tactical force (adamo p. cultraro, kanada 2011)

Veröffentlicht: November 9, 2015 in Film
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Nach HUNT TO KILL der nächste eher mittelprächtige Film um den ehemaligen Profi-Wrestler Steve Austin, der diesmal aber leider keine Aufwertung durch eindrucksvolle Naturaufnahmen erfährt. Der Plot, der sich um ein vierköpfiges SWAT-Team dreht, das sich bei einer Übung plötzlich mit einer Bande schießwütiger Schwerkrimineller konfrontiert sieht, läuft wieder einmal weitestgehend überraschungsfrei ab. Weder ist TACTICAL FORCE auch nur im Geringsten spannend, noch reißt einen die Inszenierung der Actioneinlagen vom Hocker. Heute, an einem verpennten Nachmittag, war das durchaus ganz adäquat und als Genrefan nehme ich auch solches Füllmaterial ganz gern mit, aber ein bisschen mehr Leben hätte es schon sein dürfen. TACTICAL FORCE lässt jegliche Details, die einem das Geschehen irgendwie nahebrächten, fast komplett vermissen. VIelleicht ist das auch ein Problem von Hauptdarsteller Steve Austin, der als stoischer Mann fürs Grobe nicht gerade der größte Spaßmacher des Fimbiz ist. Er arbeitet sich mit größtmöglicher Effizienz durch seinen Output und ist dabei gewiss nicht unsympathisch, aber echte Spuren lässt er nicht. Er hat noch keine echte Persona für sich entwickelt, kein Profil, und so lange sich das nicht ändert, ist er extrem von seinen Drehbüchern abhängig. Der großartige DAMAGE hat gezeigt, wohin die Reise gehen könnte, ist aber bisher leider eine Ausnahme in Austins Filmografie geblieben.

TACTICAL FORCE fängt immerhin sehr witzig und einigermaßen seltsam an, nämlich so als handele es sich um eine Parodie von Cop-Action-Filmen. Mit seinem Team nimmt der SWAT-Leader Tate (Steve Austin) einen Supermarkt und die Gang auseinander, die ihn überfallen, Angestellte und Kunden als Geiseln genommen hat. Am Ende sind die Schurken allesamt tot, diverse Unschuldige verletzt, das Geschäft vollkommen verwüstet. Der wutentbrannte Chef verdonnert die vier uneinsichtigen Cops zum Nachsitzen, wo sie sich gegenüber dem Dozenten verhalten wie schwer erziehbare 13-Jährige mit ADS. Es ist eine wunderbare Szene, weil sie so unverhohlen klar macht, worum es im Actionfilm nicht zuletzt geht: Eben nicht darum mit Maß und Weitsicht zu operieren, sondern mit massiver Feuergewalt und maximaler Zerstörungswut. Der bemitleidenswerte Ausbilder ist angesichts der idiotischen Vorschläge und der Beratungsresistenz von Tate und seinen Partnern mit seinem Latein völlig am Ende, während die reichlich spätpubertären Rüpel sich für ihre Dummheit high fives geben. Cultraro geht nicht etwa auf Distanz zu seinen Protagonisten, ihr Verhalten soll den Zuschauer im Gegenteil Bewunderung abnötigen. Was für geile Typen! Der infantile Blödsinn geht weiter, als sich die Vier anschließend zu einer Übung an einem verlassenen Flugplatz einfinden. Diese Übung, so will uns der Film glauben machen, findet unter Ausschluss jeder Kontrollinstanz oder Überwachung statt, die Polizisten dürfen im Gegenteil ganz allein Cowboy und Indianer spielen. Das ist dann die Ausgangssituation für den folgenden Konflikt: Denn die Cops sind lediglich mit Trainingsmunition ausgestattet und gegen die Gangster, die sich bald einfinden, zunächst machtlos. Aber das wird natürlich nicht lang so bleiben.

Sobald die Belagerungssituation eintritt, ist es mit dem Spaß vorbei, denn TACTICAL FORCE wird ab diesem Zeitpunkt zum bemühten Actioner ohne echte Vision. Inszenatorische Eleganz darf man nicht erwarten, filigrane Kampfchoreografien gestattet Steve Austins kantiger Körper auch nicht, und so wird die gute alte Brechstange ausgepackt. Das muss nicht unbedingt ein Nachteil sein, aber ist in der hier vorliegenden Form eher Unzulänglichkeit als ästhetische Entscheidung.

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