hunt to kill (keoni waxman, kanada 2010)

Veröffentlicht: November 9, 2015 in Film
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„What an asshole!“ Das sagt die Teenagerin Kim (Marie Avgeropoulos) am Ende, als der schurkische Banks (Gil Bellows) eine unerwartete Wiederauferstehung feiert und Kims Vater Jim (Steve Austin), seines Zeichens ehemaliger Grenzpolizist und jetziger Mountain Man, manisch lachend und schreiend zum letzten Duell herausfordert. Der hat die Faxen auch ziemlich dicke, steigt mit dem titelgebenden Oneliner „When I hunt, I hunt to kill“ auf sein Quadbike, rast kurzentschlossen in den kreischenden Nervbolzen hinein, nagelt ihn so gegen eine Wand und bringt ihn mitsamt des Gefährts durch einen gezielten Pistolenschuss zur Explosion. Es ist der lauteste und grellste Augenblick in einem Film, der über seine 98 Minuten Laufzeit von der stoischen Miene und dem granitenen Muskelberg seines Hauptdarstellers sowie der seit Jahrtausenden ungerührt daliegenden Berg- und Waldwelt Montanas (gedreht wurde weiter nordwestlich in British Columbia) bestimmt werden würde, wenn dieses „Asshole“ nicht immer wieder dazwischenfunkte. Man weiß nicht genau. ob Jim Rhodes da den Bösewicht Banks bestraft, der ihn und seine Tochter bedroht hat, oder Steve Austin den Darsteller Gil Bellows dafür, dass der ihm den schönen Film mit seiner Chargiererei kaupttgemacht hat.

HUNT TO KILL beginnt mit einer Rückblende, in der Jim seinen Partner Davis (Eric Roberts) bei einem Routineeinsatz durch eine Unachtsamkeit verliert. Ein schön gesetzter Schnitt führt den Zuschauer vier Jahre in die Zukunft und den Cop in die Regenwälder des pazifischen Nordwestens, wo er als Mountain Man und Survivalist seine Wunden leckt. Es kommt, wie es kommen muss: Eine Bande von Verbrechern sucht einen abtrünnig gewordenen Partner, der sich mit der Beute verkrümelt hat, und die Spur führt sie natürlich in Jims Heimat, wo sie ihm mit der Geisenahme der aufmüpfigen Tochter keine andere Wahl lassen, als ihnen bei der Suche zu helfen. Waxmans Film folgt dem mit dieser ausgelutschten Prämisse vorgegebenen Handlungsverlauf geradezu sklavisch, kann demzufolge nicht mit Überraschungen oder gar echter Spannung punkten, aber eben mit der überaus reizvollen Waldkulisse, in die die menschgewordene Urgewalt Steve Austin sich vervorragend einfügt. Schade, dass HUNT TO KILL erst in der letzten halben Stunde dazu kommt, ihn sich das Gesicht schwärzen, mit einer Hightech-Armbrust und selbstgeschnitztem Speer ausrüsten und im Raubtiermodus durch den Wald jagen zu lassen, denn in diesen Szenen ist Waxmans Film eine Schau. Stattdessen verschwendet er aber viel zu viel Zeit mit den Konflikten der zerstrittenen Gangster und damit, Banks als echten Psychopathen herauszustellen. Das ist der Hauptfehler: Gil Bellows ist ein guter Schauspieler, aber als Oberschurke eine absolute Fehlbesetzung. Wenn er augenrollend und geifernd den unberechnebaren Killer mimt, wirkt er einfach nur nervtötend: Eine echte Bedrohung geht nie von ihm aus, was der Spannung auch nicht gerade zuträglich ist. Man weiß einfach, dass Steve Austin ihn mit zwei Handgriffen in eine Herrendhandtasche verwandeln wird, ohne dabei überhaupt in Schweiß auszubrechen. Besser kommt da schon Gary Daniels als Banks Partner Jensen weg: Der Kampf zwischen Austin und Daniels ist dann auch der actiontechnische Höhepunkt des Films, der für den Hochspannungsthriller, der er sein will, einfach viel zu vorhersehbar ist.

So bleibt als Fazit: HUNT TO KILL kann man sich anschauen, am besten auf dem Rechner, und dann die schönsten Naturaufnahmen als Wallpaper abspeichern. Keine totale Zeitverschwendung und schon gar kein echtes Ärgernis, aber definitiv auch kein Muss.

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