puncture wounds (giorgio serafini/james coyne, usa 2014)

Veröffentlicht: November 11, 2015 in Film
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A-Certain-Justice-2014„Shrinks call it ,Post Traumatic Stress Disorder‘. I call it ,Hell‘.“

PUNCTURE WOUNDS schickt den um Orientierung ringenden Afghanistan-Veteranen John Nuguyen (Cung Le) auf einen Rachefeldzug gegen Gangsterboss Hollis (Dolph Lundgren) und seine Männer. Nachdem John einer Frau zu Hilfe geeilt war und die Angreifer ins Krankenhaus geschickt hatte, ließ Hollis – um dessen Männer und Ex-Freundin es sich handelte – kurzerhand Johns ganze Familie auslöschen. Schwer bewaffnet, ausgebildet in tödlichen Nahkampftechniken und mit hohem strategischen Verständnis ausgestattet, geht John nun mit äußerster Härte gegen die Verbrecher vor. Weder sein Armykumpel J.P. (Jonathan Kowalsky) noch der Kriminalbeamte Mitchell (James C. Burns) können ihn von seinen Plänen abbringen. Im Gegenteil: Sie werden zu den willigen Gehilfen des Vigilanten.

Was PUNCTURE WOUNDS an inhaltlicher Tiefe und Aufrichtigkeit vermissen lässt – die psychische Disposition des Protagonisten ist kaum mehr als ein Feigenblatt -, das macht er in Brutalität wieder wett. Wenn John eine Bande gesichtsloser Drogenköche mit gezielten Messerstichen in den Hals auslöscht, er dem pädophilen Informanten eine Überdosis Pillen in den Hals schüttet und ihn sterbend zurücklässt oder er Hollis‘ Widersacher Bennett (Vinnie Jones) einer Folter unterzieht, die er sich während der eigenen Kriegsgefangenschaft von den Taliban abgeschaut hat, erreicht der Film eine Grausamkeit, die keinerlei kathartische Wirkung nach sich zieht. Man ist einfach nur geschockt, ob des gebotenen Schauspiels. Es wird bis zum Ende nicht klar, wie sich die beiden Regisseure zu ihrem Helden positionieren: Mehrfach wird betont, dass er außer Kontrolle geraten sei, Erinnerungen an seine Gefangenschaft plagen ihn und er scheint nicht fähig, an einem normalen Leben teilzuhaben. Der seit dem Krieg mit einer Beinprothese ausgestattete Freund redet ihm ins Gewissen, mahnt ihn zur Vernunft und fordert ihn auf, den Amoklauf zu beenden, doch das Finale, in dem sich alle über die Beseitigung von Hollis‘ Gang freuen, scheint ihm im Nachhinein Recht zu geben. Diese Strategie ist nichts Neues, wurde ja auch von Michael Winner für seinen DEATH WISH genutzt, doch der bittere Humor, der seine Aussage als beißende Ironie kenntlich machte, fehlt hier. Stattdessen kleistern Serafini und Coyne PUNCTURE WOUNDS mit den digitalen Stilmitteln der Intensified Continuity zu: Künstliche Unschärfen, Lense Flares, Wackelkamera und Schnittgewitter werden mal mehr mal weniger bemüht, ohne dass ein echtes ästhetisches Konzept dahinter zum Vorschein käme. Ihr Film soll vor allem „geil“ aussehen, was per se natürlich nicht verwerflich ist, in diesem Kontext aber durchaus zweifelhaft erscheint.

Trotzdem würde ich PUCTURE WOUNDS immer noch das Prädikat „sehenswert“ verleihen, weil es ja mittlerweile eher selten vorkommt, dass einen ein DTV-Actioner noch vor ideologische Konflikte stellt. Meist rasen die einfach nur so vorbei. PUNCTURE WOUNDS ist insgesamt leicht gehobener Durchschnitt und zeigt das Potenzial des Regisseurs-Duos, das bei der Postproduction künftig etwas mehr Zurückhaltung zeigen – merke: Nicht jedes zur Verfügung stehende Stilmittel muss auch eingesetzt werden. – und außerdem jemanden engagieren sollte, der zünftige Blood Squibs hinbekommt. Diese Digitalbluspritzer sind wirklich das allerletzte, wenn sie hier auch längst nicht so übel aussehen wie in CHAIN OF COMMAND. Lundgren-Fans werden sich indessen darüber freuen, ihr Idol mit Dschinghis-Khan-Schnurrbart und langen Haaren sehen zu dürfen, und MMA-Champion Cung Le (der mich an einen asiatischen Cuba Gooding erinnert) erweist sich nach John Hyams‘ DRAGON EYES zum zweiten Mal als gute Besetzung für gebrochene Charaktere. Ich würde ihn gern häufiger sehen.

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