-Humor, wieder werden Superhelden-Klischees und popkulturelle Phänomene referenziert und durch den Kakao gezogen, das alles in effektlastiger Hochglanzoptik verpackt und mit Hitsoundtrack garniert. Statt Nicolas Cage absolviert nun Jim Carrey den Nebenrollen-Starauftrit, wieder zähle ich garantiert nicht zur Zielgruppe, wieder wendet sich der Film an die Nerds, die die Verästelungen des Marvel’schen Civil-War-Zyklus durch alle Heftserien runterbeten können und für die jeder Film mit einer durchschnittlichen Einstellungslänge von mehr als drei Sekunden ein unerträglicher Langweiler aus Opas Mottenkiste ist. Eigentlich müsste ich KICK-ASS 2 also mindestens genauso ätzend finden wie den Vorgänger. Aber dem ist eben nicht so. Was ist passiert?

Wadlow ist das gar nicht mal so kleine Kunststück gelungen, einen Film zu machen, der entschieden „meta“ ist, aber gleichzeitig trotzdem von jenem echten Interesse für seine Figuren geprägt ist, das ich in Vaughns KICK-ASS am meisten vermisst habe. Die Distanz, die Wadlow durch seine Haltung zur Geschichte um die Alltagsmenschen, die zu „Superhelden“ werden, schafft, ermöglicht es ihm gerade, genauer hinzuschauen. Am deutlichsten wird das in seiner Behandlung der 15-jährigen Hit Girl (Chloe Grace Moretz), deren schwere Traumatisierung nun nicht mehr länger ignoriert oder gar verleugnet wird, sondern zum dramatischen Zentrum des Films avanciert. Mehrfach wird explizit gesagt, das ihr Vater, der sie zur eiskalten Killerin erzog und selbst mit ihr als Superheld „Big Daddy“ durch die Stadt zog, ein Wahnsinniger war, die Ausbildung, die er seiner minderjährigen Tochter angedeihen ließ, einem Missbrauch gleichkam. Hit Girl bzw. Mindy kämpft über weite Strecken mit den Folgen, bemüht sich verzweifelt um Normalität, freilich ohne Erfolg. Der Titelheld bzw. der jugendliche Dave (Aaron Taylor-Johnson), der hinter der Maske steckt, ist eigentlich nur noch das „Fenster“, durch das wir auf die Filmwelt schauen, ein New York, in dem es keinerlei echte Entfaltungsmöglichkeiten mehr zu geben scheint. Das Superheldentum ist nicht so sehr eine Antwort auf die grassierende Kriminalität (die in KICK-ASS 2 eigentlich gar keine Rolle mehr spielt), sondern auf eine Gesellschaft, die gar keinen Individualismus mehr zulässt und alles dem Leistungsdiktat unterwirft. Die implizit enthaltene Kritik am Umgang mit der Jugend, der nicht etwa Handlungsoptionen eröffnet werden, sondern die schon früh auf Linie gebracht wird, beim bösen Spiel nur noch mitspielen oder sich verweigern kann, wird leider nie wirklich ausformuliert oder verfeinert: Am Ende läuft alles wieder auf die platte und daher wenig Orientierung bietende Maxime heraus, dass man seinem Herzen folgen und der sein soll, der man ist. Dass dieses vermeintliche „Sein“ etwa Hit Girls oder des Motherfuckers, der Superschurkenidentität, die Chris D’Amico (Christopher Mintz-Plasse) nun annimmt, um das Erbe seines Vaters aus dem ersten Teil anzutreten, eben auch von außen übergestülpt, die Idee, sich eine Cape umzuschnallen und einen Kampfnamen zu verpassen, durch eine wie geölt laufende Industrie implantiert wurde (die nach Jahrzehnten der gescheiterten Versuche den Sprung vom Papier auf die Leinwand endlich geschafft hat), das übersieht der Film geflissentlich. Er ist am Ende eben auch nur ein Produkt.

Aber man ist ja schon für jeden Fortschritt dankbar. KICK-ASS 2 ist nicht weniger grell und schrill als der Vorgänger, der Sequellogik folgend ein gutes Stück größer und knalliger, aber er verliert eben den Wald nicht vor lauter Bäumen aus dem Blick. Dass er trotzdem  keine echten Antworten parat hat und am Ende vor jeder Konsequenz zurückschreckt, liegt in der Natur der Sache. Er kann seine Maske ebenso wenig ablegen wie Hit Girl.

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