surf II (randall m. badat, usa 1984)

Veröffentlicht: November 13, 2015 in Film
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Auf SURF II bin ich vor einigen Jahren über das Buch „Destroy all Movies!!! The complete guide to punks on film“ gestoßen. Wie auch Greydon Clarks JOYSTICKS gehört er einer Komödienspielart an, die in den Achtzigerjahren für kurze Zeit reüssierte, dann aber wenig später schon völlig überkommen war: der vulgär-zotigen Teenie-Gaga-Pop-Komödie. SURF II genießt in gewissen Kreisen, die den Film zu seinem Erscheinen erleben durften, einen kleinen Kultstatus, der aber weder ausreicht, ihm eine DVD-Auswertung zu bescheren, noch seinen IMDb-Schnitt über traurige 3,9 Punkte zu heben. Tatsächlich ist SURF II ein Film, der heute kaum noch zu verstehen ist, in seiner hysterischen Aneinanderreihung von hirnrissigen Popkulturreferenzen, minderbemitteltem Klamauk, enthüllten Brüsten, selbstzweckhaften Surferszenen und antiautoritärer Agitation wie von einem anderen Stern scheint. Die eloquenteste Gag sind tatsächlich der Titel des Films und die Tagline „the end of the trilogy“ – es gibt keinen ersten Teil zu diesem vermeintlichen Sequel – ansonsten wird dem Wahnsinn freier Lauf gelassen und jedem noch so hirnrissigen Impuls nachgegeben. SURF II ist anstrengend und gewiss nicht „spannend“, aber durchweg faszinierend und ansteckend in seiner Gleichgültigkeit für das, was man als „Niveau“, „guten Geschmack“ oder auch nur „Sinnhaftigkeit“ bezeichnet.

SURF II spielt in einer nicht näher genannten amerikanischen Westküstenstadt, in der Surfen Freizeitbeschäftigung Nummer eins ist und streng genommen die Basis des gesamtgesellschaftlichen Lebens. Das schöne Leben erhält einen Dämpfer, als mehrere jugendliche Surfer auf dem Meer verunglücken und die inkompetenten Polizisten den Strand sperren. Hinter den Unfällen steckt der geekige mad scientist Menlo (Eddie Deezen), der einst Opfer gemeiner Späße wurde und nun aus Rache mit der von ihm erfundenen „Buzzz Cola“ zurückschlägt, die alle, die sie trinken, in Punkrock-Zombies verwandelt. Zwei Kids (darunter ein junger Eric Stoltz mit langer Surfermatte), deren Väter mit Menlo gemeinsame Sache machen, nehmen den Kampf gegen die Bedrohung auf.

Aus diesem Stoff hätte man ja durchaus eine geradlinige Genrekomödie machen können, doch Regisseur Badat hatte daran wohl eher wenig Interesse. Der Plot ist nur Anlass für einen wilden Amoklauf, jede Szene mündet binnen kürzester Zeit in wüste Alberei und die Trefferquote seiner Gags ist eher mitleiderregend, was ja an sich schon wieder ziemlich komisch ist. Meist bewegt sich der Humor des Films auf der Ebene geplatzter Hosen, verfressener Fettsäcke oder dämlicher Erwachsener, aber es gibt auch einige hellsichtige Momente, etwa wenn einer der Zombiesurfer obduziert und dabei ein Schild mit der Aufschrift „Orca“ zutage gefördert wird. Eine schöne Einstellung zeigt die beiden komplett identisch aussehenden Wohnküchen im Haus der jugendlichen Protagonisten in einer Splitscreen-Einstellung, in denen darüber hinaus exakt das gleiche passiert, sogar die Dialoge synchron ablaufen. Später dann stellt sich heraus, dass es gar keine Splitscreen-Einstellung war, sondern beide Familien wirklich so nebeneinander leben. Solche Perlen gibt es häufiger, aber man muss lang und ausdauernd im Schlick wühlen, um sie zu bergen. Apropos Schlick: Ein Gross-out-Höhepunkt ist das Wettessen eines Zombies mit dem obligatorischen Dicken: Die beiden laben sich da ausdauernd an einer graugrünen Lache von öligen Meeresabfällen, toten Fischen und schleimigen Algen, was tatsächlich ziemlich eklig ist. Und dann ist da noch Hackfresse Eddie Deezen, ein Komiker, der sich dank seiner absurden Physiognomie für eine kurze Phase in den Achtzigerjahren einiger „Popularität“ erfreute (heute ist er überiwegend als Synchronsprecher für Cartoons tätig). Er verkörpert den „Geist“ von SURF II in Reinkultur: den Glauben an die grelle Oberfläche, ans wilde Geschrei und ans Chaos, an die natürliche Lustigkeit von Verrenkungen, Grimassen, dummen Erwachsenen und dicken Leuten. Die Kunst besteht wohl darin, dass SURF II eine Art eigener Realität schafft und nicht bloß wie der misslungene Versuch einer „richtigen“ Komödie wirkt. Niveaulose Klamotten gibt es auch heute noch, Filme wie diesen hier eher nicht. Ich bedauere das.

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