pledge night (paul ziller, usa 1990)

Veröffentlicht: November 27, 2015 in Film
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Pledge Night CoverIch habe im Zuge meiner Abarbeitung der FRIDAY THE 13TH-Reihe geschrieben, dass es in den Slasher-Filmen m. E. weniger um die viel zitierte puritanische Abstrafung von Promiskuität und Drogenkonsum geht, sondern eher um die Mittelmäßigkeit der teenage experience als solcher. Das kommt logischerweise in solchenbilligen und schäbigen Vertretern des Genres besonders zum Vorschein. Seine Vorzeigeobjekte können noch mit schick ausgeleuchteten Settings, attraktiven Darstellern und überzeugenden Effekten über die allgegenwärtige Tristesse hinwegtäuschen, in ranzigen Billigstproduktionen wie HIDE AND GO SHRIEK oder eben PLEDGE NIGHT gelingt das hingegen nicht mehr. Der Film wurde von der einigermaßen renommierten Produktionsgesellschaft Shapiro Glickenhaus produziert, doch ich vermute, dass die mit der Produktion selbst nichts zu tun hatte und nur als Vertrieb fungierte. PLEDGE NIGHT – auch bekannt als A HAZING IN HELL – ist so gammelig, dass man kaum glauben mag, dass er erst 1990 veröffentlicht wurde. Und die Demütigungen, die die Fraternity-Anwärter im Film über sich ergehen lassen, um in die sagenumwobene Phi-Epsilon-Fraternity aufgenommen zu werden, muten umso fragwürdiger an, wenn man sich die räudig-staubigen Räumlichkeiten des „feinen“ Hauses und ihre höchst unattraktiven Bewohner anschaut. Wenn man für solch zweifelhafte Privilegien schon bereit ist, seine Menschenwürde aufzugeben, wie soll das dann später noch weitergehen?

PLEDGE NIGHT handelt in der gesamten ersten Hälfte seiner 80-minütigen Spielzeit von diesen Mutproben: Da müssen Cocktailkirschen zwischen den Arschbacken herumgetragen und dann gegessen werden, werden simulierte Brandings vorgenommen, ekelhafte Getränke, Würmer und Kakerlaken verabreicht und die Bewerber gezwungen, falsche Kackwürste aus dem Klo zu essen. Das alles immer mit dem hochtrabenden Hinweis auf militärischen Gemeinschaftssinn, Altruismus und Opferbereitschaft, der angesichts des Versagerdaseins, dass die großmäuligen Oberhäupter selbst führen, geradezu lachhaft anmutet. Das „Herrenzimmer“ zeigt zwar ein Wappen und ein stolzes Schwert, aber eben auch einen angestaubten Teppich, auf dem sich selbst ein Straßenköter zum Sterben nicht niederlassen wollte, die „Bar“ sieht aus wie eine aus Obstkisten zusammengezimmerte Abstellkammer und der „Boom Boom Room“, in den sich die Herrschaften zum Bumsen zurückziehen, zeigt ein vom Sperrmüll gerettetes Sofa unter dem Star Spangled Banner und verströmt so viel Gemütlichkeit und Romantik wie eine Wichskabine im Sexshop am Bahnhof.

Der Film thematisiert die Fragwürdigkeit des in manchen Staaten verbotenen Brauchs auch ganz explizit: Der Killer ist ein aus dem Jenseits zurückgekehrtes Opfer eines vor 20 Jahren schiefgegangenen Streichs, der ehemalige Geliebte der Mutter eines der heutigen Bewerber, die von diesem immer wieder als „Hippie“ diffamiert wird, der ja keine Ahnung vom Leben in der heutigen Leistungsgesellschaft hat. Die Jungs, die sich Zugang zur Fraternity erhoffen, sind tatsächlich der Meinung, mit erfolgreicher Absolvierung der Proben zu besseren Menschen zu werden und überdies ihre späteren Karrierechancen zu verbessern. Zweimal wird behauptet, dass 65 % aller Kongressmitglieder einst Mitglieder in College-Bruderschaften waren und ein Hazing durchlaufen hätten. Die wahre Motivation dahinter bleibt allerdings ungewiss: Die Engelsgeduld, mit der Ziller die unmenschlichen Praktiken im Stile einer typischen College-Komödie breittritt, legt nahe, dass er sie eigentlich selbst ganz witzig findet und die Ansicht vertritt, sie gehörten zum Erwachsenwerden dazu. Dass dabei auch mal was schief geht, räumt er ein, aber gut: Wenn man dran ist, ist man eben dran. Aber gerade diese Unreflektiertheit, diese Kluft zwischen Schein und Sein, die PLEDGE NIGHT auch formal manifestiert, machen ihn ja überhaupt erst so interessant. Es ist eben das zweifelhafte Privileg der Jugend, noch die armseligsten Späße für hilarious, die größten Arschgeigen für Vorbilder zu halten. Und das gilt ja auch für den Film selbst, eine handwerklich, inhaltlich und visuell unterirdische Darbietung, die sich trotzdem eines nostalgischen Kultstatus unter Zeitzeugen gewiss sein darf. Unter den Kommentatoren auf der IMDb-Seite finden sich auch einige Darsteller, die in Erinnerungen an die Dreharbeiten schwelgen. Man ahnt, dass der Film für alle ein großer Spaß war. Anthrax-Sänger Joey Belladonna hat einen damals sicher für spektakulär erachteten Gastauftritt als Hazing-Opfer, Songs der Kapelle dröhnen immer man wieder vom Soundtrack, der Klasiker „Metal Thrashing Mad“ wird in voller Länge ausgespielt. PLEDGE NIGHT ist auf sehr hellsichtige und entlarvende Art und Weise dumm, wie sie heute gar nicht mehr vorkommt. Das macht ihn sehenswert, für Slasher-Aficionados sowieso.

 

 

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