to all a goodnight (david hess, usa 1980)

Veröffentlicht: November 30, 2015 in Film
Schlagwörter:, , , ,

to-all-goodnight-blurayDer leider nicht mehr unter uns weilende David Hess, unvergessen als skrupelloser Soziopath Krug in Wes Cravens frühem Masterpiece THE LAST HOUSE ON THE LEFT und psychopathischer Anhalter in Pasquale Festa Campaniles kaum weniger brillantem AUTOSTOP ROSSO SANGUE, legte mit TO ALL A GOODNIGHT (schöner deutscher Titel: DIE NACHT, ALS KNECHT BLUTBRECHT KAM) seine erste und einzige Regiearbeit vor (von einem Doku-Short abgesehen), leistete seinen Beitrag zum seinerzeit reüssierenden Slasherfilm und, spezieller, zum Sub-Subgenre des Weihnachtsslashers.

Ich mochte den Film, was mich in Erklärungsnotstand bringt, denn TO ALL A GOODNIGHT ist alles andere als ein übersehenes und vergessenes Meisterwerk, er ist kein bizarrer Quertreiber, kein hintergründiger Schocker, keine formal herausragende Fingerübung, kein niederziehender, sprachlos machender Terrorfilm. Ganz im Gegenteil handelt es sich um ein Werk, das den Slasher-Konventionen geradezu sklavisch ergeben ist: Der kurze Prolog zeigt das zwei Jahre in der Vergangenheit liegende Unglück mit Todesfolge, das in der Gegenwart mittels einer Reihe blutiger Morde an einer Handvoll Mädchen und ihren Freunden gerächt wird. Schauplatz ist ein vornehmes Mädcheninternat während der Weihnachtsfeiertage und der Killer ein Unbekannter im Santa-Claus-Kostüm. Die weapons of choice sind Messer, Garotte, Armbrust, Wackerstein und Axt, und es ereilt die Unglücklichen zumeist nach bzw. vor dem Schäferstündchen oder auf dem Weg zum Kühlschrank, um den Dosenbiernachschub sicherzustellen. Am Ende überleben just die beiden, die sich zuvor als unsicher und sexuell unerfahren erwiesen haben, die Auflösung ist trotz eines Twists vorhersehbar und nur  wenig spektakulär.

Was unterscheidet also TO ALL A GOODNIGHT von anderen Slashern, die mir vielleicht weniger gefallen haben, etwa dem kürzlich gesehenen HE KNOWS YOU’RE ALONE? Es sind tatsächlich Hess‘ Inszenierung, die den Unterschied macht, kleine Nuancen in der Charakterisierung seiner Figuren. TO ALL A GOODNIGHT sieht viel besser aus als man das erwarten darf, lebt von der reizvollen Dissonanz zwischen der Weihnachtsthematik und dem sommerlich-kalifornischen Setting. Die Protagonisten, in diesem Genre üblicherweise leere Sprachflächen, die aufgrund ihres idiotischen „jugendlichen“ Verhaltens schnell nerven, fühlen sich hier doch ein wenig „echter“ an, was gewiss auch an den Darstellern liegt, die nicht ganz so hysterisch und überdreht agieren, wie man das aus vielen ähnlichen Filmen kennt. Hess tut auch gar nicht erst so, als erfände er das Rad neu: Er spult seinen Plot ohne große Umschweife ab, inszeniert vor allem seine Mordszenen „furztrocken“ und ohne großes Buhei. Wirklich spannend ist TO ALL A GOODNIGHT nicht, dafür ist er dann doch zu sehr einer bereits sattsam bekannten Formel verpflichtet, aber er nervt eben auch nicht mit fragwürdigem Unfug. Das reicht mir in diesem Fall.

 

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s