southpaw (antoine fuqua, usa 2015)

Veröffentlicht: November 18, 2015 in Film
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Ein Innovator ist Antoine Fuqua sicherlich nie gewesen. Für seine Filme hat er immer auf archetypische Stoffe zurückgegriffen und diese einer sparsamen Modernisierung unterzogen. Aber in den vergangenen Jahren sind ihm mit dieser Methode immer wieder kleine Perlen gelungen, ich denke da vor allem an SHOOTER, BROOKLYN’S FINEST und THE EQUALIZER. Mit SOUTHPAW hat er sich nun an einem weiteren klassischen Hollywood-Genre versucht, dem Boxerfilm, ohne jedoch an seine Glanztaten anknüpfen zu können. Er fügt der bestehenden Schablone nichts wesentlich Neues hinzu, begnügt sich damit, die schon vor Jahrzehnten zur Perfektion gebrachten dramaturgischen und formalen Muster zu adaptieren, und kann sich dabei auf seine grandiosen Hauptdarsteller und die formidable Arbeit seines Stabs verlassen. Der Film funktioniert leidlich, aber er hinterlässt kaum Spuren.

Der Niedergang des amtierenden, ungeschlagenen Boxweltmeisters Billy „The Great“ Hope (Jake Gyllenhaal), eines aus einfachsten Verhältnissen an die Spitze gekommenen jungen Familienvaters, der ihn bis an den Nullpunkt führt, von dem aus er sich zurück ins Business und damit ins Leben kämpfen muss, ist vor allem ein Plotvehikel. Fast alle Boxfilme verwenden es in der ein oder anderen Variation, weil im obligatorischen Finalkampf mehr auf dem Spiel stehen muss als nur sportlicher Erfolg. (In einem Interview mit Stallone, das ich vor kurzem gelesen habe, sagte er, dass ROCKY langweilig gewesen wäre, wenn es nur um die Boxkarriere des Titelhelden gegangen wäre. Er musste auch das Mädchen kriegen.) So muss also Billy nicht nur den neuen Weltmeister schlagen, aus dessen Entourage in einem Handgemenge der tödliche Schuss auf Billys Frau Maureen (Rachel McAdams) abgefeuert worden war, der Billys Absturz einleitete, er kämpft auch für seine wirtschaftliche Zukunft und damit verbunden um das Sorgerecht für seine Tochter, die ihm nach einem Selbstmordversuch unter Drogeneinfluss abgenommen worden war. Und natürlich geht es auch darum, den Selbstrespekt zurückzuerlangen, sich zu beweisen, dass er das Leben auch ohn die Gattin meistern kann, die ihm alle Sorgen abgenommen hatte, dass er sich weiterentwickelt hat, dass er nicht immer wieder dieselben Fehler machen wird. Dass diese Dramaturgie funktioniert, wurde zigfach unter Beweis gestellt: Die Stilmittel, die im Finalkampf dafür sorgen, dass sich die Pulsfrequenz erhöht und die Handflächen feucht werden, dieser Wechsel von langen und kurzen Einstellungen, das Einbinden der reaction shots von Publikum, Trainer und Vertrauten, der Blick auf die Klingel und die Nummerngirls, die den Ablauf der Zeit symbolisieren, die Zeitlupen und Montagen, ja selbst der Verlauf des Kampfes selbst, haben schon besagtem ROCKY zu seinem durchschlagenden Erfolg verholfen und verfehlen auch hier nicht ihre Wirkung. Und wenn Billy am Ende seine Tochter in den Arm schließen kann, werden nicht nur Vätern die Augen feucht. Aber der Weg dahin, der fühlt sich forciert, unglaubwürdig, übertrieben und klischeehaft an.

Wenn da behauptet wird, dass Billy nur kurz nach dem Tod der Ehefrau – und der erneuten Titelverteidigung – vor der Insolvenz stehe, ist man zur nötigen suspension of disbelief noch gern bereit, wenn ihm aber wenig später die Tochter weggenommen wird und er sie zum Abschied noch nicht einmal in den Arm nehmen darf, fühlt man sich als denkender Zuschauer doch etwas verschaukelt. Vom riesigen Lustschloss, das er mit seiner Familie bewohnte, führt der Weg direkt in eine supertristes Mietloch und dann als nächstes gleich ins gammlige Gym des halbblinden Boxphilosophen Tick Wills (Forest Whitaker), der Billy einen Job als Kloputzer (!) gibt und ihn mit den bekannten Tricks auf den Weg der Tugend zurückführt. (Whitaker reißt hier wieder einmal die Nummer ab, die ihm seit gut zwei Jahrzehnten ein einträgliches Einkommen einbringt, und man läge nicht daneben, beschriebe man seine Figur als rassistisches Klischee.) Am Ende dauert die „Odyssee“ Billys gerade einmal zwei, drei Monate, dann ist alles wieder im Lot. Hat er nochmal Glück gehabt, der Billy. Der ganze Build-up, den SOUTHPAW vollzieht, um sein Finale herbeizuführen, ist als Zuschauermanipulation so transparent, dass es einer Arbeitsverweigerung des Autors nahekommt. Fuqua kann sich das nur erlauben, weil er Gyllenhaal an Bord hat, mit dem man gern mitleidet, und manweiß, dass es am Ende ordentlich was auf die Fresse und die gewünschte Katharsis gibt. Trotzdem: SOUTHPAW ist eher enttäuschend.

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