il fantasma di sodoma (lucio fulci, italien 1988)

Veröffentlicht: Dezember 5, 2015 in Film
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il-fantasma-di-sodoma-aka-sodomas-ghost-poster„Wo eine Villa ist, ist auch ein Weg.“ An diese alte römische Redensart erinnerte sich Luci Fulci (und viele andere italienischen Filmemacher mit ihm) in den späten Achtzigerjahren, als er nach dem ZOMBI 3-Ärgernis überlegte, was er mit dem wenigen Geld, das ihm die marode Produktionsgesellschaft Alpha Cinematografica für einen neuen Film zur Verfügung stellte, anstellen könne. Eine kleine Horrorfabel um ein paar Teenager, die in einer verwunschenen Villa festsitzen, das würde irgendwie gehen. Wahrscheinlich fiel ihm dann noch ein, dass ja auch Pasolinis großer SALÒ O LE 120 GIORNATE DI SODOMA fast ausschließlich in einer Villa gespielt hatte, und fertig war die Idee für IL FANTASMA DI SODOMA.

Die Geschichte – eine Gruppe Jugendlicher landet in einem Haus, in dem rund 40 Jahre zuvor ein paar Nazis in den letzten Tagen des Zweiten Weltkriegs eine wüste Orgie gefeiert hatten, wird dort auf mysteriöse Weise festgehalten und von den Geistern der Vergangenheit in Versuchung geführt – ist typischer Kurzfilm- oder Episodenstoff, aber es sollte eben ein Kinofilm werden, für dessen Produktion es an allen Ecken und Enden haperte. Das Ergebnis ist ein besonders trauriger Ausweis für den Niedergang eines großen italienischen Filmemachers im Besonderen und des italienischen Kinos in den Achtzigerjahren generell: Da tummeln sich talentfreie Nullchargen, wird verzweifelt versucht, die wenigen noch verbliebenen Zuschauer mit schäbigem Sex und etwas lustlos vorgetragener Gewalt bei der erschlafften Stange zu halten, bemühen sich alle krampfhaft, die bloß skizzierte Story auf Spielfilmlänge zu dehnen. Ich würde gern etwas Gutes über IL FANTASMA DI SODOMA sagen, der mir immerhin besser gefallen hat als der hoffnungslose ZOMBI 3, aber ich muss mich dazu schon sehr verrenken. Sicherlich kann man es irgendwie sympathisch finden, wie Fulci da nur mit einer Kamera und ein paar Knallchargen bewaffnet in das Setting eingefallen ist, gesagt hat: „Macht mal!“ und dann wild drauflos improvisiert hat. Aber eigentlich ist mir angesichts der unübersehbaren Tristesse dieser Rumpelbuden-Produktion überhaupt nicht zum Lachen zumute. Immerhin ist die kreative Talsohle von Fulcis Schaffen mit diesem Werk durchschritten. Seine folgenden Filme blieben – verglichen mit dem, was er bis in die frühen Achtzigerjahre gemacht hatte – weiterhin klein und bescheiden, konnten oft nicht verbergen, dass da mit viel Spucke und Pressspan gearbeitet worden war, zeigten aber doch wieder mehr von der Kreativität und poetischen Kraft, für die man Fulci einst lieben gelernt hatte.

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