the shamrock handicap (john ford, usa 1926)

Veröffentlicht: November 25, 2015 in Film
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pictureÜber THE SHAMROCK HANDICAP muss ich ausnahmsweise mal keinen ellenlangen Text verfassen. Es handelt sich um eine leichte Komödie, die ihre Flüchtigkeit schon in ihrer bescheidenen Laufzeit von gerade einmal 65 Minuten offenbart. Doch auch dieser kleine Film zeigt die sichere Hand Fords und widmet sich einigen seiner typischen Themen, lediglich der mythologisierende Impetus ist gänzlich abwesend.

THE SHAMROCK HANDICAP ist der erste der von mir gesehenen Ford-Filme, der den Zuschauer in die irische Heimat seiner Eltern entführt. Dort lebt der Gutsbesitzer Sir Miles O’Hara (Louis Payne) mit seiner Tochter Sheila (Janet Gaynor), dem Haushälterehepaar O’Shea (J. Farrell MacDonald und Claire McDowell) und dem Stallburschen Neil Ross (Leslie Fenton), der ein romantisches Interesse an Sheila hegt. Weil O’Hara die Schuldenlast drückt, muss er seine geliebten Pferde auf dem örtlichen Markt verkaufen. Der amerikanische Unternehmer Finch (Willard Louis) zeigt nicht nur Interesse an den Tieren, sondern auch an Neil, dem er eine ruhmreiche Karriere als Jockey in den USA verspricht. Neil sieht seine Chance und verspricht, als reicher Mann zurückzukommen und das Haus O’Haras zu retten. Doch gleich bei seinem ersten Rennen erleidet er einen Unfall, der ihn zum Krüppel macht.

THE SHAMROCK HANDICAP beleuchtet die Situation der Immigranten, die Gründe, warum sie ihre Heimat gen Amerika verlassen und welche Situation sie dort vorfinden. Ford schildert dies in kurzen vergnüglichen Episoden: Der Traum, das eigene Anwesen in Irland mit dem Geld von Neil retten zu können, platzt genauso schnell wie der, es in der neuen Welt zu Ruhm und Ansehen zu bringen. In einem kleinen Häuschen führen die fünf Erwachsenen ein bescheidenes Dasein, von dem sie sich aber nicht unterkriegen lassen. Die Solidarität unter den Übersiedlern ist groß und schnell finden sie Freunde unter den traditionell irischen Polizisten. Die Jockeys, mit denen Neil auch nach seinem Unfall noch Zeit verbringt, sind ein bunt zusammengewürfelter Haufen, unter dessen Mitgliedern es auch mal zur Keilerei kommt, aber insgesamt scheint das Wissen vorzuherrschen, dass alle gemeinsam in einem Boot sitzen. Und am Ende ergibt sich für Neil natürlich doch noch die Chance auf den großen Gewinn.

Fords Film ist vergnüglich, streckenweise anrührend – besonders die Beziehung des alten O’Shea zu einer Gans ist sehr süß – und mit dem ein oder anderen stilistischen Kniff versehen, etwa einer frühen Zeitlupe. Das Pferderennen bildet das große Finale, bei dem es einige rabiate Stunts zu sehen gibt, und visuell bezaubert vor allem der erste in Irland angesiedelte Akt mit urigem Naturidyll und alles in sanften Nebel hüllenden Unschärfen. Insgesamt würde ich THE SHAMROCK HANDICAP aber doch eher für ein vernachlässigbares Werk des Meisters halten.

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