force of execution (keoni waxman, usa 2013)

Veröffentlicht: November 7, 2015 in Film
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Steven Seagals Persona ist ein nie versiegender Quell der Faszination. In den fast 30 Jahren, die seine Laufbahn als Actiondarsteller nun schon andauert, hat er unaufhörlich an seinem Image gestrickt, Elemente seines „wahren“ Lebens in seine Filme einfließen lassen (und wahrscheinlich umgekehrt) und im Grunde genommen immer dieselbe Figur gespielt: den weisen, desillusionierten professional, der die Geheimdienste und Schlachtfelder der Welt kennt wie seine Westentasche, ob sie nun im Nahen Osten oder den Gehttos der USA liegen, in der Kunst des schnellen, lautlosen Tötens versiert ist, sein Seelenheil in fernöstlicher Religion und Meditation sucht, den alten Kulturen seinen Respekt bezeugt, und Kind und Tier nähersteht als Seinesgleichen, die er als korrupt, verräterisch, egoistisch und hinterhältig kennengerlernt hat. Zwar hat er dieses Bild im Lauf der Jahre immer wieder um die ein oder andere Nuance ergänzt, je nach den Anforderungen Facetten stärker betont oder unter den Tisch fallen lassen, aber nie ist eine seiner Rollen wirklich von dem mit ABOVE THE LAW eingeschlagenen Weg abgewichen. Steven Seagal ist immer Steven Seagal. Sogar wenn er, wie hier, einen Gangsterboss spielt.

Keoni Waxman, ein enger Vertrauter Seagals, der mit dem nunmehr 63-Jährigen bereits die Filme THE KEEPER, A DANGEROUS MAN, MAXIMUM CONVICTION und A GOOD MAN sowie die Serie TRUE JUSTICE gedreht hat, weiß sehr genau, dass die Zeiten, in denen man dem Star mit der Kamera hinterher lief und ihn bad guys in Reihe verdreschen ließ, schon seit einigen Jahren vorbei sind. Seagal gefällt sich heute eher in der Rolle des elder statesman, ist dem weltlichen Treiben entrückt und lässt anderen seine Weisheit zuteil werden, die für ihn die Arbeit machen. In FORCE OF EXECUTION hat er streng genommen nur eine Nebenrolle und wenig Screentime, aber er bildet dennoch das Gravitationszentrum, um das der Film kreist. Und natürlich spielt es gar keine Rolle, dass er ein Gangster ist. Der Seagalologe weiß ja längst, dass sich die Welt nicht mehr so leicht in Gut und Böse einteilen lässt, sich die auf entgegengesetzten Seiten des Gesetzes stehenden Kontrahenten oftmals eher wie Spiegelbilder zueinander verhalten. Insofern versieht Seagal auch seinen alternden Crimelord Alexander Coates (von allen nur „Mr. Alexander“ genannt) mit all jenen Eigenschaften, die seine „Helden“ üblicherweise ausziechnen: Er bewegt sich sicher auf der „street“, wird demnach von Schwarzen, Asiaten und Hispanics als „Bruder“ respektiert, deren Lingo er aus dem FF beherrscht, verfügt über ein gewaltiges Waffenarsenal und genaues Wissen über die jeweiligen Vor- und Nachteile, ist ein mit allen Wassern gewaschener Geschäftsmann, versteht sich auf Werte wie „Ehre“ und „Respekt“ und ist ebenso versiert im bewaffneten wie unbewaffneten Konflikt. Außerdem ist er von dem ständigen Hin und Her genervt: Materielle Dinge interessieren ihn genauso wenig wie Macht, also möchte er aussteigen, um irgendwo im Einklang mit seinem inner self den Ruhestand zu feiern. Natürlich macht sein Widersacher, der Crip Iceman (Ving Rhames) da nicht mit, lässt es lieber auf einen Kampf ankommen, anstatt das Angebot Alexanders anzunehmen, und ihn auszuzahlen. Der Finalkampf, in dem die Männer Alexanders auf die Iceman-Gang treffen, findet im Keller von Alexanders im spanischen Stil gehaltenen Villa statt, der seltsamerweise genauso aussieht, wie die anonymen Fabrikhallen und Maschinenräume, in denen DTV-Actioner gern enden: Lauter riesige, nahezu vollkommen leeren Räume, neonbeleuchtete Gänge mit Rohren an den Wänden, hier und da steht mal eine Europalette rum, die mit seltsamen Kisten bestapelt ist. Hier hat Alexander natürlich leichtes Spiel: Wie in A GOOD MAN läuft Seagal rum wie ein SWAT-Polizist oder Scharfschütze. Die lustigen Jacken, die er früher bevorzugt hat, hat er nun gegen schwarze Army-Klamotten und kugelsichere Weste, verkehrtrum aufgesetzte Cap und Streberbrille eingetauscht. Verwirrendstes Accessoire ist das Palästinensertuch, das er um den Hals gewickelt hat, und mit dem er ein bisschen wie ein aufgedunsener Hipster aussieht.

Der eigentliche Protagonist des Films ist Alexanders ehemaliger henchman Hurst (Bren Foster), der nach einem Fehler bestraft und ausgestoßen wird und fortan ein trauriges Dasein als Pener mit gebrochenen Händen fristet. Er freundet sich mit dem mexikanischen Koch Oso (Danny Trejo) an, der in den Kampf zwischen Alexander und Iceman gerät (warum, habe ich irgendwie verpasst), aber auch ein witchdoctor ist und Hursts Hände mithilfe einer Skorpion-Spezialtherapie binnen Stunden wieder wie neu macht. Am Ende kommt Hurst seinem alten Mentor zu Hilfe und wird von diesem begnadigt. Foster ist Tae-Kwon-Do-Weltmeister erinnert optisch an eine Mischung aus Colin Farrell und Scott Adkins und sorgt dafür, dass FORCE OF EXECUTION nicht zum Klassentreffen der hüftsteifen Veteranen verkommt. Er sprüht nicht gerade über für Charisma, hat aber deutlich mehr Potenzial als seine Filmografie das bislang hergibt. Mal sehen, was da noch kommt. Selbiges gilt für Keoni Waxman: FORCE OF EXECUTION ist wie auch A GOOD MAN deutlich besser als der fürchterliche MAXIMUM CONVICTION, aber keinesfalls richtig gut. Es gibt einiges zu gucken, aber irgendwie fügt sich das alles nicht zu einem wirklich zufriedenstellenden Ganzen zusammen. Es liegt nicht zuletzt an der tollen Besetzung – speziell Ving Rhames ist klasse als steingesichtige Verkörperung von Souveränität und Coolness -, dass man FORCE OF EXECUTION am Ende als leicht überdruchschnittlich einstufen mag, einen M.A. in Seagalologie vorausgesetzt.

Kommentare
  1. Marcos sagt:

    FORCE OF CONVICTION hätte ich auch gern gesehen.😉

    • Oliver sagt:

      Solltest du auch unbedingt nachholen. Aber lass die Finger von MAXIMUM EXECUTION. Der ist schlimmer als Brechdurchfall mit Ohrensausen.🙂

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