robocop 2 (irvin kershner, usa 1990)

Veröffentlicht: Dezember 3, 2015 in Film
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robocop_2_1Eins kann man den Machern von ROBOCOP 2 sicher nicht vorwerfen: Es sich mit der Fortsetzung zu Verhoevens einflussreicher, brutal-blutiger Action/Science-Fiction-Satire leicht gemacht zu haben. Für das Drehbuch engagierte man Frank Miller, zu jener Zeit ein noch unbeschriebenes Blatt in Hollywood, aber bereits immens erfolgreich mit seinen Arbeiten für die Comicverlage Marvel und DC, für die er Daredevil und Batman einer Generalüberholung unterzogen hatte. Sein Script bewahrt die satirischen Elemente des Vorgängers, die dramatische Verflechtung von Politik und Wirtschaft, den Blick auf eine nicht allzu weit entfernte dystopische Zukunft, die Over-the-Top-Gewalt sowie die eher philosophischen Fragestellungen hinsichtlich der Identität seines Titelhelden. Der Film eröffnet mit dem seiner Ehefrau nachstellenden Cyborg (Peter Weller), die ja eigentlich vom Tod ihres Gatten überzeugt ist und nicht ahnt, dass sein Hirn in eine Maschine implantiert wurde. Sein Verhalten, das auf den verbliebenen menschlichen Kern im Metallkorpus zurückzuführen ist, wird als Fehlfunktion interpretiert, die abzuschalten sei und den Wunsch nach einem verbesserten Modell weckt. Auf den Plan tritt die karrieregeile Wissenschaftlerin Juliette Faxx (Belinda Bauer), die Pläne für einen noch durchlagskräftigeren RoboCop hat. Ausgerechnet der Drogenzar Cain (Tom Noonan), der die Straßen mit der Designerdroge Nuke flutet, soll ihr das nötige Gehirn liefern …

Was genug Stoff für einen Film geboten hätte, verkommt jedoch zu nur einer von zahlreichen Plotlinien, die sich gegenseitig Zeit rauben und um die Aufmerksamkeit des Zuschauers buhlen. Quasi nebenbei handelt ROBOCOP 2 auch noch von den Bemühungen des Detroiter Bürgermeisters Kuzak (Willard E. Pugh), einer lame duck von OCPs Gnaden, die Stadt aus dem Griff des Multis zu befreien, wozu er gemeinsame Sache mit der Bande Cains macht, und den Streitereien unter den Schurken (zu denen auch ein schleimiger Zwölfjähriger zählt). Auf den Straßen herrschen erneut bürgerkriegsähnliche Zustände, weil die von OCP aufs Abstellgleis geschobenen Polizeibeamten ihren Dienst niedergelegt haben und für eine bessere Bezahlung kämpfen. In einer komischen Episode wird der RoboCop durch die Umprogrammierung von Faxxin in eine verbale Lektionen erteilende Quasselstrippe verwandelt, die von niemandem mehr ernst genommen wird. Wie so viele Ansätze des Films wird auch dieser in nur einer Szene aufgelöst, andere – die Geschichte um Murphys Ehefrau – werden einfach ganz fallengelassen. Der Titelcharakter verschwindet in der zweiten Hälfte über weite Strecken ganz aus dem Film, und dass Nancy Allen auch mitspielt, fällt einem erst wieder ein, als sie kurz vor Schluss plötzlich wieder auftaucht. Es wird viel versucht, aber nichts wirklich zu Ende gedacht, dazu fehlen der Drive und die Zielstrebigkeit des Vorgängers. ROBOCOP 2 wirkt episodisch, ja fragmentarisch und noch comichafter als der erste Teil, wozu nicht zuletzt die Vielzahl an Stop-Motion-Effekten, die im Finale zum Einsatz kommen, sowie völlig überzogene Einfälle wie den, OCP eine Hakenkreuzfahne hissen und Wachpersonal in schwarzen Lederuniformen patroullieren zu lassen, ihren Teil beitragen. Das alle macht ROBOCOP 2 durchaus zu einem recht liebenswerten Sequel, aber eben auch zu einem inhaltlich beliebigen. Trotz der Gewalt wirkt ROBOCOP 2 wie ein filmgewordener Sonntagmorgen-Cartoon.

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